Dortmunder (24) wegen Kriegsverbrechen in Syrien angeklagt

mlz„Entwürdigende Behandlung“

Wegen eines grausigen Fotos aus Syrien droht einem Dortmunder eine lange Haftstrafe. Dem 24-Jährigen wird ein Kriegsverbrechen vorgeworfen. Aktuell ist der Mann trotzdem auf freiem Fuß.

Dortmund

, 15.01.2020, 17:26 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Generalstaatsanwaltschaft weiß noch nicht viel über Mohamed N.. Doch die Erkenntnisse reichen für eine Anklage wegen eines Kriegsverbrechens aus. Der 24-Jährige soll gegen Völkerrecht verstoßen haben – mit einem schockierenden Foto.

Militärische Tarnkleidung, ein Gewehr in der Hand und ein Fuß auf dem Oberkörper einer Leiche: Im Stil eines Großwildjägers soll der Syrer für ein Foto posiert haben. Damit habe er „eine nach dem humanitären Völkerrecht zu schützende Person in schwerwiegender Weise entwürdigend oder erniedrigend behandelt“, so die Ankläger.

„Er hat bestätigt, dass er auf dem Foto zu sehen ist“

Das Foto soll Mohamed N. im Internet verbreitet haben. Ob der Angeklagte das unbekannte Opfer zuvor selbst getötet hat, konnte im Rahmen der Ermittlungen bislang nicht aufgeklärt werden. Auch auf welcher Seite des Konfliktes er gekämpft hat, ist noch unbekannt.

Der Syrer habe aber angegeben, die Person auf dem Bild sei bereits tot gewesen. „Er hat bestätigt, dass er auf dem Foto zu sehen ist, ansonsten aber von seinem Schweigerecht Gebrauch gemacht“, so Oberstaatsanwalt Dr. Daniel Vollmert.

Auch der Tatzeitpunkt ist noch unbekannt. Zwischen 2012 und 2015 soll das Foto aufgenommen worden sein. Im Jahr 2015 kam der Angeklagte nach Deutschland. „Es gibt auch zu seiner Einreise nicht viele Erkenntnisse“, sagt Vollmert. Aktuell lebe der 24-Jährige aber in einer Privatwohnung in Dortmund.

„Wir wissen noch nicht genau, ob er als Jugendlicher oder Heranwachsender zu behandeln ist“, sagt der Oberstaatsanwalt. Jedenfalls handele es sich aber um eine Straftat im Sinne des deutschen Völkerstrafgesetzbuches, das auf internationalen Abkommen beruht.

Für Erwachsene sind 15 Jahre Gefängnis möglich

„Nach Syrien findet grundsätzlich keine Auslieferung statt“, so der Ankläger. Für Erwachsene ist die vorgeworfene Straftat laut Gesetz mit einer Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu 15 Jahren zu bestrafen.

Eine Fluchtgefahr sieht die Generalstaatsanwaltschaft nicht gegeben. Es lägen keine Gründe für eine Untersuchungshaft vor – deshalb ist der Angeklagte aktuell auf freiem Fuß.

Der Prozess könnte in zwei bis drei Monaten am Oberlandesgericht in Düsseldorf beginnen, schätzt Vollmert. In der Landeshauptstadt ist die „Zentralstelle Terrorismusverfolgung Nordrhein-Westfalen“ angesiedelt.

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