Günna ist ein Dortmunder Original. © Dieter Menne
Glosse: Wenn Sie Günna fragen...

Doatmunda Langzeit-Baustellen sind eigentlich Kunstinstallationen

Wenn Sie Günna fragen, hat Günna immer eine ganz eigene Sicht auf die Dinge. Immer ehrlich, immer direkt, immer Doatmund. Thema heute: Baustellen in der Stadt sind keine Störung!

Hömma, Fritz, in Doatmund wimmelt es ja nur so vor Baustellen die dich am Vorankommen inne Stadt hindern und viele Leute ärgern sich darübba und ham dat ständige Gefühl dat zwar alles spektakulär aussieht abba nix geleistet wird weil man zu selten auch einen mitte Schüppe inne Hand beim Malochen sieht.

Allerdings iss dat ne falsche Wahrnehmung habbich gelesen denn ein Psychologe meinte dat die Gehirne die fürchterliche Angewohnheit hätten uns imma nur auf leere odda sogenannte Schlafbaustellen kucken zu lassen.

Bauunternehmen stecken Claims ab

Dat war mir völlich neu und weil ich eher zu der Fraktion gehöre die im Stau vor lauter Ungeduld ins Lenkrad beissen habbich daraus jetz dat Projekt „Schauspiel Baustelle“ gemacht. Als ne Art „Kino inne Nachbarschaft“.

Und die Blagen habbich gleich mit einbezogen denn Kinder kucken andere Leute gern beide Arbeit zu und darum wärn die Spaziergänge zu Baustellen als Ferien-Entertainment ne wahnsinnich gute Idee sachte meine Herta. Und weil wir oft stundenlang zugekuckt ham hatten wir Tupperdosen mit Äppelstückskes und Bütterchen dabei damit auch keiner vom Fleisch fällt odda schwächelt.

Man glaubt ja vorher garnich wat man auffe Strassenbaustelle an Attraktion geboten kriegt. Jetz weiss ich ersma dat die Bauunternehmen imma überall gleichzeitich anfangen und absperren und wenn sie ihre Claims abgesteckt ham lassen sie ihre Arbeiter imma im Kreis herum jeden Tach woanders arbeiten.

Dat nennen die „Raum-Distancing“ weil sie sich kein Lockdown leisten dürfen und dat Prinzip wurde schon beim Flughafenbau in Berlin erfolgreich auf lange Strecke getestet.

Stadt wird zur Freiluft-Galerie

Stark als „Real-Schote“ war auch die Baggerschaufel-Performance wo man den Baggerarm weit innen Himmel recken lassen muss bisses nich mehr geht um dann die Schaufel in Zeitlupe nach vorne zu kippen damit der Füllsand ganz langsam nach unten tröpfeln kann.

Ganz hohe Schule iss wenn die Schaufel nur noch mit ne Fernbedienung gesteuert wird und fünf Kollegen dann staunend dem Ömmes am Lastwagen und dem einen Mann inne Erdgrube zusehen wie von denen dat minutiöse Auffüllen gradezu zelebriert wird. Jeder von uns spürte bei dem Anblick: Hier wird echt Großes geleistet.

Hömma, Fritz, inzwischen seh ich die Doatmunda Baustellen nich mehr als Störung sondann als Kunstinstallationen im öffentlichen Raum die durch ihre Vielfalt an Stillleben unsere Stadt zu ne Art grossflächige Freiluft-Galerie machen wo man uns täglich wechselnde Highlights bietet. Alles nur ne Frage der Sichtweise. Prost.

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