Seinen Dortmund-Aufenthalt wird ein Reisender aus Paris nie vergessen

mlzGleich zwei Mal angegriffen

Vor der Abfahrt seines Zuges nach Paris wollte ein junger Franzose noch ein bisschen im Keuning-Park entspannen. Eine gute Idee war das nicht, wie sich nun herausstellt.

Dortmund, Nordstadt

, 22.04.2020, 20:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vor dem Dortmunder Landgericht hat am Donnerstag der Raub- und Körperverletzungs-Prozess gegen einen 21-jährigen Mann begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, im September 2019 einen jungen Franzosen im Keuning-Park angegriffen zu haben. Das Opfer wartete auf einer Parkbank entspannt auf seinen Zug nach Paris, als es urplötzlich mit der Dortmunder Wirklichkeit konfrontiert wurde.

Mobiltelefon gestohlen

Laut Staatsanwaltschaft griff der Angeklagte zunächst nach dem Mobiltelefon, das der Franzose neben sich auf die Bank gelegt hatte. In Sekundenschnelle soll er das Telefon einem Komplizen übergeben haben, der damit türmte. Doch damit nicht genug. Nachdem der Franzose wenig später frustriert den Weg zum Hauptbahnhof angetreten hatte, musste er offenbar feststellen, dass er erneut von dem Angeklagten verfolgt wurde.

Verfolgung zum Hauptbahnhof

Im Bahnhofsgebäude soll es dann zum zweiten Aufeinandertreffen gekommen sein. Laut Anklage forderte der 21-Jährige den Reisenden auf, ihm nun auch noch seinen Rucksack zu geben. Als der Franzose sich weigerte, soll er von dem Angreifer mit einer spitzen Nagelfeile am Finger verletzt worden sein, ehe sich dieser auch noch an den drei Ketten am Hals des Opfers zu schaffen machte. Der Raub des Schmucks misslang jedoch, weil die abgerissenen Ketten in den Pullover des Franzosen fielen und dort unerreichbar waren.

Zu Prozessbeginn am Donnerstag wollte sich der 21-Jährige noch nicht zu den Anschuldigungen äußern. Auch zu einer zweiten Angeklagten Straftat macht der junge Mann auf Anraten seines Verteidigers Marcus Herberholz zunächst keine Angaben. Einige Tage vor dem mutmaßlichen Überfall auf den Bahnreisenden soll er zusammen mit einem Komplizen einen auf einer Bank am Nordausgang des Hauptbahnhofs schlafenden Mann zusammengeschlagen haben.

Zeuge kann nicht aus Paris kommen

Die Richter am Landgericht würden nun natürlich gerne beide mutmaßlichen Opfer als Zeugen vernehmen. Vor allem im Fall des Franzosen bereitet das jedoch erhebliche Probleme. „Ich habe gestern mit ihm telefoniert, aber er kann wegen der Corona-Ausgangsbeschränkungen in der nächsten Woche nicht nach Dortmund kommen“, sagte der vorsitzende Richter Dirk Kienitz.

Mithilfe eines Dolmetschers soll nun versucht werden, den Betroffenen zu einer Video-Vernehmung aus seiner Wohnung in Paris zu bewegen. Diese soll, wenn die technischen Voraussetzungen geschaffen worden sind, noch Ende des Monats über einen „normalen“ Messengerdienst erledigt werden. „So gehen halt Zeugenvernehmungen in Corona-Zeiten“, kommentierte der vorsitzende Richter.

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