Deutlicher Anstieg: Immer mehr Dortmunder beziehen Wohngeld

mlzCorona-Krise

Die Zahl der Wohngeldanträge ist in Dortmund im Vergleich zu 2019 stark angestiegen. Corona spielt eine Rolle. Auf einige Mieter kommt in den nächsten Wochen ein neues Problem zu.

Dortmund

, 12.06.2020, 07:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer aufgrund verschiedenster Ursachen Probleme hat, die finanziellen Mittel für die Miete aufzubringen, der kann einen Antrag auf Wohngeld stellen. Gerade in Zeiten der Corona-Krise ist das scheinbar auch für viele Dortmunder eine hilfreiche Unterstützung. Es drohen allerdings bereits neue Schwierigkeiten.

Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise wiegen schwer. Kurzarbeit und eine steigende Arbeitslosenquote führen dazu, dass zahlreiche Menschen auch bei der Wohnungsmiete auf zusätzliche finanzielle Unterstützung angewiesen sind.

„Man kann von einem Corona-Effekt sprechen“

Das zeigt ein Blick auf die Zahl der in Dortmund gestellten Wohngeldanträge: Im März stieg diese laut Stadtsprecher Christian Schön auf 1410 - eine Steigerung um knapp 28 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Und auch in den Folgemonaten April und Mai war mit einem Zuwachs von 11 beziehungsweise 14 Prozent ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen.

„Man kann somit schon von einem Corona-Effekt sprechen“, erklärt Dr. Tobias Scholz vom Mieterverein Dortmund. Den Anstieg allerdings ausschließlich auf die Pandemie zurückzuführen, sei nicht zielführend, denn: „Es gab zum 1. Januar 2020 eine neue Regelung für das Wohngeld. Die finanzielle Unterstützung wurde erhöht und außerdem haben seitdem mehr Menschen die Möglichkeit, dieses Wohngeld in Anspruch zu nehmen“, betont Scholz.

Die Folge: Während die Antragszahlen in Dortmund im Januar sogar um 50 Prozent anstiegen, belief sich dieser Zuwachs im Februar immerhin noch auf 33 Prozent. Inwieweit diese Veränderung auch noch Einfluss auf die Antragszahlen im Laufe der Corona-Krise hat, kann man laut Scholz nicht einschätzen. „Das wird sicherlich eine Rolle spielen. Aber die Pandemie verstärkt diese Entwicklung natürlich.“

Insgesamt hat sich die Zahl der wohngeldbeziehenden Haushalte in Dortmund zum 31. Mai auf 5282 erhöht. Ende 2019 waren es noch 4960. „Dieser Anstieg ist jedoch lediglich der Wohngeldnovelle zum Jahreswechsel geschuldet“, betont Christian Schön.

Extra Kündigungsschutz läuft aus

Unterdessen läuft der aufgrund der Corona-Krise von der Bundesregierung ausgesprochene Kündigungsschutz für Mieter Ende des Monats aus. Dieser besagte, dass Vermieter ihren Mietern nicht kündigen können, wenn diese bei der Zahlung der Miete in Verzug geraten. Für die Betroffenen eine Erleichterung.

Im von der Bundesregierung verabschiedeten Konjunkturpaket findet sich diesbezüglich allerdings keine weitere Regelung. „Das ist natürlich schwierig“, unterstreicht Tobias Scholz. Der Deutsche Mieterbund habe darauf hinwirken wollen, eine Verlängerung dieses Kündigungsschutzes durchzusetzen. Vergeblich.

Gewünschter Fonds bleibt unberücksichtigt

Dabei gibt es laut Scholz nach wie vor Menschen, die auf eine solche Maßnahme angewiesen sind: „Wir empfehlen, dass sich Mieter frühzeitig mit ihren Vermietern in Verbindung setzen, wenn es finanzielle Engpässe geben sollte. Dann muss man versuchen, eine Vereinbarung zu treffen.“

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Und auch der vom Mieterbund geforderte „Sicher-Wohnen-Fonds“ fehle im „Wumms“, wie Bundesfinanzminister Olaf Scholz das Konjunkturprogramm bei seiner Verkündung bezeichnete.

Die Idee des Fonds: Die Miete wird als Zuschuss oder zinsloses Darlehen übernommen und das Mietverhältnis bleibt unbelastet. „Doch auch dieser Punkt wurde leider nicht berücksichtigt. Ich weiß aber, dass in Berlin weiter hart daran gearbeitet wird, hier noch eine passende Lösung zu finden. Wir geben die Hoffnung nicht auf“, so Scholz.

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