„Jägerheim“ muss für Öffnung Tische sperren und in Datenschutz eingreifen

mlzGaststätten-Öffnung

Der Neustart nach der Corona-Pause ist für Gastronomen mit vielen Auflagen verbunden. Im Wellinghofer „Jägerheim“ freut man sich über die Öffnung, sieht aber auch viele Herausforderungen.

Dortmund

, 10.05.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Abstand ist das Gebot der Stunde. Auch für Gaststätten wird die Einhaltung des Mindestabstands von 1,5 Metern zur Voraussetzung, um am Montag (11.5.) wieder öffnen zu dürfen. Für viele Gastronomen heißt das, dass trotz der erwarteten hohen Nachfrage das Restaurant nur halb voll sein wird.

Die von der NRW-Landesregierung am Mittwoch (6.5.) angekündigten Lockerungen wurden in Bezug auf die Gastronomie am Donnerstag (7.5.) von NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) konkretisiert: Demnach dürfen Gaststätten mit Sitzplätzen ab Montag öffnen, insofern der Mindestabstand von 1,5 Metern zwischen Tischen und Stühlen eingehalten wird – sowohl im Innen- als auch im Außenbereich.

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Ausreichender Platz muss im Toilettenbereich und rund um die Ein- und Ausgänge gewährleistet werden. Empfohlen werden auch digitale Buchungssysteme und Zahlungsweisen, außerdem müssen Listen mit Daten der Besucher geführt werden, um mögliche Infektionsketten zurückverfolgen zu können.

Nachdem das Restaurant Jägerheim in Dortmund-Wellinghofen von Miriam Hoffmann und Wilhelm Kühne während der Corona-Pause schließen musste, sollen die Türen am Dienstag (12.5.) wieder öffnen. Dafür mussten sie aber erst ein Hygienekonzept ausarbeiten.

Jägerheim setzt auf Datenliste und Online-Buchung

„Die Besucher bekommen Listen, in denen sie Handy-Nummer, E-Mail-Adresse, Anschrift und Namen eintragen sollen“, sagt Miriam Hoffmann gegenüber unserer Redaktion. Wilhelm Kühne ergänzt: „Das ist ja auch wichtig. Wenn sich jemand infiziert, weiß das Gesundheitsamt, wo sich derjenige aufgehalten hat. Das ist ein großer Sicherheitsaspekt.“

„Wir hoffen, dass unsere Kunden das ohne große Diskussionen annehmen, denn das ist natürlich ein großer Einschnitt in den Datenschutz“, sagt Kühne zur Einführung der Liste. Ein digitales Buchungssystem haben die Jägerheim-Betreiber ebenfalls, das bereits gut genutzt werde.

Wie bei fast allen Gastronomie-Betrieben muss auch im Jägerheim die Hälfte der Tische frei bleiben. Von den insgesamt 300 Plätzen des Restaurants – jeweils 150 im Innen- und Außenbereich – können daher nur etwa 150 genutzt werden. Kühne sieht darin ein Problem: „Wenn das Wetter gut ist, will keiner drinnen sitzen. Deswegen werden wir auch nicht drinnen alles voll haben.“

Zum Hygienekonzept des Jägerheims gehört auch, dass die Abstände auf den Toiletten durch Markierungen gewährleistet werden und die Mitarbeiter stündlich alle Türklinken reinigen sollen. Zudem sollen alle Mitarbeiter Mund-Nasen-Schutzmasken tragen. Für Kunden werden sie ebenfalls angeboten, jedoch ohne Maskenpflicht.

Öffnungs-Erlaubnis sei „sehr überraschend gekommen“

Engpässe bei Desinfektionsmitteln und Handschuhen gebe es – zumindest für Gastronomen – nun nicht mehr. „Was mich lange Zeit geärgert hat, ist, dass der Gastronom lange nichts mehr kaufen konnte von den Sachen, die er sonst immer braucht“, sagt Miriam Hoffmann. Es habe Zeiten gegeben, in denen sie selbst für das Küchenpersonal kaum Handschuhe kaufen konnte.

Die Nachricht, dass Gaststätten ab Montag (11.5.) wieder öffnen dürfen, sei für Wilhelm Kühne sehr überraschend gekommen. „Ich habe nicht damit gerechnet und habe angenommen, ich könnte erst wieder ab dem 20. Mai eröffnen“, sagt er.

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Hoffmann ergänzt: „Wir freuen uns natürlich, aber wir wissen trotzdem nicht, was jetzt kommt.“ Ob es einen großen Kunden-Ansturm geben wird oder ob ihre Kunden aus Vorsicht eher zu Hause bleiben, konnte sie nicht vorhersagen. Denn: „Die letzten Tage, als wir vor dem Shutdown noch öffnen durften, hatten wir schon total miese Umsätze, weil kaum Gäste kamen.“ Für sie war es eine „absolute Horror-Situation“.

Das Jägerheim lange vor der Corona-Krise. Nun dürfen Gäste nur die Hälfte der Tische benutzen.

Das Jägerheim lange vor der Corona-Krise. Nun dürfen Gäste nur die Hälfte der Tische benutzen. © Dieter Menne (Archiv)

Kühnes Meinung nach sei die Schließung der Gastronomie-Betriebe „von der Politik schlecht kommuniziert und vorbereitet“ worden. Durch die Herabsetzung der Öffnungszeiten seien die Umsätze schrittweise eingebrochen, ehe er sein Restaurant komplett schließen musste.

Nachteile der Öffnung: Planungsunsicherheit und halber Umsatz

Während der Corona-Pause hat das Restaurant Jägerheim einen Außer-Haus-Service angeboten und wird dies auch weiterhin in den ersten Wochen nach der Wiedereröffnung tun. Der Service habe den Verlust der Krise aber auch nicht auffangen können. „Die Einnahmen dadurch waren nur marginal. Das fehlende Geld der Zeit ist weg“, sagt Kühne.

Kühne erklärt, durch die Planungsunsicherheit würde die Wiedereröffnung der Gaststätten auch Nachteile mit sich bringen: „Egal, wie viele Gäste wir haben werden, unser Küchen-Team muss voll da sein, denn da hat jeder seinen Posten. Im Service sind noch einige in Kurzarbeit. Auch Strom und Gas müssen weiter bezahlt werden – und das bei halbem Umsatz.“

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Miriam Hoffmann hofft, Gäste, die sonst zum Essen gehen mittags keine Zeit hatten, würden nun vielleicht auch mittags kommen, oder ihren Rhythmus etwas verändern, damit sich die Kundschaft zeitlich etwas streckt. Sie erkennt jedoch auch das Problem: „Wenn viele in Kurzarbeit sind, werden sie bestimmt nicht auch noch mittags und öfter essen gehen.“

Angst vor einer zweiten Welle haben die Inhaber des Restaurants nicht. Hoffmann sagt: „Die meisten Menschen in Deutschland sind sehr verantwortungsbewusst und halten sich an Regeln. Die Abstandsregeln hätten wir von Tag eins im Restaurant einhalten können.“

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