Dieses Knöllchen macht Dortmunderin fassungslos

mlzStrafmandat

Veronika Oehlbeck stellte ihr Auto auf einen freien Parkplatz im Saarlandstraßenviertel. Als sie zurückkam, klemmte ein Strafmandat an der Scheibe. Die Begründung bringt sie auf die Palme.

Saarlandstraßenviertel

, 26.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Mehrmals pro Woche macht sich Veronika Oehlbeck im Saarlandstraßen- und Kreuzviertel auf die schwierige Suche nach einem Parkplatz, weil sie dort in ein Sportstudio geht. Was ihr am Dienstag (23. Juli) passierte, macht sie sprachlos.

Die Dortmunderin hatte ihren Wagen wie so oft auf einem Parkstreifen in der Stolzestraße abgestellt. Als sie nach gut zwei Stunden gegen Mittag zurückkam, klemmte ein Strafmandat an der Scheibe. Sie soll 10 Euro Strafe zahlen, weil sie zu luftig geparkt hat. „Sie parken nicht Platz sparend“ steht als Tatvorwurf auf dem Knöllchen.

Dieses Knöllchen macht Dortmunderin fassungslos

10 Euro kostet es, beim Parken Platz zu verschwenden. © Susanne Riese

„Ich bin echt sauer, denn die Damen vom Ordnungsamt konnten nicht wissen, wie sich in der Zeit die Parksituation verändert hat und was ich vorgefunden habe. Da passte links von mir lediglich ein Moped hin, aber niemals ein weiteres Auto“, ärgert sich Veronika Oehlbeck. „Ich halte das für Abzocke. Ganz einfach.“

Politessen sagen „Das machen wir eigentlich nicht“

In der Praxis komme ein derartiger Strafzettel selten vor, teilt Maximilian Löchter für die Stadt mit. Selbst Mitarbeiter des Ordnungsamtes, die an anderer Stelle im Einsatz waren, zeigten sich sehr erstaunt über das ungewöhnliche Knöllchen. „Das machen wir eigentlich nicht“, sagte ein Hilfspolizist.

Die Rechtslage aber gibt das her: Im bundeseinheitlichen Katalog der Straßenverkehrsordnung steht tatsächlich der Tatbestand „Sie hielten / parkten nicht Platz sparend“; Verwarngeld: 10 Euro.

Zur Anwendung komme dieser Punkt meist dann, wenn es eine Beschwerde gegeben hat, so Maximilian Löchter. „Diese gehen gelegentlich für Bereiche ein, in denen ein hoher Parkdruck besteht. Meistens handelt es sich dann um Parkstreifen (...), die über keine Parkflächenmarkierungen zur genauen Unterteilung verfügen.“

Parksituation beim Abstellen ist nicht immer erkennbar

Auch in der Stolzestraße in Höhe der Hausnummer 11, wo Veronika Oehlbeck ihr Auto abgestellt hatte, gibt es keine Markierungen. Deshalb wundert sich die Betroffene umso mehr, wie denn Ordnungsamt-Mitarbeiter beurteilen wollen, wie die Situation war, als sie ihr Fahrzeug parkte.

Dazu teilt Stadtsprecher Löchter mit: „Das verursachende Fahrzeug muss erkennbar sein. Dies ist zum Beispiel dann der Fall, wenn der Parkvorgang beobachtet wurde oder das entsprechende Fahrzeug sich am Anfang oder am Ende eines Parkstreifens befindet und ein unnötig großer Abstand zu seinem Anfang / Ende oder einem Hindernis festgestellt wird.“

Platzverschwendung wird nur selten geahndet

Trotzdem wäre ja möglich, dass der Freiraum am Ende des Parkstreifens blockiert war, beispielsweise durch ein Motorrad. Dazu sagt die Stadt, es handele sich um einen sogenannten „Auffangtatbestand, der zur Anwendung kommt, wenn präzisere Tatbestände nicht anwendbar sind. Beispielsweise, wenn keine Parkflächenmarkierungen für eine genaue Aufteilung zur Regelung vorhanden sind.“

Viele ärgern sich über Platzverschwender und würden es sicher begrüßen, wenn Leute, die feist zwei Parkplätze blockieren, einen Denkzettel bekämen. Wie oft das in Dortmund tatsächlich pro Jahr vorkommt, konnte der Stadtsprecher allerdings nicht sagen; „nur selten“ jedenfalls.

Dieses Knöllchen macht Dortmunderin fassungslos

Hier hätte noch ein Auto hinpassen sollen - Veronika Oehlbeck bezweifelt das. © Susanne Riese

Veronika Oehlbeck ist sich keiner Schuld bewusst. Sie bezweifelt auch, dass neben ihr tatsächlich Platz gewesen wäre für ein weiteres Auto. „Ich finde das unerhört“, sagt sie zu dem Strafzettel. Wenn man so etwas schon ahnden wolle, dann sollten die Parkplätze zumindest deutlich markiert sein.

Trotzdem will die sie die 10 Euro Strafe bezahlen, um weiteren Aufwand zu vermeiden. „Die Frist beträgt nur eine Woche, dann bekomme ich sicher gleich eine Mahnung und muss am Ende noch mehr zahlen.“

Kommentar

Beschwerde ist kein Beweis

Fast jeder Autofahrer wünscht regelmäßig anderen, die ohne Not zwei Parkplätze beanspruchen, weit Schlimmeres als ein 10-Euro-Ticket an den Hals. Mit jeder Runde um den Block auf der Suche nach einem freien Plätzchen für den eigenen kleinen Wagen steigt die Wut auf die feisten SUV´s, die sich gnadenlos über alle Markierungen hinaus auf mehreren Plätzen breit machen. Bequemlichkeit, Gedankenlosigkeit, Dreistigkeit oder mangelndes Einparkvermögen werden unterstellt. Doch wer kann das beurteilen? Nur derjenige, der beim Einparken zugesehen hat und weiß: Die Verschwendung des wertvollen Parkraums wäre zu vermeiden gewesen. Beschwerden von Anwohnern, die selten erfreut sind über Fremdparker in ihrem Viertel, haben keine Beweiskraft. Wer Strafzettel verteilt, sollte aber sicher sein, dass es etwas zu bestrafen gibt.
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