„Risiko ist uns zu hoch“: Warum die Karnevals-Session 2020/21 ausfällt

mlzKarneval in Dortmund

Schweren Herzens hat der Festausschuss alle Karnevalsveranstaltungen für Dortmund in der Session 2020/21 abgesagt. Mit den Bedenken in der Politik hat die Entscheidung jedoch wenig zu tun.

von Marie Ahlers, Franka Doliner

Dortmund

, 19.08.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Während die Politiker und Karnevalisten in NRW und Deutschland noch diskutieren, hat man in Dortmund am Mittwoch Tatsachen geschaffen: Es wird hier keine Karnevals-Session 2020/21 geben.

Das hat der Festausschuss Dortmunder Karneval am Mittwoch (19. August) in einer Pressemitteilung bekannt gegeben. Alle Veranstaltungen des Dachverbandes und der Dortmunder Karnevalsjugend, die ab November 2020 stattfinden sollten, sind damit abgesagt.

Die Entscheidung war keine einfache, berichtet Walter Buchholz, Präsident des Festausschusses. In zwei Sitzungen habe man mit Vertretern aller 23 Karnevalsvereine in Dortmund über die anstehende Session beraten - und sei schließlich zu einem einstimmigen Ergebnis gekommen.

Festausschuss-Präsident: Wir haben keine Chance

Bei der Entscheidung gegen die Karnevals-Session 2020/21 hätten nicht nur die gesundheitlichen Risiken eine Rolle gespielt. „Wir haben in den Sitzungen alles dargelegt, was es für eine gelungene Karnevalsveranstaltung braucht“, berichtet Buchholz im Gespräch mit dieser Redaktion. Und immer sei man zu dem Schluss gekommen, dass sich diese Pläne nur mit hohen Kosten verwirklichen lassen würden - bei wesentlich geringeren Einnahmen durch Eintrittsgelder.

„Dabei ist sehr schnell klar geworden, dass wir keine Chance haben“, sagt Walter Buchholz.

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Auch in der Politik war die anstehende Karnevals-Session in dieser Woche Thema. Nachdem sich erst Gesundheitsminister Jens Spahn gegen den Karneval ausgesprochen hatte, erklärte am Mittwoch auch NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann, dass er sich Karnevalsveranstaltungen bei der derzeitigen Infektionslage eher nicht vorstellen könne.

Unbeeindruckt von politischer Diskussion

Aussagen, die in vielen Städten für Entrüstung sorgten, auf den Dortmunder Festausschuss aber offenbar wenig Eindruck machten. Vielmehr war es Zufall, dass die eigene Entscheidung in dieselbe Woche wie die politischen Diskussionen fiel, so Buchholz.

„Wir wären in unseren Planungen jetzt an einem Punkt, an dem wir Geld in die Hand nehmen müssten“, erklärt Buchholz, beispielsweise um Künstler zu engagieren oder Kostüme anfertigen zu lassen. Mit der Absage schaffe man nun auch Planungssicherheit für die Vereine.

Verträge wurden für die nun abgesagte fünfte Jahreszeit bisher kaum unterschrieben. Nur solche, die schon vor der Pandemie abgeschlossen wurden, beispielsweise mit gefragten Künstlern, müssten nun aufgelöst werden. „Da geht es nun darum, Kompromisse zu finden“, sagt Buchholz.

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In den Vereinen, für die der Festausschuss den Dachverband bildet, hat man sich teilweise schon vor dem Ausschuss entschieden, auf die Karnevalsveranstaltungen im nächsten Februar zu verzichten. „Das Risiko ist uns zu hoch“, sagt beispielsweise Andreas Winkelmann, Vorsitzender der Karnevalsgesellschaft Rot-Gold Dortmund-Wickede. Auch, weil viele Vereinsmitglieder durch ihr Alter zur Risikogruppe gehören.

Was ist mit dem Nachwuchs?

Doch auch neue Sorgen treiben die Karnevalisten nach der Absage um. „Es ist nicht so einfach die Kleinen bei Laune zu halten“, berichtet Barbara Schröder-Panick, Präsidentin der Karnevalsgesellschaft KG Blau-Rot Dortmund-Mengede, mit Blick auf den Nachwuchs: „Wenn jetzt viele aufhören, wäre das wirklich schade“.

Es ist das erste Mal in der Geschichte des Festausschusses, dass die gesamte Session ausfällt. Einzelne Veranstaltungen habe man schon mal absagen müssen, Rosenmontagsumzüge fielen beispielsweise Unwettern zum Opfer. „Aber das hier ist ein Novum“, sagt Buchholz.

Für das amtierende Prinzenpaar heißt das auch, dass ihre Amtszeit um ein Jahr verlängert wird. Sie werden ihre Insignien erst im November 2021 an ihre Nachfolger übergeben.

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