Zeugen erkennen Autodiebe aufgrund eigener Knast-Erfahrung

mlzSerie Dortmund vor 30 Jahren

Zeugen mit besonderen Einblicken, Brauereien könnten Strom und Wärme erzeugen: Wir werfen in unserer Serie einen Blick darauf, was heute vor 30 Jahren in Dortmund los war.

von Beat Linde

Dortmund

, 08.08.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Was war vor 30 Jahren in Dortmund los? Worüber haben die Menschen gesprochen, was war aktuell? In unserer Serie „Dortmund vor 30 Jahren“ werfen wir für Sie einen Blick in unser Zeitungsarchiv – und lassen die Vergangenheit wieder lebendig werden. Heute der 8. August 1990:


Zeuge mit Knast-Erfahrung

Erfahrungen aus dem Gefängnis sind wahrscheinlich unangenehme Begleiter im Leben. Trotzdem waren sie in einem Dortmunder Gerichtsprozess vor 30 Jahren äußerst wertvoll:


Zwei Freunde beobachteten auf einem Parkplatz in Mengede den Diebstahl eines Porsches. Aufgrund „persönlicher Erfahrungen“ aus ihrer Gauner-Zeit kam den Beiden ein roter VW in der Umgebung des Tatorts sehr verdächtig vor. Sie notierten sich das Kennzeichen und meldeten es der Polizei.

Das Gericht glaubte später, dass die beiden nicht nur einen Auto-Diebstahl beobachten, sondern einen kleinen Teil einer größer organisierten Autoschieberei in die Niederlande.

Die Angeklagten hingegen gaben unterschiedlichste Alibis an, die im Widerspruch zu den Zeugenaussagen standen.


Strom und Wärme aus den Brauereien

Ein „Energieschiff“ von Greenpeace mit einer Ausstellung zum Thema Energieverbrauch hatte den Anker im Dortmunder Stadthafen geworfen.

Die Besucher konnten zwei Bereiche durchschreiten: Einmal die Hölle, die, dunkel verhangen, die Energieverschwendung darstellen sollte. Und auf der andere Seite des Schiffs dann den Himmel, in dem bei freundlicher Atmosphäre zukunftsweisende Energiegewinnungsmethoden erklärt wurden.

Einen besonderen Tipp hatten die Greenpeace-Mitarbeiter dann noch für die Bierstadt Dortmund: Strom und Wärme könnten aus einem Abfallprodukt der Brauereien erzeugt werden. Der Treber - die Rückstände des Braumalzes - wurden in Dortmund als Mastfutter nach Holland verkauft, hätten aber auch in Biogas umgewandelt werden und anschließend in einem Blockheizkraftwerk Strom und Wärme erzeugen können.


ADAC führt Autofahrer aufs Glatteis

Mit einer 300 Quadratmeter großen Plastikplane kam der ADAC nach Dortmund. Mit reichlich Wasser auf der Plane und ausreichend Sicherheitsabstand konnten hier Autofahrer das Fahren unter Glatteis-Bedingungen üben (und das, wohl gemerkt, im August). Autofahrer, die 30 DM für ein Training zahlen wollten, konnten Bremsen, Kurven fahren und Ausweichen erproben.

1990 gab es bundesweit schon einige stationäre Übungsplätze. Hierbei handelte es sich aber um das erste mobile Sicherheitstraining des ADAC in Dortmund. Die Materialien und Ausrüstungsgegenstände wurden vom Bundesverkehrsministerium gestellt, das die Inhalte und den Sinn der Veranstaltung bewarb mit: „Gefährdungen erkennen, Gefährdungen vermeiden, Gefährdungen bewältigen“.


Bau-Boom gegen Arbeitslosigkeit

Sicher auch bedingt durch die Corona-Krise sind sich die Arbeitslosenzahlen von Juli 1990 (12,9 Prozent) und Juli 2020 (12 Prozent) recht ähnlich. Was heute als Symptom einer beginnenden Wirtschaftskrise gelten kann, galt 1990 allerdings als ein Erfolg: Vor 1990 war die Arbeitslosenquote das letzte mal 1982 entsprechend niedrig. Verantwortlich für den Aufschwung waren ein größerer Bau-Boom und neue Verfahren bei der Arbeitsvermittlung.

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