Dortmund setzt weltweit größtes Zeichen gegen Gewalt an Frauen - Niemand kann es übersehen

Aktion „Orange your City“

Dortmund setzt sich weltweit an die Spitze der Aktion „Orange your City“. Das Dortmunder U wird dafür zum Leuchtturm – neben 69 weiteren Gebäuden. Ein schönes Bild mit ernsthaftem Hintergrund.

Dortmund

, 21.11.2019, 15:31 Uhr / Lesedauer: 3 min
Dortmund setzt weltweit größtes Zeichen gegen Gewalt an Frauen - Niemand kann es übersehen

Bis zum 25. November pulsiert der U-Turm jeden Tag ab 17 Uhr in Orange. © Stephan Schütze

Wer in diesen Tagen aufmerksam durch Dortmund geht, wird die ersten farbigen Anzeichen eines nahenden und aufsehendenerregenden Großereignisses bemerkt haben: Die fliegenden Bilder am U-Turm leuchten orange, Busse mit orangefarbenem Kampagnenmotiv fahren in der Stadt, über den Bundesstraßen 1 und 54 hängen Brückenbanner in Orange, und in den U-Bahn-Stationen laufen Texte über orangefarbene Infoscreens – alles Ankündigungen für den weltweiten UN-Aktionstag „Orange your City“ am 25. November.

Ab Punkt 17 Uhr sieht Dortmund dann orange und setzt damit ein Zeichen: Nein zu Gewalt gegen Frauen und Mädchen.

Das Rathaus in New York, die Niagara-Fälle in Buffalo, der CN-Tower in Toronto – Jahr für Jahr werden weltweit Sehenswürdigkeiten und Gebäude in orangefarbenes Licht getaucht.

In diesem Jahr engagieren sich zum ersten Mal die beiden örtlichen Zonta-Clubs Dortmund und Phoenix für die Aktion und setzen sich damit nach eigenen Angaben von 0 auf 100 weltweit an die Spitze der Städte in 63 Ländern quer über den Globus; denn ob Tokio, Melbourne oder Hawaii: Nirgendwo werden so viele Gebäude wie in Dortmund in der Signalfarbe leuchten.

70 Gebäude werden angestrahlt

Insgesamt sind es 70 Gebäude, sagt Dr. Jutta Isphording vom Zonta-Club Dortmund. Darunter sind Rathaus, Universität, Fachhochschule, Polizeipräsidium, Signal-Iduna-Park, Florianturm, Spielbank, Sparkasse, Theater, Hochofen und Gasometer auf Phoenix-West, Westfalenhalle, Konzerthaus sowie mehrere Kirchen und viele Firmengebäude.

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Ein Jahr lang haben die Dortmunder Zonta-Clubs die Aktion vorbereitet und seien, so Jutta Isphording, bei mehr als 65 Unternehmen, Behörden und Organisationen auf offene Türen gestoßen - nicht zuletzt, weil Thomas Westphal, Chef der Dortmunder Wirtschaftsförderung, sie als Schirmherr geöffnet habe.

„Wir sind eine zupackende Solidargemeinschaft“, sagt Westphal zu dem Engagement der Firmen, „Gewalt gegen Frauen ist absolut indiskutabel.“ Es sei wichtig, den Betroffenen Hilfen anzubieten und öffentlich zu machen, dass es Anlaufstellen gibt.

1.354 Fälle häuslicher Gewalt in Dortmund

Gewalt gegen Frauen und Mädchen ist eine der am weitesten verbreiteten Verletzungen der Frauenrechte. Nach einer Statistik der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erfahren weltweit 35 Prozent aller Frauen Gewalt: als Körperverletzung (auch mit Todesfolge), Vergewaltigung und sexuelle Nötigung, Zwangsheirat und Kinderehe, Genitalverstümmelung, Stalking, Zwangsprostitution und sexuelle Belästigung.

