Gebäudereiniger sind gefragt: In zahlreichen Branchen gab es Neuugründungen. © picture alliance / Monika Skolim
Halbjahresbilanz

Dortmund hat so viele Handwerksbetriebe wie noch nie

Trotz Pandemie und Lockdown ist die Zahl der Handwerksbetriebe in und um Dortmund auf eine Rekordhöhe gewachsen. Eine Branche verzeichnet mit Abstand den größten Zuwachs.

Insolvenzen wegen Corona sind im Dortmunder Handwerk weitestgehend ausgeblieben. Stattdessen haben die Betriebe, so sagt es Handwerkskammer-Präsident Berthold Schröder, ihre Robustheit unter Beweis gestellt.

Und nicht nur das: aktuell gibt es sogar einen Zuwachs an Betrieben. Der Unternehmensbestand im Kammerbezirk Dortmund, der von Bochum und Hagen bis zum Kreis Soest reicht, ist im ersten Halbjahr 2021 erstmals auf über 20.000 gestiegen.

Zum 30. Juni 2021 waren insgesamt 20.032 Betriebe in den Mitgliederverzeichnissen eingetragen – das ist Rekord und es sind 195 Betriebe bzw. ein Prozent mehr als Ende vorigen Jahres. Für Dortmund allein verzeichnet die Kammer einen Zuwachs von 63 Betrieben (plus 1,5 Prozent).

Gut 800 neue Unternehmen im gesamten Kammerbezirk

Gut 800 Neu-Unternehmen sind in diesem Jahr im gesamten Kammerbezirk an den Start gegangen. Davon sind 728 Existenzgründer oder -gründerinnen und in 79 Fällen handelt sich um Betriebsübernahmen.

Hocherfreut stellt Kammer-Präsident Berthold Schröder einen Zuwachs der Handwerksbetriebe fest. „Manchen Negativprognosen zum Trotz hat es bei uns keine Insolvenzwelle gegeben, sondern die Betriebe haben in vielfältiger Weise ihre Robustheit unter Beweis gestellt“, sagt er. © Handwerkskammer / Buck © Handwerkskammer / Buck

„Ich finde es beeindruckend zu sehen, wie viele Handwerksunternehmer in unserem Kammerbezirk trotz aller Probleme und Einschränkungen durch Corona zur Stabilität der Wirtschaft beigetragen haben. Manchen Negativprognosen zum Trotz hat es bei uns keine Insolvenzwelle gegeben“, sagt Kammer-Präsident Berthold Schröder.

Der Zuwachs an Betrieben hat mehrere Gründe

Lothar Kauch, Abteilungsleiter für Handwerks- und Gewerberecht bei der Handwerkskammer Dortmund, nennt mehrere Gründe für den Zuwachs an Betrieben:

  • Saisonaler Effekt: „Im ersten Halbjahr steigen die Betriebszahlen regelmäßig – nach dem Winter vor allem durch Gründungen im Baugewerbe. Erstmals aber haben wir jetzt im ersten Halbjahr einen Anstieg auf über 20.000 eingetragene Betriebe“, sagt Lothar Kauch.

  • Kein Lockdown für die meisten Branchen: „Das Handwerk war – abgesehen von beispielsweise körpernahen Dienstleistern wie Friseur- oder Kosmetikbetrieben von den Auswirkungen der Pandemie nicht so stark betroffen. Bau-, Elektro-, Sanitär- oder Heizungsbau-Unternehmen haben volle Auftragsbücher“, so Lothar Kauch.

  • Hilfen und Unterstützung: „Die massiven staatlichen Unterstützungen durch Kurzarbeit und finanzielle Hilfen haben gewirkt. Ebenso die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht“, sagt Lothar Kauch. Der negative Trend zu immer mehr Betriebslöschungen – etwa bei Bäckereien oder Fleischereien – sei seit 2017 rückläufig. „Wir haben jetzt ein gute Bestandskraft der Betriebe.“

  • Robustheit des Handwerks: „Viele konnten sich auch dadurch, dass sie in der Vergangenheit gut gewirtschaftet hatten, auf finanzielle Reserven stützen“, sagt Lothar Kauch, „und haben auch durch großen persönlichen Einsatz die Krise gemeistert.“ Er verweist auf die Flexibilität bei Änderungsschneidereien, die spontan Masken gefertigt hätten, oder bei Kunststoff verarbeitenden Betrieben, die in großem Stil plötzlich Trennscheiben als Spuckschutz produzierten.

Gebäudereinigerhandwerk verzeichnet die meisten Neugründungen

Die mit Abstand meisten Existenzgründungen hat es im ersten Halbjahr 2021 im Gebäudereinigerhandwerk gegeben. Hier meldet die Handwerkskammer 131 Neugründungen. Es folgen: Kosmetikerhandwerk (70), Gewerbe zum Einbau von genormten Baufertigteilen (67), Friseurhandwerk (65) und das Bodenlegergewerbe (49).

Auffällig ist auch, so teilt die Handwerkskammer mit, dass der Frauenanteil bei den Existenzgründungen im Vergleich zum ersten Halbjahr 2020 gestiegen ist – von 28,1 auf 31,1 Prozent.

Demgegenüber ist die Zahl der Gründerinnen und Gründer mit ausländischer Staatsangehörigkeit auf 31,7 Prozent gesunken – von 36,9 Prozent im ersten Halbjahr 2020.

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Redaktion Dortmund
Nach mehreren Stationen in Redaktionen rund um Dortmund bin ich seit dem 1. Juni 2015 in der Stadtredaktion Dortmund tätig. Als gebürtigem Dortmunder liegt mir die Stadt am Herzen. Hier interessieren mich nicht nur der Fußball, sondern auch die Kultur und die Wirtschaft. Seit dem 1. April 2020 arbeite ich in der Stadtredaktion als Wirtschaftsredakteur. In meiner Freizeit treibe ich gern Sport: Laufen, Mountainbike-Fahren, Tischtennis, Badminton. Außerdem bin ich Jazz-Fan, höre aber gerne auch Rockmusik (Springsteen, Clapton, Santana etc.).
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Peter Wulle

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