Sänger Campino von der Band Die Toten Hosen bei einem Konzert in der Westfalenhalle am 25.12.2017. © Oliver Schaper (Archivbild)
Unvergessene Dortmunder Konzerte

Die Toten Hosen über Dortmund: Das Unvorstellbare ist wahr geworden

Die Toten Hosen haben so häufig in Dortmund gespielt wie wenige andere Musiker. Gitarrist Breiti erzählt, wie alles begann und welche Gründe es dafür gibt, dass die Band gerne zurückkommt.

Nach dem Familienprogramm bitte einmal den Weihnachtsbraten rausrocken: Weihnachten war in Dortmund in den vergangenen Jahren mehrfach ein Musik-Fest, zuletzt 2017. Ein Musik-Fest mit den Toten Hosen, mit Campino, Kuddel, Breiti, Andi und Schlagzeuger Vom Ritchie.

Als diese Redaktion die Dortmunder nach unvergessenen Konzerten gefragt hat, war der Name der Band einer der häufigsten, die genannt wurden. Verbunden mit rückblickenden Urteilen wie „einfach nur genial“, „die besten Stunden meines Lebens“ und wehmütigen Sätzen wie „Ich vermisse es!“.

Tote-Hosen-Gitarrist Breiti spricht über die Verbindung der Band nach Dortmund

Musikerkarrieren wie die der Düsseldorfer Band Die Toten Hosen gibt es nicht viele in Deutschland. Bald feiert die Band ihr 40-jähriges Bestehen. Was als wilder Punkrock in den frühen 80ern begann, ist heute längst ein Stück zeitgenössische deutsche Musikkultur.

Mit etwas weniger Punk und deutlich mehr Pop als früher, aber immer noch mit klarer Haltung und viel Kraft.

Gitarrist Michael Breitkopf (
Gitarrist Michael Breitkopf (“Breiti”) von den Toten Hosen. © picture alliance / dpa © picture alliance / dpa

Tote-Hosen-Gitarrist Breiti, bürgerlich Michael Breitkopf, hat sich für die Reihe „Unvergessene Dortmunder Konzerte“ Gedanken über die Verbindung der Band zu Dortmund und Westfalenhalle gemacht.

Breiti: „Außerhalb jeder Vorstellungskraft, dass wir jemals in dieser Halle spielen würden.“

Breiti erinnert sich an sein erstes Erlebnis in der Westfalenhalle, ein zweitägiges Metal-Festival bei dem unter anderem Ozzy Osborne, Iron Maiden und Judas Priest auftraten. „15.000 Metal-Fans zwei Tage lang in der Halle, das war beeindruckend. Damals lag es außerhalb jeder Vorstellungskraft, dass wir jemals in dieser Halle spielen würden“, sagt der 56-Jährige.

Die Toten Hosen waren damals gerade erst entstanden. Ein Truppe Anfang 20-Jähriger, die das Punk-Gefühl aus England längst gepackt hat. Die nicht angetreten sind, um mit der Musik reich zu werden.

Die sich aber schnell den Ruf der Unangepassten erarbeiten, die mit etwas Schabernack und viel musikalischer Energie immer mehr Menschen begeistern.

Die Single „Hier kommt Alex“ verhilft ihnen 1988 zum kommerziellen Durchbruch. Das Unvorstellbare – Die Toten Hosen in der Westfalenhalle – wird greifbarer.

„Ordentlich nervös“ vor dem ersten Konzert in der großen Westfalenhalle

Breiti erinnert sich: „1989 waren wir immerhin schon mal in der Halle 3“. Am 27. September 1990 schafft die Band dann bei der „Auf dem Kreuzzug ins Glück“-Tour den Sprung in die große Halle.

„Wir waren vorher ordentlich nervös, aber die Stimmung war großartig und es wurde für uns zu einem überwältigenden Erlebnis“, sagt Breiti.

