Erbauer der Reinoldi-Haltestelle blickt auf sein Lebenswerk zurück

mlzUnternehmer-Legende

Der Name Ewald Rüter ist praktisch nur Fachleuten bekannt. Doch das Buch des ehemaligen Dortmunder Stahlbauers verändert nun den Blick auf so manche Stahlkonstruktion im Ruhrgebiet.

Hombruch

, 04.11.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ewald Rüter (87) ist ein Meister des Understatements. Der Titel seines neuen Buches „Man nannte sie Kuhbrücke“ und auch der Untertitel „Aus dem Leben und Arbeiten des Dortmunder Stahlbau-Unternehmers Ewald Rüter“ deuten nicht ansatzweise darauf hin, welche spannende Geschichte im Inneren auf den Leser wartet.

Denn hinter dem ehemaligen Hombrucher Stahlbauer steckt der Erbauer von Konstruktionen, die das Stadtbild vieler Ruhrgebiets-Metropolen noch heute prägen. Das Buch, das jetzt im Verlag der Dortmunder Druckerei Stöcker erschienen ist, zeigt: Ewald Rüter ist eine wenig bekannte Unternehmer-Legende.

„Skulpturen für den öffentlichen Raum“

Ewald Rüter nennt die Werke, die sein Unternehmen seit der Firmengründung 1967 für die meist im Vordergrund stehenden Architekten gebaut hat, „Skulpturen für den öffentlichen Raum“.

Der Pylon in der Dortmunder City ist eine der prominenten Stahlkonstruktionen, die Ewald Rüter mit seiner Firma gebaut hat.

In seiner Biografie „Man nannte sie Kuhbrücke“ fasst der Stahlbauer Ewald Rüter seine wichtigsten Konstruktionen zusammen. © Ewald Rüter

Da ist der Christus-Pavillon im Kloster Volkenroda (Thüringen): Rüters Firma baute die Konstruktion nach den Plänen des Architekten Meinhard von Gerkan für die Expo 2000.

Das Gebäude diente als Kirche der Weltausstellung und wurde nach Ende der Expo abgebaut und in dem Kloster wieder aufgebaut. „Ein einmaliger Vorgang“, erinnert sich Ewald Rüter an dieses vielbeachtete Projekt.

Eine Landmarke des Ruhrgebietes

Auch das Tetraeder in Bottrop stammt aus der Produktion von Rüters Firma. Die Begehbare Aussichts-Terrasse auf der Halde Beckstraße ist eines der prominentesten Beispiele für den Strukturwandel im Ruhrgebiet.

Die Erinbrücke in Castrop-Rauxel ist ein Beispiel dafür, wie leicht eine Stahlkonstruktion wirken kann.

Die Erinbrücke in Castrop-Rauxel ist ein Beispiel dafür, wie leicht eine Stahlkonstruktion wirken kann. © Thomas Schroeter

Für das Tetraeder verbaute die Rüter GmbH 210 Tonnen Stahl, die aber filigran und leicht wirken und vor allem nachts, wenn das Tetraeder beleuchtet ist, zu schweben scheinen.

Das Tetraeder entstand im Jahr 1995, genauso wie die Erinbrücke in Castrop-Rauxel, auch Krickesteg genannt. Bei der Erinbrücke wird der Stahl ebenfalls so eingesetzt, dass die Konstruktion geradezu spielerisch leicht erscheint.

Wie ein aufgespanntes Zelt

Als prominentestes Werk von Ewald Rüter in Dortmund gilt der sogenannte Pylon. Die U-Bahn-Haltestelle „Reinoldikirche“ entstand 1991 und ist mittlerweile ebenfalls ein Markenzeichen der Dortmunder Innenstadt.

Der Pylon zeigt alles, was Ewald Rüters Firma zu einem so bekannten Unternehmen gemacht hat. Die Konstruktion aus Glas und Stahl wirkt wie ein Zelt, das über den U-Bahn-Fahrgästen aufgespannt wurde.

Gerade diese Konstruktion war ein Meilenstein für das Unternehmen. „Wir waren die ersten, die Computer für die Berechnung der Konstruktionen eingesetzt haben“, berichtet der 87-Jährige.

Das Buch „Man nannte sie Kuhbrücke“ soll eine Biografie sein, ist aber ein Führer durch die Höhepunktes des Stahlbaus im Ruhrgebiet, der sprachlos macht.

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