Internationaler Vergleich: Dortmunder Hauptbahnhof mit katastrophalem Ergebnis

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Im ersten Europäischen Bahnhof-Index schneidet Dortmund miserabel ab. Es gibt viele Punkte, die verbessert werden müssten, so die Macher. In einem Punkt ist der Hauptbahnhof sogar Schlusslicht.

von Daniel Reiners

Dortmund

, 18.02.2020, 05:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit 31 Gleisen und 130.000 täglichen Passagieren liegt der Dortmunder Hauptbahnhof quantitativ im europäischen Mittelfeld. In der Qualität sieht es deutlich schlechter aus - meinen zumindest die Macher des ersten Europäischen Bahnhof-Index des Consumer Choice Center in Brüssel. Hier landet der Hauptbahnhof auf dem 43. von insgesamt 50 Plätzen. Unter den 15 deutschen Bahnhöfen, die bewertet wurden, ist Dortmund Schlusslicht.

Das Consumer Choice Center ist laut Lobbypedia eine Non-Profit-Organisation aus den USA. Sie trete vor allem für Deregulierung und die Minimierung des Einflusses des Staates ein.

Vor allem an der Sauberkeit im Dortmunder Hauptbahnhof scheint es im internationalen Vergleich zu mangeln: Von einem theoretischen Sauberkeits-Index von 100 Prozent (=maximale Sauberkeit) erreicht Dortmund gerade mal 40 Prozent - und stellt somit den dreckigsten Hauptbahnhof im gesamten Ranking.

Kritikpunkt: Wie genau sich die Sauberkeit eines Bahnhofes messen lässt, teilt das Unternehmen nicht spezifisch mit.

Fehlende Barrierefreiheit stellt großes Problem dar

Die Deutsche Bahn nimmt sich die Sauberkeitskritik allerdings an: „Natürlich geben die vollgeschmierten Züge und Bahnhofswände kein einladendes Bild ab. Und auch das Kaugummiproblem vor den Eingängen muss gelöst werden“, sagt ein Mitarbeiter der Deutschen Bahn.

Im Ranking des Consumer Choice Center stellt auch die Behindertenfreundlichkeit ein Kriterium dar, hier unter „Accessibillity“, also übersetzt etwa „Zugänglichkeit“, zusammengefasst. Auch hier steht Dortmund nicht gut da. Das passt auch zur Kritik (nicht nur) von Behindertenverbänden, die seit vielen Jahren das Fehlen von Aufzügen zu den meisten Bahnsteigen kritisieren. Zu vielen Bahnsteigen gibt es nicht einmal Rolltreppen, ebenso wenig wie am Nordausgang.

Immerhin: Die zur Verfügung gestellte personelle Hilfe bei Barriereschwierigkeiten findet im Bahnhofs-Ranking für Dortmund noch positive Erwähnung.

Umfangreiche Umbauarbeiten

Die Deutsche Bahn ist sich des Problems bewusst: „Dass einer der größten Bahnhöfe in NRW der einzige ist, dessen Gleise nicht barrierefrei zu erreichen sind, ist einfach nur ein peinlicher Zustand“, heißt es von dort. Und: „Die Passagierfreundlichkeit muss endlich an die Größe des Bahnhofes angepasst werden.“

Auf Gleis 20 des Dortmunder Hauptbahnhof finden zur Zeit umfangreiche Renovierungsarbeiten statt.

Auf Gleis 20 des Dortmunder Hauptbahnhof finden zur Zeit umfangreiche Renovierungsarbeiten statt. © Daniel Reiners

Der aktuell laufende 130 Millionen Euro teure Umbau des Hauptbahnhofes, ein Teil der Initiative „#1von150: Moderne Bahnhöfe in NRW“, soll der Bahnstation bis 2024 Aufzüge und Rolltreppen zu allen Bahnsteigen liefern, die ebenfalls barrierearm umgestaltet werden sollen.

Kein richtiges Restaurant

Mit einer Anzahl von acht Gastro-Betrieben und vier Shops befindet sich Dortmund kulinarisch ebenfalls im unteren Drittel der Liste. Wobei nicht in die Bewertung einfließt, welcher Qualität die Gastro-Betriebe sind. In Dortmund fehlt bekanntlich ein echtes Bahnhofsrestaurant. Gewertet werden hier nur Bäckerei-Shops und Fast-Food-Ketten.

Karl-Peter Naumann, Ehrenvorsitzender des Fahrgastverbandes Pro Bahn, betont die Wichtigkeit von emotionalem Wohlfühlen an einem Bahnhof. „Es geht neben der funktionierenden Vernetzung vor allem um ein Gefühl von Wohlbefinden und Vertrautheit bei den Passagieren.“ Das müssten keine großen Attraktionen sein. Schon flächendeckende Gepflegtheit und ein „durchdachtes Freizeitkonzept“ könnten hier entscheidend sein: „Und genau in diesem Punkt hat Dortmund die letzen 10 Jahre verschlafen.“

Noch ein Kritikpunkt der Studien-Macher in Dortmund: Auch mit einer First-Class-Lounge für Reisende kann bisher nicht gedient werden. Laut Index sei das ein Standard für Europas Reisende.

Ein Bahnsteig ist schon umgestaltet. Die anderen warten noch auf den barrierefreien Umbau.

Ein Bahnsteig ist schon umgestaltet. Die anderen warten noch auf den barrierefreien Umbau. © Oliver Volmerich

Die öffentliche Kommunikation und Verständlichkeit sei ebenfalls verbesserungswürdig, so das Ergebnis: Schilder mit wichtigen Informationen seien nur zu 50 Prozent in englischer Sprache vorhanden.

Ermittelt wurden die Daten des Ranking durch die direkte Nachfrage bei den jeweiligen Bahnhöfen sowie durch die zur Verfügung gestellten Informationen auf den Websites. In puncto Sauberkeit wurden laut den Studien-Machern eigene, firmeninterne Recherchen durchgeführt.

Zu den besten Bahnhöfen in Europa zählen nach der Veröffentlichung des Index der St.Pancrass lnternational in London, die Zürich Central Station und die Leipzig Central Station. Zumindest letztere könnte für die Dortmunder Station vielleicht als Inspiration dienen - ist Leipzig in Einwohnern gemessen doch ähnlich groß. Aber verantwortlich für den Hauptbahnhof ist letztlich die Bahn AG.

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