"Dortmund ist keine Genießerstadt"

Gourmet-Verlag

Mehr als 30 Preisträger im Bereich Gastronomie und Hotellerie zeichnet die Dortmunder Busche Verlagsgesellschaft auf ihrer traditionellen „BuscheGala“ aus, die in diesem Jahr am 24. Oktober auf Sylt steigt. Unter allen Geehrten wird nicht ein einziger aus dem Ruhrgebiet, geschweige denn aus Dortmund kommen.

DORTMUND

von Von Bettina Kiwitt

, 05.10.2011, 05:02 Uhr / Lesedauer: 2 min
Currywurst statt Gourmet-Speisen - so isst Dortmund.

Currywurst statt Gourmet-Speisen - so isst Dortmund.

Redakteurin Bettina Kiwitt sprach mit Jörg Leu, Marketingleiter bei der Busche Verlagsgesellschaft, über die Gründe.  

Die Frage wird uns häufiger gestellt. Eine Musterantwort haben wir leider auch nicht. Wir erkennen nur, dass die Nachfrage nach hochwertigster Gastronomie in Dortmund nicht sehr ausgeprägt ist. Spitzenköche tun sich mit ihren Konzepten bei uns sehr schwer.  

Das sicherlich, aber sind die auch bereit, für ein gutes Essen einen dreistelligen Betrag pro Person auszugeben? Dortmund ist leider noch immer keine Genießerstadt. Im unteren gastronomischen Sektor sind ja auch ein paar gute Konzepte erkennbar, aber zur Spitze der deutschen Gastronomie zählt die Stadt eben nicht.  

In Baiersbronn läuft das auch über die dortige Fünf-Sterne-Hotellerie. Es ist der Mix. Luxuriöse Hotelprodukte, Gäste mit dem nötigen Kleingeld und spitzen Restaurants leben oft in einer Symbiose. Essen und Hotellerie können eben eine gute Kombination sein. Aber eine Fünf-Sterne-Hotellerie gibt es in Dortmund eben auch nicht.  

Das Konzept von Stefan Manier mit dem B1 im Inhouse ist schon gut. Aber es ist eben leider kein klassisches Restaurant.  

Das ist richtig, er ist zwar schon Deutschlands jüngster Küchenmeister, aber mit erst Mitte 20 muss er sich seine Sporen erst noch verdienen. Der Schlemmer-Atlas wird ihn beobachten.  

Das ist die nächste Frage, ob er bleibt. Dortmund ist einfach nicht so innovationsfreudig und konsumstark wie andere Städte. Ein Koch allein muss schon große Strahlkraft haben, um was zu bewegen. Auch bei Köchen gilt: Konkurrenz belebt das Geschäft. Ein guter Koch braucht ein Umfeld, das ihn mitzieht.  

Das betrifft nicht nur Dortmund, das betrifft die Region. Nehmen Sie Frank Buchholz, der im Meisterhaus in Unna wirklich was Tolles auf die Beine gestellt hat. Die Kochkurse waren legendär, aber er hatte letztlich keinen wirtschaftlichen Erfolg. Sein Vermarktungsgebiet war auch Dortmund. Er ist schließlich nach Mainz gegangen und dort klappt es jetzt. Hier betreibt er sogar schon zwei Restaurants und eine Kochschule. Er ist unser „Aufsteiger des Jahres“ geworden. Letztlich zeigt auch dieser Fall, dass es schwer ist, hier im Raum die Menschen für gutes Essen zu begeistern.

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