Die Stadt Dortmund will den Hoeschpark zu einem Park mit überregionaler Bedeutung aufwerten. Davon sollen die Sportvereine und Anwohner profitieren. Aber es gibt auch Verlierer.

Nordstadt

, 04.09.2018, 13:34 Uhr / Lesedauer: 7 min

In Dortmund soll es bald einen weiteren Park mit überregionaler Bedeutung geben. Der Westfalenpark ist schon einer, der Rombergpark auch. Und der Hoeschpark befindet sich auf dem Weg dahin.

Die Sportvereine sollen hier, zwischen Borsigplatz und Westfalenhütte, bessere und größere Räume erhalten, eine dauerhafte Gastronomie soll entstehen, Ökologie, Naherholung und Integration sollen eine große Rolle spielen. Das sorgt bei einigen für zufriedene Gesichter.

Viele Sportvereine ziehen viele Sportler an

Die Dortmund Wanderers und Dortmund Giants ziehen mit Baseball und Football viele Sportler aus dem Quartier an. Vier Fußballvereine sind hier angesiedelt: DJK Saxonia, der TuS Hannibal, der MSV Dortmund und der SC STS Asteria. Es hat sich einiges getan, seit die Stadt Dortmund die ehemalige Hoeschfläche im Jahr 2004 in dürftigem Zustand von Thyssen gekauft hat.

Und die Stadt will die Entwicklung weiter vorantreiben. Die Pläne mündeten in einem „Realisierungswettbewerb“ für Architekten, dessen Frist am 31. August endete.

Eine Jury wählt am 20. September die drei besten Projekte aus, die dann öffentlich präsentiert werden. In einem nächsten Schritt wird der ausführende Architekt bestimmt. Dann wird klar sein, wie das Gesicht des Hoeschparks in den kommenden Jahren aussehen soll.

Dr. Ludwig Jörder ist Bezirksbürgermeister der Innenstadt-Nord und als Sachkundiger Mitglied der Jury. „Ich bin sehr froh, dass endlich ein Gesamtkonzept angegangen wird“, sagt er. „Ich hoffe, dass am Ende viel Schönes herauskommt.“

Der Hoeschpark verändert sein Gesicht – die Do-Bo-Villa wird es nicht mehr geben

Marcus Schmälter ist seit Ende 2015 Pächter der Do-Bo-Villa im Hoeschpark. © Michael Nickel

Marcus Schmälter wird dann, am Ende dieses Prozesses, voraussichtlich kein Teil mehr des Hoeschparks sein. Doch er will weiter kämpfen, so viel ist für ihn klar. Große Anstrengungen ist er aus den vergangenen drei Jahren gewohnt, seit er als Pächter das ehemalige Clubhaus im Hoeschpark übernommen und darin die Do-Bo-Villa aufgebaut hat.

Der Pächter hat viel investiert, konnte sich aber nie sicher sein

Viel Geld, Zeit und Schweiß stecken in der weißen Fassade, im Discoraum im Keller, im Veranstaltungsraum im Erdgeschoss, im Innenhof und im Biergarten direkt vor dem Eingang. Gemeinsam mit seiner Frau, deren Schwester und seinem Schwager baut er die von ihm gepachtete Anlage als Gesellschafter einer eigens gegründeten GmbH immer weiter aus.

Sicher konnte sich Marcus Schmälter aber nie sein, dass er die Do-Bo-Villa dauerhaft betreiben kann. Er ist seit Ende 2015 Pächter, nicht Besitzer des Gebäudes. So kommt es, dass die Zukunft der Do-Bo-Villa nicht in Marcus Schmälters Händen liegt.

Die Stadt wird von ihrem Kündigungsrecht Gebrauch machen

Im August hat er einen neuen Pachtvertrag unterschrieben, der bis Ende 2018 läuft. Der neue Vertrag verlängert sich ab Januar automatisch um jeweils drei Monate, sofern keine der beiden Parteien vier Wochen vor Ablauf kündigt. Marcus Schmälter hat nicht vor, selbst zu kündigen.

„Der Vertrag ist gastronomie-untypisch. Aber ich bin noch lange nicht so weit, dass ich den Kopf in den Sand stecke“, sagt er. Wann allerdings der Verpächter ihm kündigt, ist wohl nur eine Frage der Zeit. Verpächter sind die städtischen Sport- und Freizeitbetriebe, sie betreiben seit Anfang 2018 den Hoeschpark und sehen für das Kellergeschoss der Do-Bo-Villa eine andere Verwendung. Anstelle der bestehenden Disko sollen Umkleideräume für die Football-Mannschaft der Giants entstehen.

