Der Krebs war stärker: Die kleine Lejla (11) ist gestorben

Traurige Nachricht

Viele Dortmunder haben mit ihr gebangt und für ihre medizinische Behandlung gespendet: Am Samstag (28. 3.) hat die kleine Lejla aus Bosnien ihren zweiten Kampf gegen den Krebs verloren.

Kirchlinde

, 30.03.2020, 16:20 Uhr / Lesedauer: 2 min
Am frühen Samstagmorgen (28. 3.) ist Lejla in ihrer Heimat Bosnien gestorben. Der Kirchlinder Pfarrer Hartmut Anders-Hoepgen hatte das Mädchen und seine Familie über Jahre begleitet und Spendenaufrufe für die medizinische Behandlung organisiert.

Am frühen Samstagmorgen (28. 3.) ist Lejla in ihrer Heimat Bosnien gestorben. Der Kirchlinder Pfarrer Hartmut Anders-Hoepgen hatte das Mädchen und seine Familie über Jahre begleitet und Spendenaufrufe für die medizinische Behandlung organisiert. © (A) Beate Dönnewald

Sie war eine Kämpferin, die alle mit ihrem Optimismus, ihrer Stärke und Fröhlichkeit beeindruckt hat: Die kleine Lejla aus Bosnien wehrte sich fünf Monate lang tapfer gegen ihre zweite Krebserkrankung. Am frühen Samstagmorgen (28. 3.) starb sie in ihrer Heimat.

Das Schicksal meinte es von Anfang an nicht gut mit Lejla Adžić. Das bosnische Mädchen verlor aufgrund eines bösartigen Tumors schon als Baby sein linkes Auge. Zehn Jahre später, im Herbst 2019, kehrte der Krebs in Form eines Sarkoms in der Augenhöhle zurück.

"Gott hat einen bestimmten Platz für dich, mein Engel, und er passt auch gut auf dich auf. Nun bist du frei und wir werden dich nie vergessen": Die Todesanzeige für Lejla geht unter die Haut.

„Gott hat einen bestimmten Platz für dich, mein Engel, und er passt auch gut auf dich auf. Nun bist du frei und wir werden dich nie vergessen“: Die Todesanzeige für Lejla geht unter die Haut. © privat

Fünf Monate lang kämpften Ärzte der Uni-Klinik Essen anschließend um Lejlas Leben. Doch mehrere Chemotherapien und eine mehrstündige Operation brachten am Ende nicht den erhofften Erfolg.

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Den Kirchlinder Pfarrer Hartmut Anders-Hoepgen erreichte die Nachricht von Lejlas Tod am Samstagabend. „Ich bin immer noch vollkommen geschockt. Damit habe ich nicht gerechnet“, sagte er am Montag (30. 3.) im Telefoninterview.

Viele Menschen spendeten für Lejlas Behandlung

Der ehemalige Superintendent hatte Lejla und ihre Familie über Jahre begleitet und für die teuren medizinischen Behandlungen zusammen mit dieser Redaktion Spendenaktionen ins Leben gerufen. Denn Lejlas Eltern sind arm, und ihre bosnische Krankenkasse kommt für Arzt- und Klinik-Kosten in Deutschland nicht auf.

Lejla war bis zum Schluss ein fröhliches und optimistisches Mädchen. Stets lächelte sie in die Kamera, auch wenn sie von einer Chemotherapie gerade sehr mitgenommen war.

Lejla war bis zum Schluss ein fröhliches und optimistisches Mädchen. Stets lächelte sie in die Kamera, auch wenn sie von einer Chemotherapie gerade sehr mitgenommen war. © privat

Die Resonanz war jedesmal groß. Bei der ersten Spendenaktion 2009 kamen 22.000 Euro zusammen, bei der zweiten 2019/20 sogar fast 25.000 Euro. Auch die emotionale Anteilnahme war überwältigend. Viele Menschen in den sozialen Netzwerken wünschten dem „tapferen Mädchen“ und „kleinen Engel“ viel Kraft und alles Gute.

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Doch kurz nach Lejlas Geburtstag am 19. März stand fest: Die Mediziner können dem todkranken Mädchen nicht mehr helfen. „Die Ärzte waren wohl selbst geschockt, wie brutal sich der Krebs überall ausgebreitet hatte“, berichtet Hartmut Anders-Hoepgen.

Lejla flog zum Sterben in ihre Heimat Bosnien

Vor sieben Tagen sind Lejla und ihre Eltern in die Heimat geflogen. Sie haben noch einen der letzten Flüge bekommen, bevor der Flugverkehr wegen der Corona-Krise eingestellt wurde.

Im Oktober 2019, kurz vor der ersten Chemotherapie, war Lejla mit ihren Eltern und Alen Bećirović, einem engen Freund der Familie, bei Pfarrer Anders-Hoegen (l.) zu Besuch. Ihr Haar spendete sie.

Im Oktober 2019, kurz vor der ersten Chemotherapie, war Lejla mit ihren Eltern und Alen Bećirović, einem engen Freund der Familie, bei Pfarrer Anders-Hoegen (l.) zu Besuch. Ihr dickes, langes Haar spendete sie. © (A) Beate Dönnewald

Ihre kleine Tochter sollte zu Hause sterben. Die Intensivstation oder das Elternhaus der Klinik waren für Arnela und Senad Adžić keine Option. So konnte auch Lejlas ältere Schwester Abschied nehmen.

„Das war ihr erster Flug. Lejlas Eltern haben große Flugangst. Doch eine 30-stündige Busfahrt hätte Lejla nicht mehr geschafft“, berichtet der Pfarrer.

Die Bewohner des Kirchlinder Mehrgenerationenhauses, in dem auch Hartmut Anders-Hoepgen und seine Frau wohnen, kommen während des Corona-Glockengeläuts jeden Abend zum gemeinsamen Gebet an ihren Fenstern oder auf ihren Balkonen zusammen und stellen Kerzen auf. „Lejla haben wir in unsere Fürbitten eingeschlossen“, so Anders-Hoepgen.

Spenden zur Unterstützung krebskranker Kinder

Eigentlich sollte Lejlas Behandlung in der Uniklinik Essen bis zum Sommer dauern. Nun bleiben vermutlich Spendengelder übrig. Die restliche Summe soll, so Hartmut Anders-Hoepgen, an die Essener Elterninitiative zur Unterstützung krebskranker Kinder e.V. gehen. Der Verein betreibt unter anderem das Elternhaus, in dem Lejla mit ihrer Mutter während der Chemo-Pausen wohnen durfte.

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