Dortmund testet grüne Ampel-Welle für Radfahrer

mlzStraßenverkehr

Nach drei tödlichen Unfällen zwischen Lkw und Radfahrern fordern Verbände drastische Konsequenzen in Dortmund. Das Tiefbauamt hat bereits reagiert. In einem Punkt zögert es.

Dortmund

, 10.12.2018, 17:42 Uhr / Lesedauer: 2 min

Aktuell berechnen Planer im Tiefbauamt, wie sie auf fünf Dortmunder Strecken die Ampeln so schalten können, dass für Radfahrer eine „grüne Welle“ entsteht. Bisher sind Ampelanlagen für den motorisierten Verkehr optimiert worden. Da Radfahrer und Autofahrer unterschiedlich schnell fahren, fahren Radler immer wieder auf rote Ampeln zu. An fünf Kreuzungen will das Tiefbauamt experimentieren. Wo genau, will Sylvia Uehlendahl noch nicht verraten: „Wir arbeiten gerade an einer Vorlage für die Politik.“ Die „grüne Welle“ für Radfahrer ist nur eine Idee, mit der das Tiefbaumt das Radfahrern in Dortmund sicherer und attraktiver gestalten will. Zu Wort melden sich auch Radfahrer-Organisationen.

Drei Todesopfer in zwölf Monaten

Bei drei Verkehrsunfällen innerhalb von nur zwölf Monaten sind in Dortmund drei Radfahrer ums Leben gekommen. Nach rechts abbiegende Lkw erfassten sie. Unter den Todesopfern: ein 11-jähriger Schüler. Dortmunder Verbände und Radfahrer-Organisationen sind davon überzeugt: „Keiner dieser Unfälle hätte sich so ereignet, wenn es an diesen Kreuzungen getrennte Grünphasen für Abbieger des motorisierten Verkehrs und den geradeaus fahrenden Radverkehr gegeben hätte. Drei Menschen würden noch leben.“

Die acht Verbände listen sechs Forderungen an die Stadt Dortmund auf. Aufgestellt haben die Forderungen diese Institutionen:

  • Allgemeiner deutscher Fahrradclub (ADFC)
  • Verkehrsclub Deutschland (VCD)
  • VeloKitchen Bornstraße
  • VeloCityRuhr
  • Behindertenpolitisches Netzwerk
  • Fachverband Fußverkehr Deutschland (FUSS)
  • Runder Tisch Prävention Kinderunfälle
  • Seniorenbeirat

Das sind die Forderungen der Verbände:

Die Karte zeigt die Strecken, die laut Forderung in der Nordstadt als sichere Fahrradstraßen ausgewiesen werden sollen.

Die Karte zeigt die Strecken, die laut Forderung in der Nordstadt als sichere Fahrradstraßen ausgewiesen werden sollen.

  • Getrennte Grünphasen: Motorisierter Verkehr aus allen Richtungen muss auf der Mallinckrodtstraße stehen, während Radfahrer und Fußgänger zeitgleich in alle Richtungen eine Kreuzung überqueren. Die Forderung gilt für die Kreuzungen Schützenstraße, Uhlandstraße, Leopoldstraße, Bornstraße und Brunnenstraße.
  • Breitere Radfahrerspuren: Nach Sanierung, Um- oder Ausbau einer Straße soll die Radfahrerspur an schwach befahrenen Straßen mindestens 1,85 Meter und an stark befahrenen Straßen 2 Meter breit sein.
  • Fahrradstraßen: Die Verbände schlagen vier Nebenstrecken in der Nordstadt vor, die zu Fahrradstraßen ausgebaut werden können. Route 1: Osterlandwehr - Lütgenholz - Heroldstraße - Priorstraße - Westerbleichstraße - Feldherrnstraße - Fichtestraße. Route 2: Stollenstraße - Haydnstraße - Erwinstraße - Bülowstraße - Lagerhausstraße. Route 3: Uhlandstraße - Kurfürstenstraße. Route 4: Burgholzstraße - Steigerstraße - Clausthaler Straße - Schleswiger Straße - Missundestraße - Nordstraße - Krimstraße - Leuthardstraße.
  • Fahrbahnmarkierungen: Einfärbung der Radwege auf Ampel-Kreuzungen, an denen motorisierter Verkehr und Radfahrer / Fußgänger keine getrennten Grün- oder Rotphasen erhalten.
  • Wahlfreiheit: Radfahrer sollen die Straße nutzen dürfen, weil sie dort besser gesehen werden. Auch dann, wenn Radwege bestehen. Piktogramme sollen diese Wahlfreiheit visualisieren.
  • Bericht: Einmal im Jahr legt die Unfallkommission dem Beirat für Nahmobilität einen Unfallbericht vor.

Ein Vorschlag der Verbände: Getrennte Ampelschaltung für Radfahrer und Autofahrer sollen dazu führen, dass motorisierte Rechtsabbieger keine Gefahr für Radfahrer darstellen.

Ein Vorschlag der Verbände: Getrennte Ampelschaltung für Radfahrer und Autofahrer sollen dazu führen, dass motorisierte Rechtsabbieger keine Gefahr für Radfahrer darstellen. © Peter Bandermann

Das sind Forderungen, die den Straßenverkehr in Dortmund mit Blick auf die Sicherheit für Radfahrer und Fußgänger verändern sollen. Sylvia Uehlendahl, Leiterin des Tiefbauamtes der Stadt Dortmund, sagte auf Anfrage, dass bereits auf mehreren gefährlichen Kreuzungen die Radfahrerspuren rot eingefärbt worden seien. 2019 und 2020 sollen 26 weitere Kreuzungen folgen. In einem Punkt zögert das Tiefbauamt allerdings.

Ampeln anders programmieren

„Die Ampelphasen können wir nicht von heute auf morgen umstellen, weil sonst ein massiver Leistungsverlust droht“, kommentierte Amtsleiterin Sylvia Uehlendahl die Forderung nach getrennten Rot- und Grünphasen für Fußgänger und Radfahrer sowie für motorisierte Verkehrsteilnehmer. Sie befürchtet, dass getrennte Schaltungen an stark befahrenen Kreuzungen ein Chaos mit langen Staus und Abgasen auslösen. Solche Ampelschaltungen ließen sich nicht mit einem Computerprogramm berechnen. Aber: „Wir prüfen auch, wie wir mit Ampelschaltungen die Situation für Radfahrer und Fußgänger sicherer machen können.“

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