Der Hoeschpark verändert sein Gesicht – die Do-Bo-Villa wird es nicht mehr geben

In diesem Disko-Raum sollen bald Umkleiden für American Footballer entstehen. © Michael Nickel

Dieser Punkt ist eines von mehreren Zielen des Realisierungswettbewerbes. Der wiederum ist nur eine von vier Säulen der aktuellen Pläne für die Entwicklung des Hoeschparks. 2016 gab es erste Workshops mit den Akteuren und Vereinen aus dem Hoeschpark, im Dezember 2017 folgte eine Veranstaltung unter Beteiligung der Bürger und Akteure.

Vier Themenblöcke bestimmen die kommende Entwicklung

„Wir haben Wünsche aufgenommen und gefragt, welche Neuerungen nötig sind. Auf dieser Basis haben wir Ideen gesammelt und parallel Vereinsgespräche geführt“, sagt Uta Wittig-Flick vom Amt für Wohnen und Stadterneuerung.

Herausgekommen ist insbesondere der Wunsch, den Hoeschpark stärker in die Strukturen der Nordstadt einzubinden und ihn attraktiver für Anwohner, Kinder und Jugendliche zu machen. Maßgebend für die Entwicklung sind vier Themenblöcke, die für die Zukunft des Hoeschparks eine wesentliche Rolle spielen sollen:

  • Bewohner und Vereine sollen sich mit Eigeninitiative einbringen. Sei es beim Bau von Insektenhotels und Vogelhäuschen oder Hochbeeten, bei der Organisation von Sportfesten, Freizeitangeboten für Kinder oder Kooperationen mit Flüchtlingsorganisationen.
  • Für die Stadterneuerung stehen Ökologie und die Verzahnung des Parks mit der Umgebung im Vordergrund.
  • An den Eigentümer, also die Stadt Dortmund, richteten sich besonders viele Wünsche zur Aufwertung einzelner Standorte innerhalb des Parks. So wünschen sich die Footballer eine Tribüne, die Baseballer unter anderem eine Sanierung des denkmalgeschützten Tunnels, der den Wanderers als Lager dient. Der Hoeschpark soll als Marke aufgebaut werden.
  • Für den laufenden Realisierungswettbewerb erarbeiteten die Beteiligten ebenfalls konkrete Wünsche. Neben dem Wunsch nach mehr Lebensräumen für Vögel, einer artenreichen Bepflanzung und besserer Beleuchtung stand der Sport im Mittelpunkt. Eine gute Gastronomie fehle, ebenso Vereinsgebäude für Vereine und deren Kinder- und Jugendarbeit. Der Wunsch nach einer Nutzung des Tennisheims und der Do-Bo-Villa als Orte für Umkleiden, Toiletten, Versammlungen und Gastronomie stellte sich bei den Beteiligten heraus.

Fünf Millionen Euro an Fördermitteln aus dem EU-Fonds für regionale Entwicklung stehen für die Aufwertung des Hoeschparks zur Verfügung, 500.000 Euro davon steuert die Stadt bei. Die Summe ist zwar noch nicht bewilligt, doch die Pläne sind durchaus konkret und sie unterscheiden sich beim Realisierungswettbewerb in einigen Punkten von dem, was noch vor einem Jahr zur Zukunft des Hoeschparks angedacht war.

Zunächst war das Tennisheim im Fokus der Planungen

In einer umfassenden Bestandsanalyse aus dem Juni 2017 war zunächst das Vereinsheim der Tennisgemeinschaft Westfalia mit 400 Quadratmetern Fläche „aufgrund seiner Lage sowie der durch Mitgliederschwund hervorgerufenen nicht ausgelasteten Situation“ als Ort mit großem Potenzial angesehen worden, wie es in dem Dokument der Stadt heißt. Für die Do-Bo-Villa mit 1200 Quadratmetern Fläche war damals lediglich eine Fassadenverschönerung vorgesehen.

Die Räume im Keller haben eine lange Geschichte

Im Realisierungswettbewerb heißt es nun: „Das Gebäude der ‚Do-Bo-Villa‘ […] soll entsprechend seiner zentralen Lage im Park zum gesellschaftlichen ‚Herzstück‘ des Hoeschparks ausgebaut werden.“ Auf knapp zwei Seiten ist detailliert aufgelistet, welche Etage und welcher Raum in Zukunft wie genutzt werden sollen.

Der Hoeschpark verändert sein Gesicht – die Do-Bo-Villa wird es nicht mehr geben

Auch das Tennisheim der TG Westfalia soll für andere Vereine und Akteure geöffnet werden. © Michael Nickel

Im Keller befindet sich noch eine Discothek. Hier veranstaltet Marcus Schmälter freitags und samstags Partys. Dort, wo früher die Kult-Discos Versteck und Royal Bambi zuhause waren, sollen ab dem kommenden Jahr Umkleide- und Duschräume für American Footballer entstehen.