Dortmund setzt weltweit größtes Zeichen gegen Gewalt an Frauen - Niemand kann es übersehen

Die Zonta-Mitglieder und ihre Unterstützer beim Aktionstag „Orange your City“. © Gaby Kolle

In Dortmund wurden im vergangenen Jahr laut Kriminalstatistik 1354 Fälle von häuslicher Gewalt registriert – also mehr als 110 pro Monat. Betroffen sind in der Regel Frauen und Mädchen. Die von Zonta unterstützte Frauenberatungsstelle an der Märkischen Straße hat im letzten Jahr 318 Frauen wegen häuslicher Gewalt beraten. Etwas mehr als die Hälfte holte sich nach Polizeieinsätzen Rat.

Dortmunder U pulsiert wie Leuchtturm

Ziel des Aktionstages „Orange your City“ ist es, öffentliches Bewusstsein zu schaffen und betroffene Frauen und Mädchen zu ermutigen, ihre Rechte wahrzunehmen und sich zur Wehr zu setzen, Beratungsstellen aufzusuchen und Hilfe anzunehmen.

Bei Gewalt gegen Frauen dürfe niemand wegschauen, betont Kathrin Eckhoff vom Zonta-Club Dortmund-Phoenix: „Guck hin, hör hin, lauf nicht weg, melde dich. Es gibt Unterstützung und niederschwellige Angebote, Notfallnummern, das Frauenhaus und die Polizei.“

Auch für Filmemacher Adolf Winkelmann, Schöpfer der fliegenden Bilder auf dem Dortmunder U, war „sofort klar, dass sich der U-Turm beteiligen muss“. Doch es sei „richtig schwer gewesen, da mitzumachen“; denn Orange sei kein Bild.

Winkelmann hat es zu einem gemacht: Im Orange ist das Wort Orange zu lesen. „Der Turm pulsiert wie ein Leuchtturm“, sagt er, „er ist zum ersten Mal ein Leuchtturm.“ Bis Montag (25.11.) jeden Tag ab 17 Uhr.

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Wenn am Montag auch die übrigen 69 Gebäude und Landmarken in Orange erstrahlen, werden an den vielfrequentierten Immobilien, vornehmlich in der Innenstadt, Zonta-Mitglieder in orangefarbenen Westen sein und interessierten Passanten die Kampagne erklären.

Orangefarbene Grüße in die US-Partnerstadt Buffalo

Gemeinsam mit rund 130 Zonta-Clubs bundesweit beteiligen sich die zwei Dortmunder Clubs an der weltweiten Kampagne von Zonta international. Das globale Netzwerk engagierter, berufstätiger Frauen unterstützt damit auch im Jahr seines 100-jährigen Bestehens die gemeinsamen Anstrengungen der Vereinten Nationen zur Beendigung der Gewalt gegen Frauen und Mädchen.

Zonta wurde in Buffalo gegründet, der US-Partnerstadt Dortmunds. „Wir schicken am 25. November die orangefarbenen Grüße in Richtung Buffalo“, sagt Wirtschaftsförderer und SPD-OB-Kandidat Westphal.

Fahnenhissung mit Terres des Femmes

Auch „Terre des Femmes“, Verein für Menschenrechte für die Frau, zeigt am 25. November Flagge unter dem Motto „Frei leben ohne Gewalt“.

Dazu wird unter anderem um 10 Uhr auf dem Campus der Fachhochschule in Barop, Emil-Figge-Straße 58, eine Fahne gehisst mit dem Ziel, die Aufmerksamkeit auf „eine in Deutschland legale Form der Gewalt an Frauen“ zu lenken: Prostitution. Terre des Femmes setzt sich dafür ein, dass die Nachfrage nach käuflichem Sex „durch ein Sexkaufverbot eingedämmt wird“.

In Kooperation mit der VHS Dortmund veranstaltet Terre des Femmes eine Podiumsdiskussion zum Thema Sexkaufverbot: „Das Nordische Modell in der Diskussion – Chancen und Risiken“, 25.11.2019, 18-20 Uhr, Museum für Kunst- und Kulturgeschichte, Hansastraße 3.