Es sind Orte, an die sonst nicht sehr viele Menschen kommen. Und davon hat die Große Kirche mehr als genug. Zwar darf man hier keine alten Grabkammern erwarten - spannend ist es trotzdem.

Aplerbeck

, 10.07.2019, 16:33 Uhr / Lesedauer: 3 min

Seit 150 Jahren ist sie die Landmarke in Aplerbeck. Schon von weitem ist der mächtige Turm der Großen Kirche an der Mertmannstraße zu sehen. Erbaut wurde sie in einer Zeit, als die Industrialisierung des Ruhrgebietes boomte. In Aplerbeck gab es noch Stahlwerk und Zechen. Die kleine Georgskirche an der Ruinenstraße wurde für die Zugezogenen zu klein. In nur zwei Jahren wurde das neue Gotteshaus hochgezogen. 1867 kam es zur Grundsteinlegung, 1869 gab es die Einweihung. Die Steine für die Kirche kamen im Übrigen aus der Nachbarschaft. Aus dem Sandsteinbruch in Schüren.

Groß gefeiert werden soll in diesem Jahr auch noch. Vom 22. bis zum 29. September 2019 gibt es eine Festwoche mit zahlreichen Aufführungen, Konzerten und Führungen durch die Große Kirche.

Wir haben uns schon vorher einmal umgesehen. Zusammen mit Presbyter Ulrich Wemhöner, der die Kirche in- und auswendig kennt, ging es vom Keller bis kurz unter die Turmspitze. Und hier die einzelnen Etappen:

Der Heizungskeller

Die Große Kirche in Aplerbeck feiert 150. Geburtstag

Ulrich Wemhöhner auf dem Weg zum Heizungsraum. © Bauerfeld, Jörg

Er liegt etwas verborgen an der Ostseite der Kirche. Der Eingang kann übersehen werden. Es geht nur gebückt hinein und es entsteht der Eindruck, in eine alte Gruft zu gehen. „Die gibt es hier nicht, dafür ist die Kirche zu jung“, sagt Ulrich Wemhöhner. Dafür gibt es neue Technik. 2014 ist die neue Heizungsanlage in das alte Gewölbe gekommen. Zuvor wurde mit Öl geheizt und davor mit Koks.

Der Grundstein

Die Große Kirche in Aplerbeck feiert 150. Geburtstag

Der Grundstein liegt hinter Büschen an der Ostseite der Kirche. © Bauerfeld, Jörg

Eigentlich für jeden zugänglich, doch die wenigsten wissen, wo er zu finden ist. Ebenfalls an der Ostseite, hinter dem Gebüsch verborgen, liegt er im unteren Bereich der Außenmauer des Altarraums. Die Jahreszahl, die in Lateinisch geschrieben ist, ist schon fast komplett mit Erde bedeckt.

Die kleine Kapelle

Die Große Kirche in Aplerbeck feiert 150. Geburtstag

In der kleinen Kapelle steht diese Truhen-Orgel. © Bauerfeld, Jörg

Dass es im Ostflügel der Großen Kirche noch eine kleine Kapelle gibt, wissen wohl auch die wenigsten. Zumindest die normalen Kirchgänger. Genutzt wird sie aber auch heute noch. Bei Beerdigungen zum Beispiel. Oft ist die Zahl der Trauergäste übersichtlich. Und damit diese sich nicht in dem großen Kirchraum verlieren, werden die Trauerfeiern in der kleinen Kapelle abgehalten. Und sie beherbergt etwas Seltenes - eine alte Truhen-Orgel.

Die Walcker-Orgel

Die Große Kirche in Aplerbeck feiert 150. Geburtstag

Ulrich Wemhöhner im Innern der großen Orgel. Ein imposantes Musikinstrument. © Bauerfeld, Jörg

Mächtig thront das 1869 erbaute Instrument auf der Empore an der Westseite der Kirche. Noch imposanter ist es, wenn man einen Blick ins Innere werfen darf. Durch eine kleine Tür an der Seite geht es hinein in das Wunderwerk der Musiktechnik. Unendlich viele Pfeifen verschiedener Größen, Windladen und ein großer Blasebalg, der mit Steinen beschwert für die nötige Luft für die Töne sorgt. Drei Etagen sind es, die man im Innern der alten Orgel, die genauso alt ist wie die Kirche, hinter sich bringen kann - mächtig imposant.

Das Gewölbe

Die Große Kirche in Aplerbeck feiert 150. Geburtstag

Ein Blick auf das Kirchengewölbe. Darüber das Dach, das noch aus dem Jahr 1869 ist. © Bauerfeld, Jörg

Hier waren wohl bislang die wenigsten Menschen. Über dem Deckengewölbe des Kirchenschiffes. Genauer gesagt zwischen Gewölbe und dem Dach. Erst geht es vom Turm durch eine kleine Tür, dann auf einen schmalen Holzsteg, den man tunlichst nicht verlassen sollte. Denn ob das selbsttragende Gewölbe der Kirche auch noch ein zusätzliches Gewicht trägt, ist nicht ganz so sicher. Auf diesen, nennen wir es Dachboden, kommen eigentlich nur Handwerker. Die, die beispielsweise neue Lampen aufhängen, die dann durch die Gewölbedecke nach unten in den Kirchraum geführt werden oder die, die kontrollieren müssen, ob es mit der Stabilität der alten Kirche noch gut bestellt ist. Spannend und auch ein wenig unheimlich.

Der Turm

Die Große Kirche in Aplerbeck feiert 150. Geburtstag

Steil ging es im Turm der Großen Kirche nach oben. © Bauerfeld, Jörg

Es ist schon anstrengend, den rund 60 Meter hohen Turm zu besteigen. Zunächst über eine steinerne Wendeltreppe, dann über schmale Holztreppen und zuletzt mit einer Leiter.

Die Große Kirche in Aplerbeck feiert 150. Geburtstag

Wer hat an der Uhr gedreht? Im Turm ist das Uhrwerk verborgen. © Bauerfeld, Jörg

In einem Raum unterhalb des Glockenstuhls ist das elektronische Uhrwerk eingebaut. Das sorgt dafür, dass die alte Kirchturmuhr immer die richtige Zeit anzeigt.

Die Große Kirche in Aplerbeck feiert 150. Geburtstag

© Bauerfeld, Jörg

Ein Stockwerk höher, diesmal mit einer Leiter zu erreichen, der Raum, in dem der Glockenstuhl aufgebaut ist. Hier gab es 1945 ein ganz besonderes Ereignis. Die Aplerbecker Anton Kalt und Dietrich Hans hissten am 12. April die Weiße Fahne und sorgten so dafür, dass Aplerbeck unbeschadet die Befreiung durch die Amerikaner erlebte.

Lesen Sie jetzt