In dieser Zeit gilt: Wer in Dortmund „die 1“ voll macht, gehört zu den Großen in der deutschen Musikwelt. Weil die Band es versteht, ihre Fangemeinde durch Nähe und unermüdliches Touren zu halten und zu vergrößern, wird sich das „überwältigende Erlebnis“ in den folgenden Jahren noch einige Male wiederholen. 20 Konzerte in Dortmund verzeichnet das Tourarchiv der Band seit 1983.

Seit 1990 gehört die Westfalenhalle zu den festen Adressen für die Toten Hosen

Viele dieser Abende sind in Videos dokumentiert. Es gibt etwa eine verwackelte VHS-Aufnahme eines Konzerts von 1992. Aus dem Publikum filmt jemand eine junge Band, die zwei Stunden lang über die Bühne wirbelt, Punkklassiker wie „Blitzkrieg Bop“ einstreut und mit „Azzuro“ und „Eisgekühlter Bommerlunder“ endet.

20 Jahre später: Die Videos aus der Westfalenhalle werden mittlerweile von der Band selbst produziert. Die gesamte Crew ist beim „Frühsport“ mit Campino zu sehen, Campino und Andi schmeißen sich ins Publikum, am Ende machen 10.000 Menschen gemeinsam eine „Humba“ wie im Fußballstadion.

Die Band ist zu sehen, wie sie in den unterirdischen Backstagebereich der Halle abgeht, Campino schimpft kurz und mit ironischem Unterton über „viele Verspieler“ und die „desolate Mannschaft“, um dann zu sagen: „Bester Gig der Tour“.

Vom Weihnachtskonzert 2017 gibt es statt verwackelter Camcorder-Videos hochauflösende Smartphone-Aufnahmen. Statt „Blitzkrieg Bop“ gibt‘s „You‘ll never walk alone“. Mittlerweile hat die Band Mitsing-Hits wie „Tage wie diese“. Das Energielevel in der Halle ist immer noch gewaltig.

„Das Publikum im Ruhrgebiet ist jederzeit bereit, groß zu feiern“

Zwischen diesem Moment und dem ersten großen Auftritt in Dortmund sind zahlreiche Hallen in Deutschland entstanden, die moderner und größer sind als die Westfalenhalle. Aber die „Hosen“ kehren immer wieder gerne hierher zurück.

Die Toten Hosen zeichnen sich durch ein sehr treue Fangemeinde aus.
Die Toten Hosen zeichnen sich durch eine sehr treue Fangemeinde aus. © Oliver Schaper (Archivbild) © Oliver Schaper (Archivbild)

Gitarrist Breiti sagt: „Sie hat immer noch eine besondere Atmosphäre und das Publikum im Ruhrgebiet ist jederzeit bereit, groß zu feiern. Erstaunlich, wie zeitlos die Architektur aus den 50er Jahren immer noch ist.“

Konzerte in der Westfalenhalle seien „für uns besondere Feiertage geblieben“. Das hat noch einen Grund, der nicht nur mit der Musik zu tun hat.

Erinnerungen an die Partys im Anschluss

„Fast so wichtig wie die Konzerte sind für uns die anschließenden Partys mit Freunden und Verwandten und den anderen Bands, die mit uns unterwegs sind“, sagt der Gitarrist.

Er kommt ins Erinnern: „Der lange Gang im Untergeschoss, mit den Versorgungsleitungen unter der niedrigen Decke, ist ein Ort zum Feiern, der seine ganz eigene Atmosphäre hat, wenn sich hunderte Leute dort in bester Stimmung die Nacht um die Ohren hauen. Und danach muss man ja nur ein paar Schritte über den Hof, um ins Hotel zu kommen.“

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Redaktion Dortmund
Seit 2010 Redakteur in Dortmund, davor im Sport- und Nachrichtengeschäft im gesamten Ruhrgebiet aktiv, Studienabschluss an der Ruhr-Universität Bochum. Ohne Ressortgrenzen immer auf der Suche nach den großen und kleinen Dingen, die Dortmund zu der Stadt machen, die sie ist.
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Felix Guth

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