Diese beiden Bufdis sind die Bücherlieferanten der Stadt

mlzStadt- und Landesbibliothek

Diese beiden Lieferanten bringen keine Pizzen sondern Bücher vorbei: Niklas Mißfeldt und Moritz Lahusen machen ihren Bundesfreiwilligendienst für die Stadt- und Landesbibliothek in Dortmund.

von Rebekka Antonia Wölky

Dortmund

, 23.09.2018, 04:21 Uhr / Lesedauer: 3 min

Mit zwei schwarzen Büchertaschen und 20 Büchern im Gepäck machen sich Moritz Lahusen und Niklas Mißfeldt auf den Weg zu Frau Franz. Im weißen Auto des Mobilen Bibliotheksdienstes der Stadt- und Landesbibliothek fahren die beiden 18-jährigen Bundesfreiwilligen (Bufdis) an die Rheinische Straße. Frau Franz bittet sie ins Wohnzimmer, auf dem Tisch liegen bereits die Bücher auf Stapeln bereit, die sie bei ihrem letzten Besuch mitgebracht haben. Vier Stapel à fünf Bücher.

„Ich lese gern. Früher bin ich in die Bibliothek in Dorstfeld gegangen, bis die zugemacht hat. Ich finde das toll, dass mir jetzt Bücher gebracht werden. Ich kann nicht mehr gut laufen und kann darum nicht selbst in die Bibliothek gehen“, sagt Frau Franz, die den Mobilen Bibliotheksdienst nun schon seit einigen Jahren nutzt.

Die Auswahl der Bücher treffen die Jungs für sie, meist ganz nach ihrem Geschmack. Auch dieses Mal sieht sie die neuen Bücher durch und behält alle. „Ich habe Bücher von Autoren ausgewählt, von denen ich auch selbst schon etwas gelesen habe. Ich hoffe, die gefallen Ihnen auch. Da sind ein paar wirklich gut geschriebene Polit-Thriller dabei“, sagt Moritz Lahusen.

Man kommt ins Gespräch

Heute haben die beiden viele Krimis und Thriller dabei, aber auch den einen oder anderen Liebesroman. „Die Auswahl war bis jetzt immer gut. Und die jungen Leute sind immer sehr höflich und nett“, sagt Frau Franz. 20 Bücher lassen die Bufdis da, packen dafür die 20, die Frau Franz seit ihrem letzten Besuch gelesen hat, in die schwarzen Taschen. Danach redet man noch ein bisschen über dies und das.

„Es macht Spaß, mit den Leuten zu quatschen“, sagt Niklas Mißfeldt später. „Es ist ganz unterschiedlich. Bei manchen funktioniert es eher nach dem Motto ‚Hallo. Bücher. Tschüss.‘ Bei anderen sitzt man aber auch noch eine halbe Stunde und unterhält sich.“

Über Bücher, Katzen, Arztbesuche. Darüber, dass Niklas Mißfeldt und Moritz Lahusen vor Kurzem einen Krankenwagem und die Feuerwehr alarmiert haben, weil Frau Franz die Tür nicht geöffnet hatte und sie sich Sorgen machten. „Das war schon gut, dass ihr das gemacht habt. Mir hätte ja wer weiß was passiert sein können“, lobt sie die beiden im Nachhinein. Dass die jungen Leute so aufmerksam sind, freut sie.

Passiert war ihr aber zum Glück nichts. Sie war wegen eines Arztbesuches nicht zu Hause gewesen. Einige bange Minuten bescherte dieses Erlebnis den beiden jungen Männern trotzdem. „Das war auf jeden Fall das Aufregendste in unseren ersten Bufdi-Monaten“, sagt Niklas Mißfeldt.

Kostenloses Angebot

Die regelmäßigen 20 Bücher für Frau Franz sind die größte Lieferung, die der mobile Bibliotheksdienst aktuell übernimmt. Manchmal seien es nur zwei bis drei Bücher pro Person, in den meisten Fällen sechs bis sieben. Einige Kunden bitten um Bücher aus einem bestimmten Genre, andere nennen gezielt Titel. „Ein paar lesen immer Liebesromane, manche möchten auch Empfehlungen aus dem Radio haben“, sagt Moritz Lahusen.

Meist organisieren die Freiwilligen ihre Fahrten so, dass sie mehrere Besuche nacheinander erledigen können. Man bemühe sich, auch die Seniorenheime im Stadtgebiet wieder in das Programm mit einzubeziehen. „Dann könnten wir mit nur einer Fahrt vielen Menschen Bücher bringen“, sagt Niklas.

An vollen Tagen stehen 3 bis 4 Fahrten für den mobilen Bibliotheksdienst auf dem Plan, an sehr ruhigen manchmal keine Einzige. „Es wäre schön, wenn mehr Dortmunder, die aus verschiedenen Gründen nicht mobil sind, von dem Angebot wüssten und es nutzen würden. Wir wollen immer neue Kunden gewinnen und das Angebot ist völlig kostenfrei“, sagt Bibliotheksdirektor Johannes Borbach-Jaene.

Wenn die Bufdis gerade keien Bücher ausliefern, erledigen sie andere Aufgaben für die Dortmunder Bibliotheken. „Wir machen alles, was an Fahrten so anfällt. Wir haben auch schon Gläser zu einer Veranstaltung gebracht und Skulpturen aus einer Stadtteilbibliothek abgeholt“, erzählt Moritz Lahusen.

Seit mehr als 30 Jahren

Den Mobilen Bibliotheksdienst gib es seit 1987, weiß Niklas Mißfeldt, zum Erstaunen von Johannes Borbach-Jaene sogar auswendig. In der Kundenkartei des Bundesfreiwilligen befinden sich aktuell ungefähr 40 Kunden. „Die meisten sind Senioren. Vor kurzem haben wir aber auch eine Stammkundin der Bibliothek beliefert, die gestürzt war und darum kaum laufen konnte“, erzählt Niklas Mißfeldt.

Der Dienst wird kostenlos angeboten, auch ein Bibliotheksausweis wird zur Verfügung gestellt, damit die Bufdis Medien über die Bibliothekskonten der Kunden ausleihen und nach ihrer Tour am Rückgabeschalter wieder abgeben können. Geliefert werden alle Medien, die kostenlos entlichen werden könne. Neben Büchern sind das zum Beispiel auch CDs.

Der Mobile Bibliotheksdienst liefert Bücher und andere Medien, die in der Stadt- und Landesbibliothek kostenfrei entliehen werden können, an Menschen, die nicht selbst in die Bibliothek kommen können. Das Angebot ist kostenlos. Die Ausleihfristen der Stadt- und Landesbibliothek gelten wie gewöhnlich. Wer das Angebot in Anspruch nehmen möchte, kann sich melden unter Tel. 50 2 32 20 oder per E-Mail an mobiler.bibliotheksdienst@stadtdo.de
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