Dienstag geht Dortmunds OB in Rente

Dr. Gerhard Langemeyer

DORTMUND Am Dienstag absolviert Dr. Gerhard Langemeyer seinen letzten Arbeitstag als Oberbürgermeister. Nach zehn Jahren zieht er aus dem Rathaus aus und geht in Polit-Rente. Ein tragischer Abgang eines Solisten.

von Von Gaby Kolle

, 20.10.2009, 05:50 Uhr / Lesedauer: 2 min
Dr. Gerhard Langemeyer geht in Polit-Rente.

Dr. Gerhard Langemeyer geht in Polit-Rente.

Langemeyers Dortmund ist ein anderes. Seit 1999, als er als erster OB Dortmunds von den Bürgern direkt gewählt wurde, setzte er zehn Jahre lang als Chef der Stadtverwaltung und einflussreicher Vertreter in den Aufsichtsräten wichtiger Ruhrkonzerne entscheidende Pflöcke, um Dortmunds Strukturwandel voranzutreiben.  Das „dortmund-project“, Phoenix-West und Phoenix-See, U-Turm, aber auch das „familienprojekt“, das Projekt „Soziale Stadt“ und die Modernisierung der „Verwaltung 2010“ sind die Schlagworte der Ägide Langemeyer.

Allerdings erntete der fleißige, aber spröde Verwaltungsexperte nicht nur Lob für die Umsetzung. Er scheiterte bei den großen Umbauplänen für den Hauptbahnhof letztlich an der Bahn, und auch seine Leuchtturmprojekte wie U-Turm und Phoenixs-See, die er mit aller Macht vorantrieb, die ihm die neue Gemeindeordnung als OB eröffnete, brachten dem 65-Jährigen vor allem wegen der (Folge-)Kosten viel Kritik ein – auch bei den eigenen Genossen. Die servierten ihn im Spätsommer letzten Jahres ab und stellten ihn nicht mehr als OB-Kandidaten auf nach wiederholten Streit um seine Alleingänge und seine Amtsführung.

Langemeyers innerparteiliche Gegner sammelten seine Fehler, vor allem seit Franz-Josef Drabig 2006 die Führung im Unterbezirk übernommen hatte. Die Bargeld-Affäre, bei der 1,1 Mio. € im OB-Büro verschwanden, und das folgende Krisenmanagements Langemeyers sorgten für weitere Munition.

Langemeyers Rache fiel heftig aus: Er bescherte mit dem erst nach der Kommunalwahl verkündeten Haushaltsloch der SPD und seinem Nachfolger Ullrich Sierau den Vorwurf des Wahlbetrugs, möglicherweise sogar Neuwahlen. Viele böse Worte werden ihm hinterhergeschickt. So, wie er gern regiert hat, an Rat und SPD vorbei, so verlässt er heute das Rathaus: allein. Ein tragischer Abgang. 

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