"Der kommt aus Deutschland"

Spätestens jetzt, mit dem Türschild, hat der Erfolg des Sohnes auch für die Eltern ein Gesicht: "Es war immer eine abstrakte Sache für sie", sagt der 36-jährige heute.

25.01.2008, 18:56 Uhr / Lesedauer: 2 min

<p>Professor Dr. Ahmet Toprak: Er hat seinen Traumberuf gefunden. Wegener</p>

<p>Professor Dr. Ahmet Toprak: Er hat seinen Traumberuf gefunden. Wegener</p>

Toprak selbst ist sicher, seinen "Traumberuf" gefunden zu haben. Und er ist froh, dass er es damals geschafft hat und deshalb nichts aus dem "Maurer Toprak" wurde. "Ich habe zwei linke Hände", sagt der Professor. Auch das war neben dem erfolgreichen, vier Jahre älteren Bruder, Grund genug, damals in Ankara durchzuhalten.

Es war nicht einfach am Anfang. Die Lehrer seien es nicht gewohnt gewesen, dass man ihnen widersprach, erinnert sich Toprak heute. Frontalunterricht in Reinkultur und keine Diskussion - Ahmet war inzwischen zu viel vom deutschen Schulsystem geprägt, um dies widerspruchslos hinzunehmen. "Ich teile Ihre Meinung" nicht", habe ich gesagt, erinnert er sich heute. Manchmal war eine Ohrfeige die Konsequenz. Es gab aber auch Lehrer, die mit mir dann diskutiert haben. Die anderen Schüler in der Klasse haben gemerkt: Oh, ich kann doch mal etwas sagen."

Wenn es doch mal wieder Ärger gab, dann versuchten ihm seine Mitschüler zu helfen und sein "Fehlverhalten" zu entschuldigen: "Der kommt aus Deutschland". 57 Klassenkameraden hatte Ahmed damals.

Als er das Abitur in der Tasche hatte, musste Toprak wie alle in der Türkei noch durch eine zentrale Prüfung. Erst dann konnte er sein Studium an der Hochschule aufnehmen. Und nun erst - in der Türkei an der Uni eingeschrieben - hatte er die Chance, an eine deutsche Uni zu wechseln. Auch hier ging er entschlossen seinen Weg. Und traf zwischendurch den richtigen Professor, der ihn an einem Abend "nach fünf Bier" aufforderte, zu promovieren. Als Toprak zwei Tage später nochmals nachfragte, ob er dies ernst gemeint habe, bekam er zur Antwort: "Hast Du noch nicht damit angefangen? Toprak fing an und schaffte es - bis zum Türschild an der Fachhochschule und zu seinem Traumberuf. Geschwister und Eltern leben noch heute in Köln. Bis auf den vier Jahre älteren Bruder, der heute in Ankara Professor für Germanistik ist. Ahmet Toprak ist im Kreuzviertel zuhause und als gebürtiger Türke und Erziehungwissenschaftler in der Diskussion um Gewalt unter Jugendlichen mit Migrationshintergrund ein sehr gefragter Mann. Sein Lebenslauf ist wohl die beste Empfehlung. blf

Lesen Sie jetzt