Dortmund bei der Clan-Kriminalität in NRW auf Platz 6 – es gibt eine Gegenstrategie

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Sogenannte Clans haben in Dortmund in drei Jahren 703 Straftaten begangen. Nun gibt es im NRW-Innenministerium eine Idee, wie man auch hier Clan-Kriminalität gezielt bekämpfen könnte.

Dortmund

, 20.10.2019, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Clan-Kriminalität ist eine wachsende Form organisierter Kriminalität in Nordrhein-Westfalen. Das geht aus dem entsprechenden Lagebericht des NRW-Innenministeriums hervor. Danach sind jedes Jahr insgesamt 104 Großfamilien vor allem aus dem Ruhrgebiet für mehr als 4500 Straftaten in Nordrhein-Westfalen verantwortlich. Die Täter sind meist kurdisch-libanesischer oder arabischer Abstammung.

Ihre illegalen Geschäfte, so Innenminister Herbert Reul, würden sie vor allem mit Rauschgifthandel betreiben, aber auch mit Shisha-Bars, Wettbüros und Spielhallen sowie im Autohandel und mit Schlüsseldiensten. Dortmund liegt mit seiner Kreispolizeibehörde auf Platz 6 der von Clan-Kriminalität betroffenen Städte. Rund 700 Straftaten hat es hier zwischen 2016 und 2018 gegeben, die der Clan-Kriminalität zuzuordnen sind. Die Dunkelziffer dürfte aber höher sein.

„Haus der Sicherheit“

Zur Bekämpfung der Clan-Kriminalität plant das Innenministerium NRW nun die Einrichtung eines sogenannten „Hauses der Sicherheit“, beziehungsweise „Single Point of Contact“. Unter einem Dach sollen Polizei, Zoll, Steuerfahndung und Kommunen ihre gesetzlichen Befugnisse bündeln, um gemeinsam gegen die kriminellen Clans vorzugehen.

Offen ist, in welcher Ruhrgebietsstadt das Haus der Sicherheit angesiedelt werden soll. Essen ist mit mehr als 2400 Straftaten von 2016 bis 2018 am weitaus stärksten von Clan-Kriminalität betroffen. Doch die Dortmunder CDU-Ratsfraktion sieht Dortmund mit bereits vorhandenen, behördenübergreifenden Sicherheitsstrukturen bestens vorbereitet und gerüstet, Sitz eines solchen Hauses für Sicherheit zu sein. Ein Beispiel seien die seit mehr als 20 Jahren erfolgreichen Ordnungspartnerschaften von Polizei und Ordnungsamt.

CDU-Antrag im Bürgerdienste-Ausschuss

„Die Erfahrungen der vergangenen Jahre, insbesondere aus der Stadt Dortmund, haben gezeigt, dass die Polizei die Aufgabe der Kriminalitätsbekämpfung umso besser erfüllen kann, wenn unterschiedlichste Behörden mit unterschiedlichsten Handlungsbefugnissen und -kompetenzen diese effektiv unterstützen“, so Friedrich-Wilhelm Weber, ordnungspolitischer Sprecher der CDU-Ratsfraktion. Sie will in der nächsten Sitzung des Bürgerdienste-Ausschusses den Antrag stellen, dass sich die Stadt beim Innenministerium dafür einsetzt, das Haus der Sicherheit in Dortmund anzusiedeln.

Soweit ist es aber noch nicht; denn die Idee ist nur einer von 75 Projekt-Vorschlägen aus der Ruhrgebietskonferenz der Landesregierung. Über die Umsetzung werde das Kabinett erst in einer Sitzung am 29. Oktober entscheiden. Sollte die Idee weiterverfolgt werden, werde das Innenministerium aus einsatzfachlicher Sicht entscheiden, wo solch ein Haus Sinn mache, erklärte eine Behördensprecherin auf Anfrage dieser Redaktion. Im Vorfeld seien alle Kommunen bei einem Gespräch am 16. September informiert worden.

Stadt begrüßt stärkere Zusammenarbeit

Polizei und Staatsanwaltschaft wollten sich zu der Idee nicht äußern. Für die Stadt Dortmund sagte Sprecher Christian Schön, man sehe es positiv, dass die Landesregierung die Bekämpfung der Clan-Kriminalität landesweit verstärken und dabei die Zusammenarbeit ganz unterschiedlicher Stellen fördern und verbessern wolle.

Dortmund arbeite seit vielen Jahren „eng und erfolgreich“ mit allen beteiligten Behörden zusammen. Deshalb würde es die Stadt sehr begrüßen, so Schön, „diese erfolgreiche Kooperation auch auf andere Kommunen/Behörden in NRW und darüber hinaus auszudehnen“. Das „Haus der Sicherheit“ könne aber abschließend erst beurteilt werden, wenn ein vollständiges Projektpapier unter anderem mit Beschreibung konkreter Aufgaben, Zuständigkeiten, Informationswege und Weisungsbefugnisse vorliege.

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