Derya Ö. (27): Vom Dortmunder Straßenstrich zur Terrormiliz IS - Sprengstoffgürtel verkauft?

Gerichtsprozess

Die 27-jährige Derya Ö. hat als Prostituierte auf dem Dortmunder Straßenstrich gearbeitet, wurde dann die Frau eines IS-Terroristen. Ihre Lebensgeschichte beschäftigt das Oberlandesgericht.

Dortmund

25.09.2019, 11:05 Uhr / Lesedauer: 2 min
Derya Ö. (27): Vom Dortmunder Straßenstrich zur Terrormiliz IS - Sprengstoffgürtel verkauft?

Derya Ö. war auf dem Dortmunder Straßenstrich tätig. © Symbolbild Peter Bandermann

Derya Ö. muss sich seit Mitte des Monats vor Gericht unter anderem wegen des Vorwurfs der Kriegsverbrechen verantworten. Jetzt hat die Ex-Dortmunderin ihren Weg zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS) geschildert.

Die heute 27-Jährige habe die Schule in Bochum nach der neunten Klasse ohne Abschluss verlassen und im Alter von 17 Jahren in einer Dortmunder Disco einen Mann kennengelernt, der sie zur Prostitution auf dem Straßenstrich gezwungen habe, berichtete sie am Dienstag im Hochsicherheitstrakt des Düsseldorfer Oberlandesgerichts.

Übers Internet hat sie einen deutschen IS-Kämpfer kennengelernt

Beim dritten Fluchtversuch habe sie ihrem brutalen Zuhälter entkommen können, ihre Strafanzeige sei im Sande verlaufen. Später habe sie einen Duisburger Rocker kennengelernt und begonnen, freiwillig in Wuppertal als Prostituierte zu arbeiten - sechs Tage in der Woche. Etwa ein Jahr lang sei sie kokainabhängig gewesen und habe ihr Leben ändern wollen.

Sie habe sich getrennt, sei zu ihrer Mutter nach Bochum zurückgezogen, habe über Facebook den deutschen IS-Kämpfer Mario kennengelernt und sich in ihn verliebt. Er habe sie nach Syrien gelockt. Dort im Februar 2014 angekommen, habe sie zunächst in einem IS-Frauenhaus wohnen müssen und Mario dann in einer provisorischen Prozedur geheiratet, weil zu der Zeit ein Angriff gedroht habe.

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Vom IS habe sie in Deutschland nicht viel mitbekommen: „Ich wusste, die kämpfen, aber ich wusste nicht, wie extrem die sind“, sagte sie. Sie stamme aus einer unreligiösen Familie und habe das Beten erst lernen müssen.

Ihr Mann habe neben einer Pistole und einer Kalaschnikow auch einen Sprengstoffgürtel besessen. Er sei zunehmend gewalttätig geworden. Sie habe sich schließlich von ihm getrennt, in der Türkei aber festgestellt, dass sie schwanger sei: „Er hat sich darüber gefreut. Ich bin wieder zu ihm zurück.“

Derya Ö. war in Syrien, als der IS das Kalifat ausgerufen hat

Als der IS das Kalifat ausgerufen habe, sei sie im syrischen Rakka gewesen. Viele hätten vor Freude in die Luft geschossen und sie habe dann auch Schüsse in die Luft abgefeuert.

Ihr Mann sei weiter gewalttätig gewesen. Nachdem er sie einmal beinahe erwürgt habe, sei sie auf eigene Faust zu einem Richter gefahren und habe von den Übergriffen ihres Mannes berichtet. Ihr Sohn sei in Mossul nach einstündigem Fußmarsch unter Wehen in einem Krankenhaus auf die Welt gekommen.

Der „Bild“ hatte Derya Ö. noch vor ihrer Festnahme Rede und Antwort gestanden und berichtet, dass ihr Ehemann Mario unter Spionageverdacht vom IS festgenommen, gefoltert und hingerichtet worden sei. Sie sei dann die Zweitfrau eines Scheichs geworden, der aber von einer Drohne getötet worden sei.

Die Bochumerin wurde im Februar 2017 in der Türkei festgenommen, wo sie bis zu ihrer Rückkehr nach Deutschland im August 2017 in Abschiebehaft saß. Seit November 2018 sitzt sie in Untersuchungshaft.

Der Sprengstoffgürtel sei nur zur Selbstverteidigung gewesen

Einen Sprengstoffgürtel habe sie nur zur Selbstverteidigung besessen, schließlich sei sie oft auf sich alleine gestellt gewesen. Mit Terrorismus habe sie nichts zu tun haben wollen. Die Bundesanwaltschaft wirft der 27-jährigen Deutschen unter anderem Kriegsverbrechen und Verstöße gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz vor.

Sie soll Sprengstoffgürtel anderen deutschsprachigen Frauen zum Kauf angeboten haben. Der Prozess wird voraussichtlich bis Mitte Dezember fortgesetzt. Bei einem Schuldspruch drohen Derya Ö. bis zu zehn Jahre Haft.

Mit dpa

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