Der Platz für die Footballer reicht nicht aus

Schon jetzt nutzen die Giants einen Teil des Untergeschosses der Do-Bo-Villa, doch sie benötigen mehr Platz angesichts einer Mannschaftsstärke von gut 50 Spielern plus großen Taschen mit Ausrüstung.

Das Tennisheim soll nun als „multifunktionales und universell nutzbares Veranstaltungsgebäude“ weiterentwickelt werden. Ursprünglich angedachte Neu- oder Anbauten sind hier kein Thema mehr. Doch wie kommt es zu dieser Entwicklung? „Im Juni 2017 dachten wir, dass wir mit dem Tennisheim wohl hinkommen. Danach folgten weitere Bedarfsgespräche“, sagt Uta Wittig-Flick: „Es sind Prozesse, die sich entwickeln und die sich aufgrund neuer Informationen verändern.“

„Wo ist der größte gemeinsame Nenner?“

Unter anderem soll eine neue Gastronomie im Gebäude der Do-Bo-Villa einziehen. Sollte diese Gastronomie aber aus dem Fördertopf aufgebaut und unterstützt werden, darf der Betreiber keinen Gewinn erwirtschaften. Die Stadt hat Marcus Schmälter angeboten, diese Einrichtung zu betreiben. Derzeit macht er den Großteil seines Umsatzes für die GmbH mit den Disco-Abenden, die es bald wohl nicht mehr geben wird.

„Man muss Abwägungen vornehmen“, sagt Bernd Kruse. Er ist Leiter der städtischen Sport- und Freizeitbetriebe und damit auch Leiter des Hoeschpark-Betreibers. Es gehe bei solchen Planungen immer um Kompromisse. „Wir können es nicht allen recht machen, sondern nur schauen: Wo ist der größte gemeinsame Nenner? Der größte Bedarf kommt dabei von den Vereinen“, sagt er.

(Fahren Sie über das Bild oben und erfahren Sie mehr zu den wichtigsten Bestandteilen des Realisierungswettbewerbes / Foto: Peter Bandermann)

Sowohl die Wanderers und die Giants als auch Saxonia, Hannibal, der MSV und Asteria leisten integrative und soziale Arbeit in der Nordstadt. Marcus Schmälter, hauptberuflich in einer Behindertenwerkstatt der Awo angestellt, sieht ein solches Potenzial in der Do-Bo-Villa.

Im September will er erstmals eine Disco für Menschen mit Behinderung veranstalten, die Gastronomie im Erdgeschoss, die dienstags bis freitags von 16 bis 20 Uhr und samstags und sonntags von 14 bis 19 Uhr geöffnet hat, soll zum Inklusions-Café werden. Mit dem interkulturellen und kreativen Verein Borsig11 kooperiert er, Vereinen stellt er Räume zur Verfügung, Hochzeiten finden hier statt. „Ich will, dass die Do-Bo-Villa ein Treffpunkt für die gesamte Nordstadt wird“, sagt er. Doch daraus wird voraussichtlich nichts. „Wenn ich ein schlechter Pächter wäre, würde ich sagen: Okay. Aber das bin ich nicht.“

Die erste Zielgruppe sind die Vereine und die Bewohner

Uta Wittig-Flick betont die Relevanz der Vereine: „Das Freizeitleben der Mitglieder spielt sich überwiegend dort ab.“ Zudem dienten die Fördermittel in erster Linie den Bewohnern: „Und die erste Zielgruppe sind die Vereine, die sich um die Bewohner kümmern.“

„Die Problematik, die sich aus den Wünschen der vielen Beteiligten ergibt, ist nicht für alle Seiten zufriedenstellend zu lösen“, sagt Bernd Kruse. Und eine Ideallösung für jeden Akteur könne es ohnehin nicht geben. „Ein eigenes Vereinsheim für jeden ist unrealistisch“, sagt er. Neubauten seien angesichts der Förderrichtlinien grundsätzlich ausgeschlossen.

