Kind gesund, also kein Krankenschein: Die Ärzte sind nicht zuständig, wenn Eltern Corona-Kinderkrankengeld haben wollen. © picture alliance / Patrick Pleul
Schul- und Kita-Schließung

„Die Telefone laufen heiß“ – Verwirrung um Corona-Kinderkrankengeld

Wie kommen Eltern in Dortmund an das Corona-Kinderkrankengeld? Über die Kinderärzte? Die Sprecherin sagt: „Seit Donnerstag laufen die Telefone heiß.“ Dabei sei man gar nicht zuständig.

Das Kind ist nicht in der Schule, nicht in der Kita, sondern zuhause? Für Eltern, die deswegen nicht zur Arbeit gehen, wird es zusätzliches Kinderkrankengeld geben. Das hatten Bund und Länder schon vor einer Woche versprochen.

„Seitdem laufen hier die Telefone heiß“, sagt Hendrike Frei, Kinderärztin in Mengede und einer von zwei Sprechern der Kinderärzte in Dortmund: „Und ich weiß, dass es in anderen Praxen auch so ist.“

Bestimmt 100 Anrufe dazu habe es gegeben, heißt es aus der Gemeinschaftspraxis für Kinder- und Jugendmedizin an der Berliner Straße in Körne. Auch andere Praxen in Dortmund bestätigen: Eltern dachten natürlich, dass es so laufe wie immer.

Kind krank? Dann gibt es 90 Prozent vom Netto

Ist ein Kind krank und muss zuhause betreut werden, darf ein Elternteil für zehn Tage pro Jahr und Kind einen solchen Kinderkrankenschein bekommen. Der Arbeitgeber zahlt für diese Tage keinen Lohn, die Krankenkasse übernimmt für diesen Anteil aber 90 Prozent vom Netto.

Die Voraussetzung: Der Kinderarzt bescheinigt, dass der Nachwuchs nicht gesund ist.

Genau das könne man aber nicht, unterstreicht Hendrike Frei. Die Kinder seien nun mal nicht krank. „Und wir können nicht wissen, welche Schule und welche Kita gerade geschlossen ist und wer wohin gehen darf.“

Privat versichert? Kein Anspruch auf Kinderkrankengeld

Im Gesetzentwurf, der das Bundesgesundheitsministerium nun veröffentlich hatte, ist das auch berücksichtigt: Nun reicht Eltern eine Bescheinigung der Kita oder Schule, die direkt an die Krankenkasse geht. Die wiederum zahlt dann.

Zumindest, solange es sich um eine gesetzliche handelt. „Die Regelungen zum erweiterte Kinderkrankengeld gelten nicht für Privatversicherte und auch nicht für gesetzlich Versicherte, deren Kinder privat versichert sind“, stellt Ann-Kathrin Wacker klar, Sprecherin von Signal Iduna. Diesen Eltern bleibe allerdings der Anspruch auf Elternentschädigung nach dem Infektionsschutzgesetz: 67 Prozent des Lohns.

Eltern-Ansturm bei Krankenkassen noch nicht angekommen

Wie viele Eltern-Anfragen es bei den Krankenkassen gibt? Wohl weniger als bei den Kinderärzten direkt. „Es gibt dazu Anfragen, aber das ist für uns ganz normal bei neuen Regelungen“, erläutert Bettina Kiwitt, Sprecherin der Big-Direct-Versicherung. Von anderen Kassen – etwa der AOK Nordwest – heißt es: In welchen Orten es wie viele Anfragen gebe, lasse sich nicht ermitteln, weil die Geschäftsstellen vor Ort geschlossen seien. Und in den telefonischen Servicecentern liefen ja alle auf, nicht nur Dortmunder.

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Redaktion Dortmund
Jahrgang 1977 - wie Punkrock. Gebürtiger Sauerländer. Geborener Dortmunder. Unterm Strich also Westfale.
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Björn Althoff

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