Der Morgen gehört Mama – wenn die Kinder und das Leben nicht dazwischenfunken

mlzEltern-Kolumne „Doppelkinder“

Mehr Zeit für mich – ein Thema, das alle Eltern bewegt. Zwillingsmama Julia Scharnowski versucht unermüdlich, dem frühen Morgen ein paar ruhige Minuten zu stehlen. Und scheitert regelmäßig.

Dortmund

, 17.02.2019, 04:13 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ich stehe im Badezimmer und beginne darüber nachzugrübeln, wie ich meinen Seminarteilnehmerinnen richtig gute, praxisnahe Ratschläge geben kann, wie sie mehr Zeit für sich selbst herausschlagen können. Es ist 6.15 Uhr und während ich noch im Begriff bin, mittels im Drogeriemarkt frei erwerblicher Mogelprodukte mein optisches Alter meinem gefühlten anzugleichen, tönt eine Stimme aus dem Kinderzimmer.

„Maaaama, ich bin waaahaaach!“ Aha, Danke für diese Information, aber warum so früh? Da fängt die Krux mit der freien Zeit für Eltern ja schon an. Ich pelle mich jeden Morgen zwischen 5 und 6 Uhr aus dem Bett, um die Dinge zu tun, für die ich zwischen Müsli, Kinderzahncreme und Morgenmuffelei des Nachwuchses keine Zeit habe: Atmen, Kaffee trinken, zwischenfallsfrei duschen, etwas, das ich als Yoga bezeichne, das aber wohl eher als Tele-Gymnastik durchgeht.

Mehr Geduld durch Morgenroutine

Solche Sachen eben. Die tun mir gut und ich merke durchaus, dass ich dann in der Regel wesentlich leidensfähiger bin, wenn ich meine Söhne mal wieder sehr intensiv in ihre Kleidung argumentieren muss. In der Theorie ist diese frühe Morgenzeit – erfolgreiche Menschen bezeichnen sie gerne als ‚Morgenroutine‘, ohne die heutzutage kein Geschäftsabschluss und keine Millionen mehr zu machen ist – eine feine Angelegenheit.

In der Praxis habe ich hier zwei sehr kreative Störfaktoren, die gerne genau dann wach werden, wenn ich gerade versuche, die positive Energie des Universums in mich hinein zu atmen. Also scheitert mein großer Plan vom Glück der hyggemäßigen Me-Time in mindestens drei von sieben Fällen an meinen Kindern, die sich nicht an die ungeschriebenen Regeln meiner guten Vorsätze halten.

Ich scheitere an mir selbst

In weiteren zwei Fällen scheitere ich an meiner eigenen Disziplinlosigkeit. Dann schaffe ich es am Vorabend aus unterschiedlichsten Gründen nicht, gegen 22 Uhr ins Bett zu gehen. Dann muss ich dringend noch fremder Leute Urlaubsbilder auf Instagram anschauen oder den Warenkorb eines Online-Shops vollpacken, bis mir dann einfällt, dass wir ja jetzt nachhaltig leben und secondhand kaufen und ich die Webseite unverrichteter Dinge einfach schließe.

Also bleiben zwei Morgen, an denen ich hier verhältnismäßig flüssig mein Wunschprogramm abspulen kann. Aber lässt sich damit schon von einer Routine sprechen? Immerhin liegt eine gewisse Regelmäßigkeit vor – Weihnachten findet schließlich auch nur einmal im Jahr statt und niemand würde an der Gewohnheit, das Fest zu begehen, zweifeln!

Es nehmen, wie es ist

Wie sooft in meinem Mama-Dasein komme ich nicht dazu, diesen Gedanken zu Ende zu denken. So geht es mir seit gut dreieinhalb Jahren: Immer will irgendwer etwas von mir – meistens, wenn ich mich im Badezimmer aufhalte. Ich lege also den Schminkpinsel zur Seite und beschließe, mein Glück mit der Routine morgen wieder zu versuchen. Und das Leben mit Kindern einfach so zu nehmen wie es ist: niemals vorhersehbar, oft ziemlich chaotisch, doch unterm Strich immer gut.

UNSERE KOLUMNE „DOPPELKINDER“

AUS DEM LEBEN EINER ZWILLINGSMAMA

In unserer Eltern-Kolumne berichtet Julia Scharnowski jeden zweiten Sonntag aus ihrem Alltag, den sie mit Ehemann und Zwillingssöhnen in Dortmund erlebt. Sie schreibt darüber regelmäßig auf ihrem Blog „Doppelkinder“ und bei Instagram.
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