Der Tunnel wartet auf eine Sanierung

Doch was wollen die einzelnen Akteure? Abgesehen von Umkleiden haben speziell die Wanderers und Giants weitere Bedürfnisse. „Es gibt kein Vereinsheim, keine Räumlichkeit, in der wir uns mit unserem wachsenden Jugendbereich und allen anderen Mitgliedern aufhalten können. Die Footballer haben die gleiche Problematik“, sagt Wanderers-Vorsitzender Oliver Görich. „Dementsprechend existiert keine Gastronomie, die dauerhaft geöffnet ist und in der Eltern auch mal einen Kaffee trinken können.“

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Auch ein geeigneter Lagerraum fehlt den Baseballern. „Im Tunnel stünden auf jeder Seite zwei Räume zur Verfügung, aber das ist eine Tropfsteinhöhle. Unser Equipment schimmelt dort derzeit weg. Es werden seit Jahren immer mal wieder Veränderungen angekündigt, leider ist bisher nichts passiert.“ Für dieses Problem sieht der laufende Architektenwettbewerb keine Lösung vor. Die Stadt befürchtet, es würde schwierig, den Tunnel trockenzulegen. Zudem wünschen sich die Wanderers eine Überdachung des sogenannten Batting Cages, einer eingezäunten Trainingsfläche.

Den Wanderers fehlen die Trainingsflächen

„Zusammenfassend kann man sagen, dass im Hoeschpark bereits jetzt alle Möglichkeiten vorhanden wären, um glücklich zu werden“, so Oliver Görich. „Leider sind diese bisher kaum nutzbar. Es ist doch paradox! Der Rasenplatz auf der anderen Seite des Tunnels steht zu 80 Prozent der Zeit leer. Gleichzeitig können wir kein vernünftiges Jugend- und Kindertraining anbieten, weil uns mit unseren acht Mannschaften die Flächen fehlen. Und unsere Damen-Teams dürfen nicht aufsteigen, weil wir kein passendes Feld für Damen- und Kinderbaseball haben.“

Den Giants fehlt eine Tribüne

Auch die Giants haben Wünsche. Allen voran hofft der Football-Verein auf eine Tribüne. Doch die ist nicht in Planung, ebenso wenig eine blickdichte Absperrung des Platzes. Dadurch fehlt dem Verein laut Präsident Markus Wiesemes die Möglichkeit, Eintrittsgelder zu generieren.

In einer Machbarkeitsstudie von 2015 waren noch die Errichtung eines Multifunktionsgebäudes für die Giants und der Aufbau eines Landesleistungszentrums angedacht. Danach sieht es jetzt aber nicht mehr aus. Die Stadt Dortmund hat andere Pläne für den Hoeschpark, sie will möglichst viele Interessen unter einen Hut kriegen.

Der Hoeschpark verändert sein Gesicht – die Do-Bo-Villa wird es nicht mehr geben

Das Freibad Stockheide gehört auch zum Realisierungswettbewerb. © Bettina Ansorge (Archiv)

Der Freundeskreis Hoeschpark setzt sich seit Jahren für die Belebung des Parks ein. „Es gibt immer wieder Knackpunkte, wo wir als Verein versuchen einzuschreiten und zu schauen, wo die Interessen der Vereine und Akteure liegen“, sagt Vorsitzende Ute Ellermann. Die Do-Bo-Villa in ihrer jetzigen Form sei ein Alleinstellungsmerkmal für den Hoeschpark, das Angebot habe eine überregionale Strahlkraft.

Schwierig sei ein anderes Interesse: „Eine Location, wo es am Wochenende und nachmittags Kuchen und einen Biergarten gibt und die den Gastrobedarf mit einem kleinen aber feinen Szene-Restaurant deckt.“ Hier sieht Ellermann auch Potenzial im Tennisheim. Sie erhofft sich von den Architekten Lösungen, die einen Verbleib der Do-Bo-Villa möglich machen.

Es wird nicht für alle zufriedenstellend ausgehen

Dass es soweit kommt, ist nicht unmöglich, aber unwahrscheinlich. Der Realisierungswettbewerb dient den Architekten und Planern als Orientierungspunkt. Je nachdem, was sie vorschlagen, können sich neue Lösungen für die Vereine und Akteure ergeben. Auch geht es nach dem Verfahren in weitere Gespräche mit den Beteiligten.

Verändern wird der Hoeschpark sein Gesicht so oder so. Wie lange Marcus Schmälter und die Do-Bo-Villa noch im Hoeschpark weitermachen, wird sich zeigen. „Wir besprechen mit dem Architekten, ob der Betreiber so lange bleiben kann, bis es an die bauliche Substanz geht“, sagt Uta Wittig-Flick. Läuft alles nach Plan, beginnen die Bauarbeiten im Hoeschpark Ende 2019.

Die Bestandsanalyse aus dem Juni 2017 und das Leistungsbild zum Realisierungswettbewerb, das im Mai 2018 in der Bezirksvertretung Innenstadt-Nord vorgestellt wurde, können Sie über einen Klick herunterladen.
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