Da fehlt einfach etwas – Wie Schüler Distanzunterricht erleben

mlzDigitalisierung an Schulen

In Zeiten von Corona gehören Homeschooling und Distanzunterricht zum Schulalltag - zum Beispiel, wenn ganze Klassen in Quarantäne geschickt werden. Wie erleben Schüler diese Form des Lernens?

Dortmund

, 04.11.2020, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Na, das geht ja schon mal gut los. Nachdem ein wiederhallendes „Guten Morgen“ aus den Lautsprechern des iPads dröhnt, klagt eine Schülerin über Kopfschmerzen. Lehrer Kai Riese macht ihr klar, dass sie - wie, als wenn sie ganz normal in der Schule wäre - nicht am Unterricht teilnehmen müsse. Die Reaktion: „Es geht schon.“

Wir sind in einer Chemiestunde einer neunten Klasse am Heinrich-Heine-Gymnasium in Nette. Lehrer Kai Riese nimmt vorne am Lehrerpult seinen Platz ein, aber er steht vor einer leeren Klasse.

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Seine Schüler sind aufgrund einer Quarantäne alle zu Hause und sitzen vor ihren eigenen Bildschirmen. Distanzunterricht heißt es für die nächsten Tage. Was im Lockdown zu Beginn der Corona-Pandemie für Schüler und Lehrer Alltag war, kommt auch heute noch vor. Immer dann, wenn ganze Klassenverbände oder Jahrgangsstufen in Quarantäne geschickt werden.

Lässig mit Airpods im Ohr

Die Schulstunde wird via Zoom-Konferenz durchgeführt. Da alle die ihre Kamera freigegeben haben, bekommt man auch gleich einen Eindruck davon, wie die Jugendlichen wohnen und wie sie sich so geben. Manch einer hat lässig seine Airpods im Ohr, andere sitzen direkt vor dem iPad und sprechen so ins Mikro.

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Nach einer kurzen Einführung arbeiten die Schüler in Gruppen. Zwischendurch kommen immer wieder Fragen auf. Lehrer Riese schaltet sich in die jeweilige Gruppe. Am Ende stellen alle ihre Ergebnisse vor. Zwar brauchen die Schüler etwas länger als geplant, doch am Ende haben alle etwas mitgenommen aus der Chemiestunde - lautet der gemeinsame Tenor.

„Nicht so effektiv gearbeitet“

Dean sagt beispielsweise. „Der Unterricht kam dem in der Schule schon sehr nahe. Die Arbeit in kleinen Gruppen hat mir gut gefallen. Beim ersten Lockdown war es teilweise schwierig, weil wir uns einiges selbst beibringen mussten. Daher ist der Unterricht ‚live‘ besser, weil man direkte Rückfragen stellen kann.“

Seine Klassenkameradin Enna meint: „Ich glaube, wir haben nicht so effektiv gearbeitet, wie wir es in der Schule getan hätten. Als wir in der Gruppe mit unserer Aufgaben fertig waren, haben wir auch über andere Sachen gequatscht. Grundsätzlich hatte ich auch das Gefühl, dass wir uns mehr abgelenkt haben.“

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Am Heinrich-Heine-Gymnasium hat jeder Schüler ab der siebten Klasse sein eigenes iPad. Das Gerät dürfen die Schüler auch mit nach Hause nehmen. Daher kann der Unterricht auch dann im beschriebenen Maße „normal“ stattfinden, wenn eine Klasse in Quarantäne ist. Der Stundenplan bleibt - nur, dass die Kinder und Jugendlichen alle Zuhause sind.

„Die Pausen fehlen mir“

Und wie wird das Homeschooling so bewertet? Soufana findet, dass es schöner Zuhause ist. „Hier kann ich mich frei bewegen und auch mal in die Küche gehen, wenn ich was essen oder trinken möchte.“

Zoe bewertet den Distanzunterricht als „sehr gute Alternative.“ Auf diese Weise könne man sich selbst und seine Familie besser schützen. Außerdem findet sie gut, dass „nun alle Fächer via Zoom-Konferenz stattfinden. Das war beim ersten Lockdown noch anders.“

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Und trotzdem fehlt den Mädchen und Jungs etwas, wenn sie nicht in der Schule sind, sondern Zuhause vor dem eigenen Bildschirm sitzen. „Ich vermisse vor allem den Wahlpflichtunterricht, weil wir da auch mit Schülern aus Parallelklassen zusammen sind. Und die Pausen, in denen man auch andere Schüler sieht und mit denen quatschen kann, fehlen mir“, findet Sawu.

Enna freut sich bei der Rückkehr in die Schule wieder auf die Gespräche mit den Nachbarn. „Dann kann man auch direkt was fragen und muss nicht zwischendurch eine Nachricht schreiben oder telefonieren.“ Zoe vermisst vor allem ihre Freunde und sagt auch, dass es schwierig ist, regelmäßig Kontakt zu halten, wenn man sich nicht jeden Tag sieht.

Serie

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