"Die Präsenz des Anderen"

16.09.2007, 18:56 Uhr / Lesedauer: 1 min

Was man sieht, irritiert zuerst: Lange Bahnen braunes Packpapier. Sie hängen von der Decke, mehrere Meter lang. Ihr Farbton ist bräunlich-rötlich, eher dunkel. Auf ihnen zeichnen sich Muster und Strukturen ab, die man nicht sofort einordnen kann. Zwei der drei langen Streifen sind zudem in der Mitte längs eingerissen.

Drei solcher Bahnen hängen seit Samstag im Altarraum der evangelischen Lutherkirche, nahe am Borsigplatz. Sie hängen aber auch im Altarraum der nahen katholischen Kirche St. Dreifaltigkeit und in zwei Moscheen. Damit nicht genug, werden drei weitere noch in der jüdischen Kultusgemeinde aufgehängt.

Was das soll, fragen Sie sich sicher jetzt. Es geht um ein Kunstprojekt, erstmals präsentiert am Samstag im Rahmen der Museumsnacht. Ein Dortmunder Künstler hat von zwei muslimischen, zwei christlichen und einem jüdischen Ort in Dortmund Frottagen (Abdrücke) aufgenommen. Diese Abdrücke von Bodensegmenten aus Kirche, Moschee und Synagoge wurden auf große Papierbahnen gebracht. An jedem der Orte hängen drei Bahnen, von jeder Religion eine.

"Die Präsenz des Anderen" heißt das interreligiöse Kunstprojekt. Es lädt Christen, Juden und Muslime und alle interessierten Dortmunder ein, über das Miteinander und Nebeneinander nachzudenken und ins Gespräch zu kommen. Das Projekt will die Begegnung fördern, über innere und äußere Grenzen hinwegführen und Freiraum für eigene Assoziationen schaffen. Es ermöglicht so ein symbolisches Miteinander der Religion an ihren eigenen Orten.

Ein Zeichen des friedlichen Zusammenlebens und des Dialogs der Religionen in unserer Stadt wollen wir kirchlichen Veranstalter damit setzen, bitter nötig in dieser schwierigen Zeit. Besonders gut wirkt die ungewöhnliche Aktion, wenn man verschiedene Standorte aufsucht. Wer das tut, wird sicher mit neuen Eindrücken und auch persönlichen Begegnungen bereichert.

Die Ausstellung ist noch bis zum 14. Oktober zu sehen. Infos unter www.museumsnacht.dortmund.de

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