Die neuen Glocken der Philharmoniker: Wie sie klingen und warum sie so wertvoll sind

mlzDortmunder Philharmoniker

Rund 54.000 Euro haben die neuen Kirchenglocken der Philharmoniker gekostet. Gabriel Feltz (47) erklärt, warum er sie gekauft hat, und Schlagzeuger Felix Kohnke (30) spielt sie vor.

Dortmund

, 17.02.2019, 16:19 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für die Konzerte mit Mahlers achter Sinfonie im vergangenen Sommer hat Generalmusikdirektor Gabriel Feltz die Kirchenglocken noch ausgeliehen. Das ist nun nicht mehr nötig: Feltz hat für die Philharmoniker einen eigenen Satz Glocken anfertigen lassen.

Seit Januar besitzen die Philharmoniker 13 gusseiserne Glocken, jede auf einen anderen Ton gestimmt. „Die Glocken sind perfekt gestimmt“, sagt Feltz, „es sind sehr hochwertige Instrumente.“ Beim nächsten Philharmonischen Konzert am Dienstag und Mittwoch (19. und 20. Februar) werden vier von ihnen zu hören sein: in Sergej Rachmaninows „Die Glocken“.

So klingen die Kirchenglocken der Philharmoniker

Schlagzeuger Felix Kohnke hat die Glocken für uns angespielt. So klingen sie:

Der Klang von Kirchenglocken ist Teil von vielen klassischen Kompositionen. Im Sommer 2019 führen die Philharmoniker vier Konzerte mit der neunten Sinfonie von Gustav Mahler auf, zwei in Dortmund und zwei im italienischen Toblach bei den Gustav-Mahler-Musikwochen. Dabei kommen die Kirchenglocken zum Einsatz, kündigt Feltz an.

Ebenso in Mussorgskis „Bilder einer Ausstellung“, ein Klassiker, der laut Feltz etwa alle fünf Jahre gespielt wird. Und in vielen Opern kommen sie zum Einsatz, zum Beispiel in „Parsifal“ und „Cavalleria Rusticana“.

Kirchenglocken sind immer der Höhepunkt

In diesen Werken kommen Kirchenglocken immer nur an wenigen Stellen vor. Aber mit ihrem minutenlang anhaltenden, voll tönenden, schwebenden Klang werden sie von Komponisten meist für ganz besondere Momente in den Kompostitionen eingesetzt.

Die neuen Glocken der Philharmoniker: Wie sie klingen und warum sie so wertvoll sind

Gabriel Feltz, im Vordergrund zwei der neuen Glocken der Dortmunder Philharmoniker. © Bastian Pietsch

Für diese Höhepunkte lohnt es sich aus Sicht des Generalmusikdirektors, auf echte, eigene Glocken zurückzugreifen – auch wenn diese teuer sind. Denn die günstige Alternative, die sogenannten Röhrenglocken, haben nicht diegleichen, eindrucksvollen Klangeigenschaften. Sie würden die kompositorischen Höhepunkte weitaus weniger strahlen lassen. Die andere Alternative wäre, jedes Mal Glocken zu leihen, doch das ist auf Dauer teurer und wegen des Transports der Instrumente auch aufwendiger

Weniger Glockenklang, als der Titel verspricht

“Als ich die Partitur studierte“, sagt Feltz, „dachte ich, wenn ein Stück schon „Die Glocken“ heißt, dann würde man sie auch mehr einsetzen. Doch Rachmaninow geht sparsam damit um.“

Zum Beispiel im Satz „Die Sturmglocken“: Der handle von Tod, Verdammnis, Schrecken und Pein, „und da wäre es doch durchaus möglich, sie mehr einzusetzen. Aber der Wille des Komponisten ist natürlich zu respektieren.“

Die neuen Glocken der Philharmoniker: Wie sie klingen und warum sie so wertvoll sind

Einige der neuen Glocken der Dortmunder Philharmoniker lagern im Theater. © Bastian Pietsch

Nichtsdestoweniger überlegt Feltz, „vielleicht noch einen zusätzlichen Ton an einer besonders markanten Stelle einzufügen, aber dazu bin ich eigentlich nicht befugt.“ Trotzdem: „Das beschäftigt mich schon sein Tagen“.

Ein „Fest der Stimmen“

Über das kommende Konzert „Selige Stimmen“ mit Rachmaninows „Die Glocken“ und Mozarts c-Moll-Messe sagt Feltz: „Es ist ein Fest der Stimmen. Es sind 70 Chorsänger aus Brno da, dieser Chor ist international gesehen einer der allerbesten Chöre überhaupt.“ Außerdem treten acht Solisten auf – drei bei Rachmaninow, fünf bei Mozart.

Die neuen Glocken der Philharmoniker: Wie sie klingen und warum sie so wertvoll sind

Blick in Gabriel Feltz' Partitur zu Rachmaninovs "Die Glocken". © Bastian Pietsch

Rachmaninows „Die Glocken“ schildert nach der gleichnamigen Erzählung von Edgar Allan Poe die vier Stationen des Lebens: Kindheit, Ehe, Krieg und Tod. Obwohl das Werk viele dunkle Seiten habe, sagt Feltz, gebe es auch „sehr lichte Inhalte“: zum Beispiel den ersten Satz, der ein Winterbild beschreibe: „Schlittenfahrten mit kleinen Glöckchen, ein sehr verspielter Satz. Er klingt unschuldig und naiv, könnte man sagen.“

Rachmaninows Werk sieht Feltz als „Mix zwischen Messe und Sinfonie, und das macht das Stück sehr interessant.“

Die c-Moll-Messe zeige „das Genie Mozarts“

„Mozarts c-Moll-Messe ist eins der größten Werke überhaupt“, sagt Feltz. „Das hat mit Mozarts Fähigkeit zu tun, mit Tönen sehr viele Inhalte zu transportieren und Stimmungen zu schaffen. Zum Beispiel am Anfang: Der Chor eröffnet in c-Moll, sehr tragend, sehr dunkel, fast düster.

Dann wendet es sich zu einem kleinen Gebet des ersten Sopransolos. Das ist mit wenigen und schlichten Mitteln gemacht, aber es berührt uns ungemein - das ist das Genie Mozarts.“

Lesen Sie jetzt