Abwasserproblem stinkt Dortmundern gewaltig

mlzSerie „Dortmund vor 30 Jahren“

Ein schrecklicher Gestank in den Kellern und ein besonderes Training für die Beamten der Stadt: Wir schauen in unserer Serie „Dortmund vor 30 Jahren“ zurück auf den 28. Juli 1990.

von Beat Linde

Dortmund

, 28.07.2020, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Was war heute vor 30 Jahren in Dortmund los? Worüber haben die Menschen gesprochen, was war aktuell? In unserer Serie „Dortmund vor 30 Jahren“ werfen wir für Sie einen Blick in unser Zeitungsarchiv - und lassen die Vergangenheit wieder lebendig werden. Heute: der 28. Juli 1990.

Jauche in den Kellern

Die Nase voll hatte eine Bewohnerin der Messelinckstraße in Dortmund-Brackel: „Bei uns steigt sogar das Wasser aus den Gullis die Straße hoch und rinnt langsam aber sicher in die Häuser. Der Gestank der Jauche hält sich dann wochenlang in unseren Wohnungen.“

Ein Problem, das der damals zuständige Abteilungsleiter für Abwasserbeseitigung des Tiefbauamtes, Hubert Keune, nur zu gut kannte. Der Bauboom der 60er-Jahre hatte das Kanalsystem in Brackel überlastet. Ein Neubau kam allerdings aus Kostengründen nicht in Frage, denn jeder Meter Kanal kostete rund 5000 Mark. Mit der Situation mussten sich die Anwohner aber auch nicht abfinden, denn eine Verbindungstrasse war schon geplant, um das Kanalsystem zu entlasten. So lange galt für die Anwohner: keine Wasseranschlüsse in den Keller verlegen.


Training für den „guten Ton“

Rund 100 Seminare zu Kundenfreundlichkeit waren für die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Dortmunder Stadtverwaltung geplant. Die Fortbildungsprogramme mit fast 1300 Teilnehmern beinhalteten unter anderem Rollenspiele, in denen der richtige Umgang mit den Bürgern trainiert wurde. Andere Seminare befassten sich mit der Möglichkeit eines „präventiven Aggressionsabbaus“ für besonders schwierige Momente.

Denn: „Es kommt nicht nur darauf an, dass die Verwaltung ihre Aufgaben richtig erledigt, sondern sie muss ihre Arbeitsergebnisse auch sachlich, klar und (bürger-) freundlich nach außen vermitteln“, erklärte Personaldezernent Wolfgang Koch.


Landwirte sehen Existenz bedroht

„Der Preisverfall im Bereich der Lebensmittel, stetig steigende Umweltauflagen und EG-Richtlinien lassen ein Überleben der Landwirte im Dortmunder Westen kaum zu“ - das sagte Herbert Sudhaus unserer Redaktion. Er war 1990 Vorsitzender der Landwirte im Bezirk Mengende. Im gleichen Jahr kamen noch große Einbußen bei der Ernte hinzu, die in erster Linie dem schlechten Wetter geschuldet waren.

Um bis zu 40 Prozent sank der Ertrag von Raps und Gerste. Getreideblattläuse waren durch den milden Winter gut gediehen und befielen die Gerste. Zudem führten die warmen Temperaturen dazu, dass der Winterraps zu früh Blüten trug - und ein später Frost besiegelte dann die magere Ausbeute.

Palästinenser und Israelis spielen Romeo und Julia

Ein ungewöhnliches Theaterstück kam nach Dortmund: Eine hebräisch sprechende Julia traf im Fletch Bizzel auf einen arabisch sprechenden Romeo. Es war der Versuch, ein Völker-Verhältnis zu verbessern, das historisch belastet ist.

Die Theatergruppe kam aus El-Fahem nahe Netanya und bestand aus Juden und israelischen Palästinensern. Romeo und Julia hatten sich in dieser Interpretation während ihres Zivildienstes kennen gelernt. Für die deutschen Zuschauer gab es schriftliche Kommentare und mündliche Ausführungen auf Deutsch.

Manipulation durch Film und Fernsehen

Kinder könnten an diesem Tag beim Filmstudio FSR im Dortmunder Osten hinter die Kulissen gucken - auch um zu lernen, dass Film-Bilder trügerisch sein können: „Denn hier wird der Bildschirm nach hinten geöffnet“ sagte Dr. Gerd Bollermann, Organisator des Projekts und Leiter der Abteilung Dortmund der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung Nordrhein-Westfalen.

Mit wenigen Requisiten und ein bisschen Schminke drehten die Kinder ihren eigenen Film und sollten so darauf Aufmerksam gemacht werden, wie Film und Fernsehen auch Möglichkeiten der Manipulation haben können.

Lesen Sie jetzt