Dortmunder Traditions-Geschäft schreibt Laschet: „Wir brauchen Hilfe!“

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In einem offenen Brief bitten die Inhaberinnen eines der ältesten Modeläden in Dortmunds City NRW-Ministerpräsident Armin Laschet dringend um Hilfe: „Der Umsatzausfall ist nicht zu verkraften.“

Dortmund

, 01.06.2020, 05:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Umsatz ist eingebrochen, die Lage offenbar ernst. „Wir benötigen dringend staatliche Hilfe!“, schreibt die Seniorchefin von Damenmoden Sawall, Irmgard Untiedt-Sawall, gemeinsam mit ihrer Geschäftsführerin Petra Metzing in einem offenen Brief an NRW-Ministerpräsident Armin Laschet.

Seit mehr als 53 Jahren gibt es das Fachgeschäft für „die Molligen“ in der Dortmunder City. „Damals war es deutschlandweit das erste Modegeschäft, das schicke Garderobe für Frauen mit mehr Figur angeboten hat“, schreiben die Unternehmerinnen.

Jetzt gehe es für den Traditionsbetrieb mit sieben Beschäftigten im Modegeschäft an der Kleppingstraße und am zweiten Standort in Hagen um die Existenz. Sie beklagen, dass der kleine und mittlere, inhabergeführte Fachhandel bei den Staatshilfen vergessen wird.

„Wir haben und versuchen alles, um zu überleben. Aber einen Umsatzausfall, den wir erleiden mussten, können wir ohne Unterstützung nicht verkraften“, so Irmgard Untiedt-Sawall und Petra Metzing.

KfW-Corona-Hilfe wurde abgelehnt

Grund für den Hilferuf bei Ministerpräsident Armin Laschet ist, dass die Dortmunder Volksbank als Hausbank von Sawall die Beantragung eines Kredits aus dem Corona-Sonderprogramm der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) abgelehnt hat.

„Wir haben das Geschäftsjahr 2019 mit einem Gewinn abgeschlossen und unsere Prognose-Entwicklung 2020 vorgelegt. Wir waren 2020 auf einem guten Weg. Die Unterstützung durch unsere Bank wurde dennoch abgelehnt. Das nach 17-jähriger Geschäftsverbindung in guten und schlechten Zeiten. Das Risiko der Mithaftung in der unsicheren Zeit wollte sie nicht eingehen“, schreiben die Chefinnen.

Regelmäßig veranstaltet Damenmoden Sawall Gala-Modenschauen zur Präsentation der neuesten Kollektionen. Das Fachgeschäft bietet Übergrößen von 40 bis 60 an.

Regelmäßig veranstaltet Damenmoden Sawall Gala-Modenschauen zur Präsentation der neuesten Kollektionen. Das Fachgeschäft bietet Übergrößen von 40 bis 60 an. © Nils Foltynowicz (Archiv)

Die Dortmunder Volksbank teilte dazu auf Anfrage mit, dass man sich grundsätzlich zu einzelnen Kundenbeziehungen nicht äußert. Rund um die KfW-Kredite habe man aber mit über 1000 Kunden Beratungsgespräche geführt. „Im Anschluss sind etwa 110 Anträge mit einem Volumen von rund 75 Millionen Euro bei der KfW gestellt worden“, sagt Volksbank-Sprecher Carsten Jäger.

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Nur etwa jeder zehnte Unternehmer hat also bei der Dortmunder Volksbank die gewünschte KfW-Corona-Hilfe bekommen. Dazu sagt Vorstandsvorsitzender Martin Eul: „Die handelnden Politiker in unserem Land haben zu Beginn der Corona-Pandemie aus unserer Sicht sehr schnelle, trotzdem wirkungsvolle und vielfältige Hilfen in Aussicht gestellt. Leider waren nicht alle Maßnahmen immer bis zum Schluss durchdacht.“

Bitte um Hilfe für inhabergeführten Fachhandel

Der Volksbank-Chef ergänzt: „Gerade bei den KfW-Krediten besteht aus unserer Sicht der ‚Webfehler‘ darin, dass von der Politik eine Erwartungshaltung bei vielen Selbstständigen, Gewerbetreibenden und Unternehmern geweckt wurde, dass es sich dabei eher um Zuschüsse oder Geschenke handelt.“

In unzähligen Gesprächen habe man Antragsstellern erläutern müssen, dass ein Kredit – ganz unabhängig mit welcher Haftungsfreistellung – eben ein Kredit bleibe und kein Zuschuss sei. Das geliehene Geld müsse immer auch zurückgezahlt werden.

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Irmgard Untiedt-Sawall und Petra Metzing fordern nun eine möglichst unbürokratische Hilfe. „Die ersten Tage der Wiedereröffnung sind enttäuschend. Die Bürger sind noch unsicher, haben Angst vor der Zukunft. Da werden Modewünsche zurückgestellt. Die Anlässe, zu denen man sich einkleidet, wie Urlaub, Feierlichkeiten, Hochzeiten sind oder werden in der Pandemie-Zeit ersatzlos gestrichen“, sagen sie. „Selbst Rubens liebte die Molligen“, heißt es in dem Brief an Armin Laschet mit Verweis auf den berühmten Maler.

Den Ministerpräsidenten erreichen täglich Hunderte solcher Briefe oder E-Mails. Über einen Sprecher der Staatskanzlei teilte er auf Anfrage unserer Redaktion mit, dass er die Sorgen von Bürgern und Unternehmern „sehr ernst“ nehme. Die Belastungen gerade für den Einzelhandel seien der Landesregierung sehr bewusst.

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