Der Wasserverbrauch hat sich in Dortmund halbiert. Muss das Duschen jetzt teurer werden? DEW21 prüft eine Umstellung des Wasserpreissystems. © dpa (Symbolbild)
Wasserversorgung

DEW21 überprüft den Wasserpreis: Wird das Duschen in Dortmund teurer?

Der Wasserpreis soll in Dortmund bald neu berechnet werden. Das plant DEW21 und bittet alle Wasserkunden um freiwillige Selbstauskünfte. Was steckt dahinter? Soll das Duschen teurer werden?

Schon seit Jahren kritisiert der Bund der Steuerzahler eine ungerechte Methode bei der Berechnung des Frischwasserpreises in vielen Städten Nordrhein-Westfalens. Nachdem einige Städte – wie etwa Mülheim, Köln oder Krefeld – ihr Wasserpreissystem inzwischen umgestellt haben, prüft jetzt auch DEW21 eine Veränderung.

Wie das Dortmunder Energie- und Wasserversorgungsunternehmen ankündigt, werden in den kommenden Tagen alle Wasserkunden angeschrieben und um eine freiwillige Selbstauskunft gebeten. DEW21 will von Immobilienbesitzern etwas zu den Gebäudegrößen, den Wohneinheiten und den gewerblichen Nutzungen wissen.

Grund für die Umfrage ist laut DEW21, dass sich beim aktuell geltenden Wasserpreissystem Reformbedarf offenbart. „In den vergangenen Jahren hat sich das Verbrauchsverhalten der Trinkwasserkunden durch verschiedene Einflussfaktoren wie den Struktur- und Klimawandel sowie durch demographische Entwicklungen verändert und es gibt auch weniger industrielle Großkunden“, sagt Unternehmenssprecherin Jana-Larissa Marx.

Und: „Während die Bevölkerungszahl in Dortmund sich nur marginal geändert hat, hat sich der Wasserverbrauch nahezu halbiert. Das Wasserpreissystem wurde jedoch noch nicht auf diese Veränderungen angepasst.“

Frischwasserpreis ist in Dortmund relativ hoch

Für DEW21 bedeutet der gesunkene Wasserverbrauch, dass man viel weniger Wasser verkauft, die Grundkosten für die Infrastruktur aber bleiben. Folglich ist der Wasserpreis in Dortmund, so stellte der Bund der Steuerzahler bei einer Umfrage 2018 fest, ohnehin relativ hoch.

Damals kostete ein Kubikmeter Frischwasser in den Großstädten von NRW durchschnittlich 2,79 Euro. Und es stellte sich heraus, dass Frischwasser in Essen (plus 29 Prozent gegenüber dem NRW-Schnitt), Hagen (plus 25 Prozent) und Dortmund (plus 23 Prozent) besonders teuer ist. Bei einem Vier-Familien-Haus lag der Preis um 16 Prozent über dem Landesdurchschnitt.

Aktuell liegt der Wasserpreis in Dortmund bei 1,56 Euro pro Kubikmeter plus einen Jahresgrundpreis, der abhängig von der Zählergröße ist.

Und genau hier soll sich die Bemessungsgrundlage ändern. Während nämlich der Haushalt in einem Einfamilienhaus den Grundpreis allein tragen muss, können sich die Haushalte in einem Mehrfamilienhaus den meist ähnlich hohen Grundpreis untereinander aufteilen.

An die Stelle des Zählergrundpreises könnte in Dortmund der Systempreis treten, der sich an der Anzahl der Wohneinheiten orientiert. Das in Mülheim an der Ruhr entwickelte und angewandte Systempreismodell, so der Bund der Steuerzahler, berechnet für jeden Haushalt bzw. jede Wohneinheit einen eigenen Preis.

Dieser wird mit zunehmender Größe der Wohngebäude immer geringer. Damit werden die Kosten verursachungsgerechter auf die angeschlossenen Haushalte verteilt.

Bund der Steuerzahler ist für gerechten Wasserpreis

Wird das Duschen damit künftig teurer? Auf diese Frage gibt DEW21-Sprecherin Jana-Larissa Marx keine klare Antwort. „Ziel ist es, dass die weit überwiegende Mehrheit der Kunden durch die Umstellung des Preissystems nur geringfügig mehr oder weniger bezahlen. Wie genau dies bei DEW21 aussehen wird, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht absehen“, sagt sie.

Während DEW21 mit einem neuen Berechnungssystem auch mehr Planungssicherheit erreichen will, betont Jens Ammann vom Bund der Steuerzahler die Chance zur gerechteren Preisgestaltung. „Dabei muss das Duschen in der Tat nicht teurer werden, für viele kann es sogar preiswerter werden“, sagt er.

Eine endgültige Entscheidung über eine Umstellung und wie diese dann gestaltet sein könnte, will DEW21 erst nach den Untersuchungen treffen. „Dies wird frühestens im Frühjahr 2021 der Fall sein“, so Jana-Larissa Marx.

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Redaktion Dortmund
Nach mehreren Stationen in Redaktionen rund um Dortmund bin ich seit dem 1. Juni 2015 in der Stadtredaktion Dortmund tätig. Als gebürtigem Dortmunder liegt mir die Stadt am Herzen. Hier interessieren mich nicht nur der Fußball, sondern auch die Kultur und die Wirtschaft. Seit dem 1. April 2020 arbeite ich in der Stadtredaktion als Wirtschaftsredakteur. In meiner Freizeit treibe ich gern Sport: Laufen, Mountainbike-Fahren, Tischtennis, Badminton. Außerdem bin ich Jazz-Fan, höre aber gerne auch Rockmusik (Springsteen, Clapton, Santana etc.).
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