Lehrer wird selbst zum Schüler: „Die sind viel fitter als wir“

mlzDigitalisierung in Schulen

Tablet und Beamer gehören zur Standard-Ausrüstung von Björn Rauhaus. Der 30-jährige Lehrer gestaltet seinen Unterricht zum Großteil mit digitalen Geräten - und es soll noch digitaler werden.

Dortmund

, 10.11.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Björn Rauhaus unterrichtet Deutsch und Sport am Gymnasium an der Schweizer Allee in Dortmund - und benutzt am liebsten Tablet und Beamer bei seiner Unterrichtsgestaltung. Ein Alltag ohne die Möglichkeiten der digitalen Medien ist für den 30-jährigen Lehrer kaum vorstellbar: „Ich bin mit digitalen Geräten groß geworden und war immer daran interessiert.“

Schüler nutzen Tablet statt Heft im Unterricht

Die Digitalisierung an Schulen wächst immer weiter. Das ist Björn Rauhaus besonders bewusst geworden, als zwei seiner Schüler im Oberstufenkurs Deutsch dauerhaft Tablet gegen Heft getauscht haben.

Auch Rauhaus dachte, dass er zu Beginn seiner Lehrstelle gar keine Kreidetafel mehr brauche, sondern alles über das Tablet machbar ist. „Dann habe ich aber schnell festgestellt, dass es die Mischung aus alten und neuen Medien macht“, sagt Rauhaus.

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So arbeitet der Lehrer im Unterricht mit Tafel, Tablet und Beamer. Manchmal leiht er sich auch Tablets für seine Schüler im Sportunterricht aus. Die können sich dann gegenseitig bei einer Übung filmen und das Video anschließend analysieren. „Die Schüler freuen sich über jeden medialen Einsatz“, sagt Rauhaus.

Digitale Tafeln sollen Digitalisierung weiter vorantreiben

Das Gymnasium an der Schweizer Allee ist in Sachen Digitalisierung bereits gut aufgestellt. In den Sommerferien dieses Jahres wurde die Schule an das Glasfasernetz angeschlossen, damit ein schnelles Internet für den Schulalltag gesichert ist.

Anfang nächsten Jahres sollen die Klassenräume dann mit SmartTVs ausgestattet werden, die die alten Kreidetafeln ersetzen sollen. „Ich bin schon ganz gespannt, weil dann alles digital laufen könnte“, sagt Rauhaus. „Aber noch habe ich ein großes Fragezeichen, wie die Dinger funktionieren.“

Der 30-jährige Lehrer bekommt in Sachen Digitalisierung wertvolle Tipps von seinen Schüler für den Unterricht.

Der 30-jährige Lehrer bekommt in Sachen Digitalisierung wertvolle Tipps von seinen Schüler für den Unterricht. © Sarah Rauch

Ebenfalls sind bereits Leih-Tablets, Beamer und Dokumentenkameras an der Schule im Einsatz. Wenn Lehrer Probleme mit den digitalen Geräten haben, dann hilft die sogenannte Task-Force. Das ist eine Gruppe von Schülern, die fit im Bereich der Medien sind. „Das ist total cool, dass die Schüler da mit im Boot sind“, sagt Rauhaus.

Lehrer können über digitale Geräte noch viel von Schülern lernen

Während des Lockdowns am Anfang des Jahres kam vermehrt der Videounterricht im „Digitalen Classroom“ zum Einsatz, um die Schüler zu Hause vor ihren Geräten zu unterrichten. „Das ist der Wahnsinn. Ich habe bei weitem noch nicht alle digitalen Möglichkeiten entdeckt“, sagt Rauhaus. „Da sind die Schüler häufig viel fitter als wir Lehrer.“

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Deswegen findet Rauhaus es besonders wichtig, die Schüler in den digitalen Unterricht mit einzubeziehen. Dann wird der Lehrer selbst zum Schüler und lernt etwas über neue Apps und Funktionen. „Die Schüler leben einfach in der Welt der digitalen Medien. Wir Lehrer sollten das auch mitnehmen“, sagt Rauhaus.

Dass eine Unterrichtsstunde nicht zustande gekommen ist, weil die Technik komplett versagt hat, hatte Rauhaus bisher noch nicht. „Ich habe immer einen Plan B dabei. Zum Beispiel ein Ersatzkabel.“ Einmal ist jedoch der Beamer im Unterricht kaputt gegangen. Das Bild, das der Lehrer darüber an die Wand schmeißen wollte, hat Rauhaus kurzerhand auf seinem Tablet geöffnet und ist damit durch die Reihen gegangen. „Aber ich kopiere nicht jedes Bild 30 Mal für den Fall, dass der Beamer ausfällt. Das wäre auch nicht gut für die Umwelt“, sagt Rauhaus.

Medialer Einsatz im Unterricht ist Frage des Typs und nicht des Alters

Beim methodisch sinnvollen Einsatz der digitalen Geräte im Unterricht sieht Rauhaus noch Verbesserungsbedarf. „Das Technische kriegen wir Lehrer hin, da sind wir fit und können uns untereinander helfen. Aber didaktisch ist noch viel Luft nach oben“, sagt der 30-Jährige.

Trotzdem sei der Einsatz von digitalen Geräten laut Rauhaus eher eine Typ- und Interessenfrage, als eine Altersfrage. „Meine Eltern waren auch Lehrer, sind aber mittlerweile im Ruhestand. Meine Mutter hat sich schwer getan, mit dem Computer zu arbeiten. Mein Vater war aber total offen, was das anging“, sagt der 30-Jährige.

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Rauhaus kenne sowohl ältere als auch jüngere Kollegen an seiner Schule, denen es schwer fällt, digitale Konzepte im Unterricht einzusetzen. Einige seien 20 Jahre ohne Tablet und Beamer ausgekommen und das lief auch gut so, sagt Rauhaus. „Aber ich freue mich über jeden, der sich auf neue Konzepte einlässt“, sagt er.

Noch holt Björn Rauhaus häufig seinen Collegeblock raus, um sich Notizen zu machen. „Weil es schneller geht“, sagt der 30-Jährige. Sollte er sich ein neues Tablet anschaffen, dann eins mit Stift, das den Block mit Kuli ersetzt. „Dann brauche ich keine Tasche mehr und habe alles auf einem Gerät.“

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