Der Borkenkäfer fällt über die Fichten in Dortmunds Wäldern her

mlzBraune Bäume

Auf dem Klusenberg im Dortmunder Süden verlieren die Fichten ihre Farbe, die immergrünen Bäume werden braun. Schuld daran sind der Borkenkäfer und der Sommer 2018.

Dortmund

, 05.02.2019, 04:36 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vom Parkplatz ist es nicht weit bis zum Unheil: Auto auf dem Parkplatz des Friedhofs Syburg abstellen, über die Straße gehen, rund 100 Meter weiter rechts abbiegen und über den Feldweg in den Wald gehen. Vorne, in der ersten Baumreihe, stehen einige Fichten. Die sollten eigentlich das ganze Jahr über grün sein. Sind sie aber nicht.

Geringe Niederschläge und große Hitze waren die Ursache

Einige der Bäume sind ausgedünnt, sie haben wenige Äste. Die wenigen Äste wiederum haben nur wenige Nadeln. Und viele der Nadeln, die da sind, sind braun. Es sind alles Zeichen dafür, dass es den Bäumen schlecht geht. Schuld daran ist der Borkenkäfer.

„Während der Dürre im Sommer 2018 haben sich aufgrund der hohen Temperaturen und der geringen Niederschläge Borkenkäfer extrem vermehrt“, schreibt Katrin Pinetzki, Sprecherin der Stadt Dortmund, auf Anfrage: „In der Folge sind viele Fichten abgestorben.“

Eigentlich wehren sich die Bäume mit Harz gegen Schädlinge

Zwei Arten mit so harmlosen Namen machen den Fichten zu schaffen. Buchdrucker und Kupferstecher heißen sie und hatten aufgrund des heißen Sommers „leichtes Spiel“, so der Landesbetrieb Wald und Holz. „Normalerweise wehren sich Fichten mit Harz gegen die kleinen Eindringlinge, die darin kleben bleiben und sterben. 2018 waren die Fichten aber so gestresst, dass sie kein oder kaum Harz gebildet haben, ihr Abwehrmechanismus also quasi ausfiel.“

Der Borkenkäfer fällt über die Fichten in Dortmunds Wäldern her

Klein sind die Borkenkäfer. Der Schaden, den sie anrichten, ist allerdings groß. © dpa

Das Ergebnis ist nun unter anderem auch in Dortmund am Klusenberg zu sehen, wo zwischen vielen anderen Baumarten auch Fichten stehen. Wald und Holz bezeichnet die aktuelle Plage als größte Borkenkäferkalamität seit 1947. Eine Kalamität ist ein durch Schädlinge hervorgerufener Schaden in Pflanzenkulturen.

Am Klusenberg ist das Fällen nur eingeschränkt möglich

Wie geht’s nun weiter mit den Dortmunder Fichten? „Um den Befall weiterer Fichten zu verringern, werden Bäume, in denen sich noch Käfer und Larven befinden, vorrangig gefällt und die vom Käfer befallene Rinde vom Stamm geschält“, schreibt Katrin Pinetzki: „Am Klusenberg ist dies aufgrund der Steillage nur eingeschränkt möglich. Die Bäume müssen dort mit speziellen Techniken beim Fällen gesichert und aus dem Wald gebracht werden.“

„Buchdrucker und Kupferstecher hatten leichtes Spiel.“
Landesbetrieb Wald und Holz

Die Folgen für den Dortmunder Stadtwald seien laut Pinetzki allerdings nicht so gravierend. Der Fichtenanteil an der Waldfläche beträgt nämlich nur 1,8 Prozent.

Der Dortmunder Wald wird schon lange umgebaut

Dass der Fichten-Anteil im Stadtwald so gering ist, sei eine Folge des schon im vorigen Jahrhundert begonnenen Waldumbaus. Der Stadtwald wird nach einem ökologischen Waldpflegeprogramm bewirtschaftet, das 1993 beschlossen wurde. „In diesem Programm sind Richtlinien festgeschrieben, wie der Wald naturnah und den standörtlichen Verhältnissen angepasst zu bewirtschaften ist.

Dazu gehört auch das Etablieren von widerstandsfähigen Mischbeständen aus überwiegend heimischen, der natürlichen Vegetation entsprechenden Laubbäumen“, schreibt Pinetzki. Der Laubholzanteil im Stadtwald betrage derzeit 91 Prozent. Der Anteil der Mischbestände beträgt 76 Prozent. Über 46 verschiedene Baumarten wachsen im Stadtwald.

Der Borkenkäfer fällt über die Fichten in Dortmunds Wäldern her

Baum an Baum: Der Hang am Klusenberg ist dicht bewachsen. Zwischendrin sind einige kaputte Fichten, gut zu erkennen an den braunen Nadeln und der abfallenden Rinde. © Michael Nickel

Woanders hingegen sieht die Beziehung von Fichte, Buchdrucker und Kupferstecher etwas komplizierter aus. „Die Borkenkäfer haben sich in ganz Deutschland und Teilen Europas extrem vermehrt. Dadurch ist die Nachfrage nach qualifizierten Forstunternehmen stark gestiegen. Gleichzeitig ist die Nachfrage nach Fichtenholz und somit der Holzpreis stark gesunken“, so Katrin Pinetzki.

Dortmund kommt gut weg, andere trifft es schlimmer

Durch die landesweite Dürre sind nach Angaben der Landesforstverwaltung in Nordrhein-Westfalen rund 2,1 Millionen Kubikmeter Schadholz durch Borkenkäfer angefallen. Bundesweit sind es etwa 12 Millionen Kubikmeter. „Diese Holzmengen kann weder die Holzindustrie in Deutschland noch die in den Nachbarstaaten kurzfristig aufnehmen. Für andere private und kommunale Waldbesitzer mit überwiegend Fichtenbeständen stellt der Preisrückgang für Fichtenholz von über 50 Prozent einen erheblichen wirtschaftlichen Schaden dar.“

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