Die Qual der Wahl bei den Notfallaufnahmen: Welche Ambulanz ist die richtige?

mlzKrankenhäuser

Nach einem Unfall im Skiurlaub fährt eine Dortmunderin direkt in die Notaufnahme des Klinikums Mitte, wird aber nicht behandelt, sondern an die Unfallklinik Nord verwiesen. War das richtig?

Dortmund

, 26.03.2019, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Beim Rodeln in Südtirol prellte sie sich das Wadenbein. „Es war dick und geschwollen“, sagt die Dortmunderin, „ein schmerzhafter Bluterguss in allen Farben.“ Der Verdacht: Wadenbeinbruch. Von der Autobahn fuhr ihr Freund sie am Freitag um 19 Uhr direkt in die Notfallaufnahme des Klinikums Mitte.

Was die Patientin dann erlebte, sei „kurios“ gewesen. In der Wartezone vor der Anmeldung saßen vier Patienten und deren Begleiter. „Alles wirkte entspannt“, berichtet sie. Sie schilderte ihren Fall und beantwortete die Frage „Sind Sie mit dem Auto da?“ mit Ja. Dann erhielt die Patientin den Hinweis, dass sie zur Behandlung in die Unfallklinik am Fredenbaum fahren solle.

Das Klinikum Mitte an der Beurhausstraße in der Dortmunder Innenstadt.

Das Klinikum Mitte an der Beurhausstraße in der Dortmunder Innenstadt. © Dieter Menne

Personal reagierte entnervt

Sie fuhr die 3,7 Kilometer bis zur Unfallklinik. Die Notfallaufnahme dort war rappelvoll und das Personal sei leicht angefressen gewesen. „Ich kann`s nicht mehr hören“, habe eine Mitarbeiterin gesagt. Entnervt davon, dass aus dem Klinikum Mitte ständig die Patienten „nach Nord“ geschickt würden.

Die Patientin gibt an, insgesamt rund drei Stunden in der Notfallaufnahme gewesen zu sein. Inklusive Wartezeit, einer maximal 90 Sekunden dauernden Diagnose („die schnellste Behandlung der Welt“), Röntgenbild und abschließender Besprechung. Ihr Glück: kein Bruch, sondern eine schmerzhafte Prellung.

Lebensbedrohliche Fälle im Hintergrund

Durfte das Klinikum Mitte die Patientin in die Unfallklinik schicken? „Grundsätzlich behandeln wir alle Notfälle, aber es kommt auf die Dringlichkeit an“, sagt Lisa-Cathrin Müller vom Klinikum Dortmund. Der Fall sei mit „geringer Dringlichkeit“ eingestuft worden, denn die Patientin habe laufen und sicher begleitet in die Unfallklinik gefahren werden können. Und: Wenn nur vier Patienten im Wartebereich sitzen, sage das nichts über die lebensbedrohlichen und für Wartende nicht sichtbaren Notfälle im Hintergrund aus.

Blick über den Fredenbaumpark auf die Unfallklinik im Dortmunder Norden.

Blick über den Fredenbaumpark auf die Unfallklinik im Dortmunder Norden. © Dieter Menne

„Es geht nicht nur darum, schnell zu helfen, sondern auch darum, die bestmögliche Behandlung für den Patienten zu ermöglichen“, sagt der Notarzt Dr. Udo Schniedermeier. In der Unfallklinik arbeiteten die Trauma-Spezialisten.

Bereits jetzt können Patienten auf der Internet-Startseite des Klinikums herausfinden, welcher Standort im Notfall der richtige für sie ist. „Wir denken aber darüber nach, die Navigation zu verbessern“, berichtet Lisa-Cathrin Müller. Angegeben sind dort auch die beiden Rufnummern der Notfallaufnahmen Mitte und Nord. Wer dort anrufe, könne rechtzeitig die Zuständigkeit klären.

So klären Sie die Zuständigkeit
  • Bei Lebensgefahr gilt: Sofort den Notruf 112 wählen, den Patienten versorgen und dem Rettungsdienst Zugang zum Ort des Geschehens ermöglichen.
  • Welche Notfallaufnahme ist im Klinikum zuständig? Unter Tel. 0231-953 21 34 0 (Mitte) oder 0231-953 1816 0 (Nord) erhalten Patienten vom Personal eine Antwort.
  • Pro Jahr behandelt behandelt das Klinikum in der Notfallaufnahme Mitte 36.000 Patienten und in der Notfallaufnahme Nord 33.000 Patienten.
Lesen Sie jetzt
Lesen Sie jetzt