„Vergreifen sich an Toten“: Diebe haben Friedhöfe in Dortmund im Visier

mlzDreiste Diebe

Zwei Dortmunder berichten von Vandalismus und Diebstahl auf Friedhöfen. Einer von ihnen warnt seine Mitmenschen vor den Unbekannten – und will sogar eine Belohnung für Hinweise aussetzen.

Marten, Huckarde

, 22.11.2020, 09:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Jürgen Zeugner ist sauer. Unbekannte haben bereits zum dritten Mal Pflanzen von dem Grab seiner Familie gestohlen. Begonnen habe die Diebstahlserie schon im vergangenen Jahr. Im Oktober 2019 ist dem 66-Jährigen zum ersten Mal aufgefallen, dass die Winterbepflanzung von dem Familiengrab gerissen wurde, das auf dem Friedhof in Huckarde liegt.

Das Grab liegt ziemlich abgelegen. Ringsum ist nur freie Wiese, kein weiteres Grab ist in der näheren Umgebung zu sehen. Erst etwa 50 Meter weiter gibt es andere Ruhestätte.

Das Friedhof mit dem Grab der Familie Zeugner liegt an der Theoderichstraße, die nicht sehr belebt ist. Hinzu kommt: Dort gibt‘s auch keinen Zaun mehr. „Man kann prima mit dem Auto halten und unbeobachtet Pflanzen stehlen und einlagern“, so Zeugner.

Der Lütgendortmunder hat den Diebstahl im vergangenen Jahr angezeigt. Geholfen hat das nichts: Der Fall wurde eingestellt.

Noch keine weitere Anzeige gestellt

Aus zeitlichen Gründen sei Zeugner noch nicht dazu gekommen, die neuesten Delikte der Polizei zu melden, die sich gerade ereignet haben. Das möchte er noch nachholen. Weil Zeugner in ständigem Austausch mit dem Floristen von „Blumen Berndt“ steht, könne gut nachvollzogen werden, wann sich diese Diebstähle ereignet haben müssen.

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„Blumen Berndt“ kümmert sich um die Winterbepflanzung des Grabes, in dem fünf Familienmitglieder von Zeugner beerdigt sind. Zeugner hatte Juliane Berndt damit beauftragt. Diese meldete ihm, dass „in der ersten Oktoberwoche Teile der Bepflanzung verschwunden“ seien.

Darum habe ihr Team fünf Besenheiden nachgepflanzt. Bei einem Pflegedurchgang sei dann in der letzten Oktoberwoche aufgefallen, dass wieder „die Hälfte der Bepflanzung fehlte“. Dieses Mal habe ihre Team aber nicht nachgepflanzt.

Das Bild zeigt deutlich, wie einsam das Grab gelegen ist. Rechts liegt die Theoderichstraße, die nicht sehr belebt ist.

Das Bild zeigt deutlich, wie einsam das Grab gelegen ist. Rechts liegt die Theoderichstraße, die nicht sehr belebt ist. © Freddy Schneider

Zeugner sagt, dass es ihm nicht darum gehe, dass er für die neuen Pflanzen Geld zahlen müsse. Ihm gehe es darum, dass sichergestellt wird, dass solche Diebstähle nicht mehr möglich sind und fordert darum, dass der Zaun an der Theoderichstraße wieder aufgestellt wird. In der Hoffnung, dass dann die Diebstähle aufhören.

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Auf Anfrage bestätigt Ulrich Heynen von den Friedhöfen Dortmund, dass es an dem 90 Meter langem Teilstück ab Kita Varziner Straße entlang der Theoderichstraße keinen Zaun mehr gibt. „Früher bestand die Friedhofsabgrenzung dort aus einem von Brombeeren durchwachsenen Gehölzstreifen, durch den ein komplett eingewachsener Maschendrahtzaun verlief“, schreibt er.

Zaunlücke soll wieder geschlossen werden

Um Friedhöfen einen „parkähnlichen Charakter“ zu verleihen, habe die Friedhofsverwaltung beschlossen, „sukzessive alle Friedhofsbereiche zu überarbeiten“. Ob die Diebstähle „im Zusammenhang mit der freien Zugänglichkeit“ des Friedhofs stehen, könne nicht nachgewiesen werden.

Doch Uli Heynen zeigt Verständnis für Bestohlene und verspricht: „Nichtsdestotrotz wird die Friedhofsverwaltung die Zaunlücke schließen.“ Der Zaun soll ein Törchen kriegen, damit „die Zugänglichkeit des Friedhofs aus oder in Richtung Varziner Straße“ gewährleistet sei. Die Arbeiten sollen bis Mitte 2021 abgeschlossen sein.

Bestohlener hat eine Belohnung ausgesetzt

Doch nicht nur in Huckarde gibt’s das Problem. Auch Ralf Bredenbröcker berichtet von gestohlenen Kerzen und einer fehlenden Hundestatue, die auf dem Grab seiner verstorbenen Frau stand. Das Grab liegt auf dem umzäunten Friedhof in Marten. Anfang dieser Woche sei der Diebstahl aufgefallen.

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Der 65-Jährige will diejenigen belohnen, die Hinweise zu möglichen Dieben haben (Kontakt unter Tel. 0157 87073964). Er hat auch ein Warnhinweis mit der Überschrift „Achtung!“ an einen Baum auf dem Friedhof gepinnt, auf dem auch seine Handynummer steht. „Die vergreifen sich an Toten“, bringt Bredenbröcker seine Sicht der Dinge auf den Punkt.

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