Der Dortmunder Versorger DEW21 setzt verstärkt auf erneuerbare Energien. So kann man bald E-Autos ohne Umwege mit Strom vom Dach laden. Auch andere Bereiche will man ausbauen.

Dortmund

, 07.03.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Heute schon kann der heimische Versorger DEW21 rein rechnerisch mehr als ein Viertel der 600.000 Dortmunder Bürger mit eigenem grünen Strom aus Wind, Wasserkraft und Fotovoltaik versorgen. Für die Zukunft wolle man Windkraft und Fotovoltaik weiter ausbauen, kündigt die Vorsitzende der DEW21-Geschäftsführung Heike Heim an.

„Trotz schwerer Rahmenbedingungen konnten wir im vergangenen Jahr unser Windkraft-Portfolio um zwei neue Anlagen im nordrhein-westfälischen Straelen erweitern“, berichtet Peter Flosbach, Technik-Geschäftsführer bei DEW21. Weil aber aktuell die Windkraft durch Ausbauhemmnisse und fehlende einheitliche Abstandsregelungen ausgebremst wird, hofft man bei DEW21 – obwohl größter Windkraftversorger in NRW – auf einen zweiten Frühling der Fotovoltaik.

4500 Elektroautos

So will DEW21 bis zum Sommer Kunden eine Solaranlage anbieten, die zum Beispiel den Strom vom Dach ohne Speicher direkt ins Auto einspeist. „So ein Ladevorgang geht zweieinhalb Mal schneller“, sagt Heike Heim.

4500 Elektroautos sind aktuell in Dortmund gemeldet, davon sind allein 1400 im letzten halben Jahr hinzugekommen. 90 Prozent der E-Mobilitätskunden von DEW21 sind Gewerbekunden. Da 80 Prozent der Ladevorgänge zu Hause oder beim Arbeitgeber stattfänden, setze DEW auf den Aufbau privater und halböffentlicher Ladeinfrastruktur, sagt Heim.

Kunden wollen Komfort aus einer Hand

Das Vorzeigeprojekt in Sachen Klimaschutz ist und bleibt aber der Aufbau einer klimafreundlichen Wärmeversorgung in der Dortmunder Innenstadt. DEW21 hat bereits rund 25 Prozent der Bautätigkeiten abgeschlossen und wird in diesem Jahr zwei von drei geplanten Energiezentralen in Betrieb nehmen. Die dritte soll auf dem Kraftwerks-Gelände an der Weißenburger Straße entstehen.

DEW21 entwickle sich „von einem klassischen Energie- und Wasserversorger zu einem nachhaltigen Lebensversorger“, formuliert es Unternehmenschefin Heike Heim. „Als städtischer Versorger erkennen wir das rasante Zusammenwachsen ehemals getrennter Sektoren wie Energie, Mobilität, Kommunikation und Stadtentwicklung.“

Gleichzeitig veränderten sich die Bedürfnisse im städtischen Miteinander. Die Kunden wollten Komfort und Lösungen, die das Leben einfacher und bequemer machen, digitalen Konsum und digitale Lebensbegleitung, so Heim.

Klare Digitalisierungsstrategie

Deshalb verfolge DEW21 eine Digitalisierungsstrategie: Die IT-Projekte hätten sich in den vergangenen Jahren verdreifacht auf aktuell 70 Vorhaben. DEW21 verstehe die kommunale Daseinsvorsorge auch im Sinne einer digitalen Grundversorgung, sagt Heim, und sei damit „der natürliche Partner der Stadt Dortmund auf dem eingeschlagenen Weg zur Smart City“.

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Darunter verstehe man eine intelligent vernetzte, nachhaltige und grüne Stadt. Dazu gehöre auch das Verteilnetz, das „Rückgrat der Energiewende“, so Flosbach, in das DEW21 investiere. Wer intelligent steuert, braucht weniger Kabel.

48,2 Millionen Euro über Plan im Geschäftsjahr 2019

Dieser Umbau von DEW21 zum nachhaltigen Lebensversorger erfordert Investitionen von rund 440 Millionen Euro bis zum Jahr 2024. Bereits im vergangenen Jahr hat das Unternehmen eine Rekordsumme von mehr als 100 Millionen Euro in seine Neuausrichtung investiert. Trotz mehr als 250 Wettbewerbern am Markt werde man angesichts vorläufiger Zahlen mit einem Ergebnis von 48,2 Millionen Euro (nach Zinsen vor Steuern) über Plan liegen, kündigt Heike Heim an.

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