Deutsche Bahn: Anwohner ärgern sich über nächtlichen Kahlschlag

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Die Familie Mika ist sauer. Die Deutsche Bahn hat mitten in der Nacht die Pflanzen vor ihrem Garten radikal gestutzt. Doch nicht nur damit hat die Familie zu kämpfen.

Kurl

, 11.12.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Cornelia und Kurt Mika, die an der Mühlackerstraße 1 in Kurl wohnen, sind neulich mitten in der Nacht sehr unsanft aus dem Schlaf gerissen worden. Draußen waren Kreissägen zu hören und der Lärm, der bei Abholzarbeiten entsteht. Die Deutsche Bahn hatte um kurz nach Mitternacht damit begonnen, die Gehölze zu stutzen, die bisher zwischen dem Grundstück der Mikas und der Bahnlinie standen.

„Natürlicher Lärmschutz ist weg“

Die Mikas sind darüber gleich aus mehreren Gründen stinksauer: Zum einen natürlich wegen der nächtlichen Störung, zum anderen aber auch, weil sie an dem Grün gehangen haben, obwohl es sich tatsächlich schon auf dem Grundstück der Bahn befindet. „Wir haben die Pflanzen gepflegt und sie waren für uns schließlich so etwas wie ein natürlicher Lärmschutz“, sagt Kurt Mika.

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Seit 17 Jahren wohnen die Mikas in dem alten Haus, das im Jahr 1906 erbaut worden ist. Anfangs sei der Lärm, der von den vorbeifahrenden Zügen ausging, nicht besonders schlimm gewesen.

Das habe sich erst ab 2004 geändert, als die neue Brücke fertiggestellt worden war. Seither gebe es regelrechte Erschütterungen im Haus, wenn ein Zug vorbeidonnere.

„Die Gläser fallen aus dem Schrank“

Kurt Mika: „Die Gläser fallen uns entgegen, wir finden nachts nicht in den Schlaf, und ich habe auch schon einzelne Risse am Haus entdeckt.“ Was ihn daran besonders störe, sei die Tatsache, dass sich die Bahn davon nichts annehme. Beschwerden laufen nach Angaben der Familie unbeantwortet ins Leere. „Ich überlege schon, ob wir nicht Anzeige wegen Ruhestörung erstatten sollen“, sagt Mika.

Deutsche Bahn: Anwohner ärgern sich über nächtlichen Kahlschlag

Recht radikal mutet der Gehölz-Rückschnitt an, den die Deutsche Bahn zwischen Mühlackerstraße und Bahnlinie veranlasst hat. © Andreas Schröter

Zu den Vorwürfen sagt eine Bahnsprecherin: „Im Oktober haben die Rückschnittarbeiten bei der Deutschen Bahn begonnen – bundesweit, so auch in Dortmund-Kurl, erfolgen umfangreiche Inspektionen und Vegetationsmaßmahmen entlang der Gleise.“

Teilweise, so die Bahnsprecherin weiter, erfolgen die Arbeiten in der Nacht, um den Zugverkehr möglichst nicht zu beeinträchtigen. Die Anwohner würden dann üblicherweise vorab informiert. Und: „Für die Umstände bitten wir um Entschuldigung.“ Die Mikas bestreiten, vorab informiert worden zu sein.

Zugfahrten müssen verlässlich erfolgen können

Die Bahn trage im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben Sorge dafür, dass Zugfahrten auf der Schiene verlässlich erfolgen können. Dafür gelte es, die „Vegetation im direkten und weiteren Umfeld der Gleise im Blick zu behalten“ und bei Bedarf tätig zu werden. Der Rückschnitt von Vegetation entlang der Gleise stehe im Einklang mit den gesetzlichen Vorgaben aus der Lärmverordnung sowie dem Umwelt- und Naturschutz. Es bestehe ein allgemeines Schnittverbot in den Monaten März bis September. Hauptgrund dafür sei die Brut- und Setzzeit von Vögeln und Säugetieren.

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