Der „Nachwuchs-Mozart“ aus dem Knabenchor: 12-Jähriger komponiert Werk zum Kinderkreuzzug

mlzKnabenchor der Chorakademie

„Kinderkreuzzug 1212“ heißt das klassische Werk, das am 1. September vom Knabenchor der Chorakademie Dortmund uraufgeführt wird. Das Ungewöhnliche: Der Komponist ist zwölf Jahre alt.

Dortmund

, 30.08.2019, 18:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mozart ist sein großes Vorbild, sagt Soney Marino Paho. Und das ist durchaus ernst zu nehmen. Denn der Zwölfjährige eifert dem Salzburger Wunderknaben in der Tat nach. Mit vier Jahren hat Marino seine ersten eigenen Stücke komponiert. Inzwischen studiert der Schüler sogar nebenbei Komposition an der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf. Am Sonntag (1.9.) wird das erste große Werk von Marino aufgeführt. Eine Kantate zum Kinderkreuzzug 1212.

Erinnerung an den Kriegsbeginn

Die Spannung war groß bei den Proben des Knabenchores der Chorakademie in den vergangenen Wochen. Für ein Gedenkkonzert zum Antikriegstag am 1. September studieren die jungen Sänger den Kinderkreuzzug ein, ein Werk des deutsch-amerikanischen Komponisten Ralf Yusuf Gawlick.

Es basiert auf der gleichnamigen Ballade von Bertolt Brecht, der damit den Beginn des Zweiten Weltkriegs mit dem deutschen Überfall auf Polen 1939 verarbeitete. Sie schildert auf erschütternde Weise die Flucht von Kindern durch die Kriegswirren auf der Suche nach Frieden und Freiheit.

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Gawlick setzt Leid und Schrecken des Krieges in dem Werk, das 2005 vom Knabenchor der Chorakademie unter Jost Salm selbst uraufgeführt wurde, in Musik um. Emotionaler Höhepunkt ist die Verarbeitung des bekannten deutschen Volkslieds „Der Mond ist aufgegangen“.

Soney Marino Paho hat sich mit dem historischen Kreuzzug aus dem Mittelalter beschäftigt, der auch Brecht mit inspiriert hat. Im Jahr 1212 sollen sich Kinder aus Europa nach dem Vorbild der Kreuzfahrer ins Heilige Land aufgemacht haben. Um die Geschichte ranken sich diverse Legenden, sie ist bis heute Stoff für historische Forschungen.

Musikalisches Ausnahmetalent

Chorleiter Jost Salm hat Marino gewissermaßen dazu angestiftet, sich mit diesem Kinderkreuzzug zu beschäftigen und ihn in Musik umzusetzen. Denn das Talent des Zwölfjährigen als Komponist ist wohlbekannt. „Ich hab mich immer fürs Dirigieren interessiert“, erzählt Marino. „Ich habe mich dann ans Klavier gesetzt und erst mit Noten aus dem Klavierunterricht selbst Stücke geschrieben.“ Damals war er vier Jahre alt.

Seit dem sechsten Lebensjahr singt er im Knabenchor, seit dem achten Lebensjahr auch als Solist. Marino ist ein musikalisches Ausnahmetalent, bestätigt Jost Salm. Inzwischen ist er neben Schule und Knabenchor Junior-Student für Komposition. An der Robert-Schumann-Hochschule ist auch schon ein Quintett von Marino aufgeführt worden.

Der „Nachwuchs-Mozart“ aus dem Knabenchor: 12-Jähriger komponiert Werk zum Kinderkreuzzug

In der Konzertscheune des Tonwerks findet das Gedenkkonzert zum Antikriegstag statt. © Stephan Schütze

Das bislang größte Werk aber ist der Kinderkreuzzug 1212. Eine Kantate für Kinderchor, Klarinette, Sanctus-Glocken, Violine, Viola, Violoncello und Orgel. Marino singt selbst dabei mit. Und hat so bei den Proben hautnah miterlebt, wie seine Noten zum Leben erweckt werden.

Uraufführung im Tonwerk

Mit dem Ergebnis ist er sehr zufrieden. „Es hat alles so geklappt“, wie ich mir das vorgestellt habe“, freut sich der junge Komponist. Trotzdem wird es ein aufregender Sonntag, wenn das rund 20-minütige Werk, das an ein Oratorium erinnert, erstmals vor Publikum aufgeführt wird.

Begleitet wird der Knabenchor der Chorakademie mit seinen Solisten von Frauke Hansen (Klarinette), Dietrich Bednarz (Glockenspiel), Daria Burlak (Orgel) und dem Oryctes-Streichquartett.

Das Gedenkkonzert „80 Jahre Kriegsbeginn in Europa“ findet am Sonntag (1.9.) um 17 Uhr im Tonwerk, dem Domizil des Knabenchores am Harkortshof in Hombruch, statt. Karten gibt es ab 15.30 Uhr an der Tageskasse im Tonwerk. Vorbestellungen sind per Mail möglich an knabenchor@chorakademie.de

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