Dortmund-Tatort: So mischt Corona die Dreharbeiten und das Drehbuch auf

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Dortmunder Tatort-Dreh unter Corona-Bedingungen: Der Tag am Set beginnt mit Fiebermessen, und auch ins Drehbuch dringt das Virus vor. Dafür spürt Kommissar Faber plötzlich die Liebe.

Dortmund

, 30.07.2020, 11:43 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es ist Drehtag 17 von 22, und Corona hat das Dortmunder Tatort-Team sowie die gesamte Filmcrew fest im Griff. Der Hygienebeauftragte ist streng. Der Drehtag am 29. Juli in Köln beginnt mit dem morgendlichen Fiebermessen. Am Set verteilt stehen Spender mit Desinfektionsmitteln. Die Räume werden regelmäßig gelüftet. Es herrschen Maskenpflicht und Abstandsregeln. „Wenn hier einer infiziert ist, dann ist Schluss hier“, sagt Jörg Hartmann, alias Hauptkommissar Peter Faber.

Bisher ist alles gut gegangen beim Dreh für die 17. Tatort-Folge aus Dortmund mit dem Titel „Heile Welt“. Die wird allerdings kaum in Dortmund gedreht – bis auf eine kleine Szene im Dortmunder WDR-Studio. „Weil wir aufgrund von Corona weitgehend die Reisen für das gesamte Team reduzieren wollten“, erklärt Produzentin Lucia Staubach.

Zweimal in der Woche ein Corona-Test

Zweimal in der Woche werden die Schauspieler auf Corona getestet. So schreibt es das Konzept der Berufsgenossenschaft vor. Bei Szenen mit Körperkontakt müssen die Darsteller zudem vor Drehbeginn fünf Tage in Quarantäne. Nur beim Drehen nehmen die Schauspieler die Masken ab.

Der Hygiene-Beauftragter ist am Set für den Dortmund-Tatort immer zugegen und passt auf, dass alle Vorschriften eingehalten werden.

Der Hygiene-Beauftragter ist am Set für den Dortmund-Tatort immer zugegen und passt auf, dass alle Vorschriften eingehalten werden. © Gaby Kolle

Auch das Drehbuch musste wegen Corona an einigen Stellen modifiziert werden, „dort, wo ursprünglich zu viele Leute auf engem Raum waren, wurden Szenen oftmals nach draußen verlegt“, erläutert die Produzentin. Auch manche Nebenfiguren und Komparsenrollen sind Corona zum Opfer gefallen.

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Das Virus wird auch im „Tatort“ selbst zum Thema. So wird sich ein kurzer Dialog um Corona drehen. „Wir haben es nicht ausgeblendet“, berichtet der zuständige WDR-Redakteur Frank Tönsmann, „wollten es aber auch nicht überrepräsentiert haben. Wir haben versucht, eine vernünftige Balance zu finden.“

Keine schwarz-gelbe Gesichtsmaske

So wird das ein oder andere Mal eine Gesichtsmaske im Tatort zu sehen sein, es ist allerdings nicht sicher, ob die Kommissare Faber, Martina Bönisch (Anna Schudt), Jan Pawlak (Rick Okon) und die neue vierte Ermittlerin Rosa Herzog (Stefanie Reinsperger) eine tragen werden.

Alle vier haben einen eigenen Mund-Nasen-Schutz bekommen, eigens auf die einzelnen Figuren zugeschnitten, sagt Tönsmann, doch wie die Kriminalpolizisten im richtigen Leben, liege es auch im Ermessen der TV-Kommissare, sie zu tragen oder nicht. Die von Faber sei gemustert, so Tönsmann. Er glaubt, an Faber eine Maske gesehen zu haben, aber ob das so bleibe oder rausgeschnitten werde, lasse sich noch nicht sagen. Nur eines weiß der WDR-Redakteur sicher: „Eine schwarz-gelbe Maske gibt es nicht.“

Weil von Dortmund nicht viel zu sehen sein wird, würden die Dortmunder auch mit diesem Tatort nicht glücklich sein, fürchtet Jörg Hartmann. Und nicht nur deshalb, meint er nach den Erfahrungen mit der Folge „Zorn“, die in einer Zechensiedlung spielte und wegen ihrer Klischees sehr umstritten war. Die hochaktuelle Geschichte der 17. Folge ist in einer Sozialsiedlung angelegt und birgt viel sozialen Sprengstoff: Das Kommissare-Kleeblatt wird mit Rassismus, Fake News und Polizeigewalt konfrontiert.

Verkohlte Leiche im Hochhaus

Drehbuchautor Jürgen Werner, der die weitaus meisten Folgen für den Dortmund-Tatort geschrieben hat, habe ein Gespür für solche Themen, sagt Hartmann, „das hat er weit vor George Floyd geschrieben.“

Zum Fall: Nach einem Brand im Keller des Gerberzentrums, einer Hochhaus-Siedlung in Dortmund (die in Wirklichkeit in Leverkusen liegt), wird die verkohlte Leiche einer jungen Frau gefunden. Die Neue in der Dortmunder Mordkommission, Rosa Herzog, erkennt schnell, dass das Opfer erschlagen wurde. Auch finden sich Hinweise auf eine versuchte Vergewaltigung.

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Neben den Ermittlungen geht es wieder um persönliche Themen. „Darunter liegen dann diverse Konflikte“, erläutert Jörg Hartmann, „da ist ordentlich was los. Aber nie getrennt vom Fall.“ Künftig versuche man den Eindruck zu vermeiden, „dass wir ein schlechtes Stimmungs-Team sind. Die Konflikte haben eine Begründung, wir sind nie per se schlecht gelaunt.“

In der ersten Jahreshälfte 2021 im TV

Nach dem Tod seines Widersachers Markus Graf wird Hartmann entspannter, weniger depressiv und zynisch. Auch, verrät er, „weil die Liebe ins Spiel kommt“. Wer ist denn die Auserwählte? Vermutlich seine Kollegin Martina Bönisch? Die guckt vielsagend, sagt aber nichts. Nur: „Ich sage nicht mehr als mein Chef.“

Die Folge „Heile Welt“, wird in der ersten Jahreshälfte 2021 ausgestrahlt. Die nächste Folge wird gleich im Anschluss an Folge 17 gedreht. Anna Schudt: „Wir sind alle froh, dass wir arbeiten können.“

Da trägt man auch gern die Corona-Schutzmasken, wenn es denn sein muss, und lässt sich jeden Morgen vom Hygiene-Beauftragten Fieber messen und an die Desinfektion der Hände erinnern.

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