Die unsichtbare Grenze im Stadtteil - Maske als Passierschein

mlzAuf der Harkortstraße

In Hombruchs Fußgängerzone gilt eine Maskenpflicht. Inzwischen sind auch entsprechende Schilder angebracht. Der erste Eindruck: Die meisten Menschen haben sich arrangiert.

Hombruch

, 23.10.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die ersten, die mir bei diesem Spaziergang im Stadtteil entgegenkommen sind ein älteres Ehepaar. Beide tragen Maske, obwohl man das hier am oberen Ende der Harkortstraße noch gar nicht muss. Die Sperrzone für Leute ohne Mund-Nasenschutz beginnt ein paar Meter weiter, da wo die Harkortstraße zur Fußgängerzone wird.

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Es ist eine unsichtbare Grenze hier im Stadtteil, die Grenze zwischen „mit und ohne Maske“. Nach der City hat die Stadt nun auch diese Regelung für Stadtteile getroffen. Die beiden älteren Hombrucher tragen ihren Mund-Nasenschutz dies- und jenseits der Grenze. Für sie ist das „klar“, sagen sie. Die Maßnahme finden sie richtig und wichtig.

Hier, an der Ecke Harkorstraße, Ginsterstraße, verläuft eine der unsichtbaren Grenzen im Stadtteil: Hier endet, bzw. beginnt die Maskenpflicht.

Hier, an der Ecke Harkorstraße, Ginsterstraße, verläuft eine der unsichtbaren Grenzen im Stadtteil: Hier endet, bzw. beginnt die Maskenpflicht. © Britta Linnhoff

Bis zur „Masken-Grenze“ sind es noch 100 Meter. Wohl die Hälfte der Passanten, die mir hier entgegen kommt, trägt Maske - obwohl sie das hier noch gar nicht müsste. „Ich war schon ganz erstaunt, dass ich hier heute so viele Menschen mit einer Maske antreffe“, sagt der ältere Herr, der entspannt (mit Maske) über die Harkortstraße flaniert.

Er hat nichts von der Maskenpflicht gewusst, die hier nun gilt. Der Mann wohnt in Kirchhörde und kommt gerne hierher ins „schöne Städtchen“, wie er sagt. Hier könne man Vieles kaufen, was man in Kirchhörde nicht erledigen könne.

Wirklich überzeugt sind nicht alle Passanten

So ganz überzeugt ist er aber nicht davon, dass das mit der Maske hier im Freien wirklich nötig ist. Aber von Aufregung ist keine Spur. Er könnte auch ohne Maske - aber mit Maske auch, egal.

Auch Justus (16) und Maria (17) sind an diesem Mittag auf der Harkortstraße unterwegs. Auch sie haben von der Maskenpflicht hier noch nichts gehört. Die beiden jungen Baroper tragen ihre Masken gerade unterhalb des Kinns.

Aber hier, wo noch die Autos fahren, müssen sie ja auch nicht, und voll ist es gerade auch nicht. Ein Problem haben sie damit ohnehin nicht. Sie seien das Tragen eines Mund- Nasenschutzes schließlich aus der Schule gewohnt. Also alles „kein Problem“.

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Ein Problem hat schon eher die Frau, die sich gerade am Brunnen in der Fußgängerzone eine Zigarette anzündet. „Mittagspause“, sagt sie. Ihre erste Reaktion: „Was soll ich machen, ich will eine rauchen.“

Gewusst habe sich von der Maskenpflicht an dieser Stelle noch nicht. Sie hat Zweifel, ob das nötig ist, solange man Abstand halte, sagt sie. Aber natürlich werde sie die Maske gleich aufsetzen - im Zweifel aber doch dahin gehen, wo man keine aufsetzen müsse.

So ganz überzeugt sind auch Werner und Gabriele Niemeier aus Barop nicht: Gestern, so erzählen sie, hätten sie noch im Fernsehen gesehen, dass Masken im Freien „Quatsch“ seien. Aber „natürlich machen wir das“, sagen sie.

„Keine Panik, aber ich halte mich strikt an alle Regeln“

Überzeugt von der Maßnahme ist die Hombrucherin Anne: „Klar habe ich davon gewusst“, sagt die flotte 71-Jährige und fügt hinzu: „Ich mache mich nicht verrückt, ich habe keine Panik, aber ich halte mich strikt an alle Regeln.“ Ihre Maske passt perfekt zur modischen Kleidung.

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Tina (54) und Margret (80) machen gerade ein Päuschen auf einer Bank an der Ginsterstraße. Auch diese kleine Seitenstraße der Harkortstraße ist von der neuen Regelung betroffen.

Die beiden Freundinnen sind sich nicht einig: „Finde ich nicht gut“, sagt Margret. „Das sehe ich anders“, sagt Tina, die in Mengede zuhause ist. „Was gilt da jetzt eigentlich?“ (aktuell gibt es dort keine Maskenpflicht). Von den neuen Regeln in den Stadtteilen hat sie nichts gehört bisher - sie will sich schlau machen.

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Die 61-Jährige, die in Westrich wohnt, aber aus alter Verbundenheit hier heute in Hombruch unterwegs ist („Ich habe mal hier gearbeitet und meine Freundin wohnt hier“) nimmt es pragmatisch: „Es hilft ja nix, es ist okay. Jeder hat irgendwie mit Risikogruppen zu tun.“ Das Tragen der Maske findet sie anstrengend, „aber schließlich sind es ja auch keine 30 Grad mehr“.

So sehen die Hinweisschilder aus, die jetzt in der Fußgängerzone der Harkortstraße zu finden sind.

So sehen die Hinweisschilder aus, die jetzt in der Fußgängerzone der Harkortstraße zu finden sind. © Britta Linnhoff

Um die Ecke, in der Harkort-Apotheke, haben sie ein DINA-4-Plakat mit einem Hinweis auf die Maskenpflicht ins Schaufenster gehängt. Am Tag zuvor haben sie aus Spaß mal Strichliste geführt in der Apotheke.

Apothekerin Yvonne Jarzombek: „Gestern war‘s wohl so 50 : 50.“ Die Hälfte habe eine Maske getragen, die andere nicht. Heute habe sich das schon deutlich gewandelt: Sie beobachten aus ihrem Schaufenster heraus nur noch wenige Menschen, die ohne Mund-Nasenschutz unterwegs sind.

Hoffen auf die offiziellen Hinweisschilder

Sie hofft jetzt darauf, dass sich jetzt bald auch die offiziellen Schilder zu ihrem Schaufenster-Zettel gesellen. Und dass die vor allem gut sicht- und lesbar sind, anders als in der City.

Beide Wünsche werden ihr noch am selben Tag erfüllt: Ein Zwei-Mann Team des Tiefbauamtes ist mit einem Stapel Hinweisschilder und jeder Menge Kabelbinder an der Harkortstraße unterwegs. Und zumindest die ersten Schilder, die sie angebracht haben, hängen so, dass man sie auch lesen kann.

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