Steile Treppe zum Bahnsteig ist nicht nur für Rollstuhlfahrer eine Hürde

mlzBahnhof Mengede

Erst Ende des Jahres erhält der Bahnsteig Gleis 1/2 am Mengeder Bahnhof einen Aufzug. Die steile Treppe ist nicht nur für Menschen mit Behinderung ein großes Problem.

Mengede

, 01.08.2019, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als Dieter Link-Stern von der gestrandeten Rollstuhlfahrerin auf dem Mengeder Bahnsteig las, hatte er gleich ein Bild vor Augen: Die steile Treppe, die seit dem Frühsommer 2018 die frühere Rampe ersetzt. Der Waltroper ist viel mit dem Fahrrad unterwegs. Und wenn es den Frührentner in weiter entfernte Gefilde lockt, führt sein Weg meist über den Mengeder Bahnhof.

„Wir fahren gerne mit dem Zug nach Hamm oder noch weiter nach Ostwestfalen“, erzählt der 62-Jährige. „Von Waltrop nach Mengede ist es ja nur ein Sprung.“ Die direkte Anbindung an den Regionalexpress (RE) 3 nach Hamm ist ein Idealfall. Vor allem auch wegen der Rampe, die ein bequemes Schieben des Drahtesels zum Zug ermöglichte.

Lange Bauzeit stößt auf Unverständnis

Damit ist allerdings seit eineinviertel Jahren Schluss. Damit Doppelzüge des künftigen Rhein-Ruhr-Expresses am Mengeder Bahnsteig halten können, verlängerte die Bahn ihn. Und da der Platz zwischen den vielen Gleisen und Weichen knapp ist, wurde die barrierefreie Rampe durch eine steile Treppe und einen Aufzugschacht ersetzt. Die Treppe ist fertig, der Aufzug fehlt – und wird wohl erst Ende des Jahres eingebaut, teilt die Deutsche Bahn mit.

Dieter Link-Stern versteht diese lange Bauzeit nicht. 42 Jahre hat er bei Opel in Bochum gearbeitet und auch dort manche Baumaßnahme miterlebt. Als eine Produktionshalle dort einmal komplex umgebaut wurde, „lief nach sechs Wochen wieder ein Auto vom Band“. Für den ehemaligen Umweltingenieur sind Baumaßnahmen eine Frage der Planung. „Man kann doch parallel andere Arbeiten machen.“

Wie oft wird der Aufzug außer Betrieb sein?

Als die Deutsche Bahn im Mai 2018 die Rampe durch eine Treppe ersetzte, war der Radfahrer einigermaßen erstaunt. Den Bau eines Aufzuges hält Link-Stern für „völligen Schwachsinn“. Aus gutem Grund: Wenn der Opelaner hin und wieder nach der Entwicklung seines ehemaligen Werksgeländes schaut, fährt er mit den S-Bahn-Linien 2 und 1 über Dorstfeld nach Bochum.

Steile Treppe zum Bahnsteig ist nicht nur für Rollstuhlfahrer eine Hürde

Rampen, wie an den beiden Enden der Unterführung, können Rad- und Rollstuhlfahrer gut benutzen, sagt Dieter Link-Stern. © Uwe von Schirp

„Ich fahre dann immer bis zum Bahnhof Langendreer-West, weil dort ein Aufzug ist.“ Eigentlich praktisch für Radfahrer. „Was meinen Sie, wie oft der außer Betrieb ist?“ Für den Mengeder Aufzug schwant ihm ähnliches Ungemach. „Ich gebe Ihnen Brief und Siegel, nach einem halben Jahr ist da eine Macke dran und er funktioniert nicht.“

Übrigens: Vorerst meidet Dieter Link-Stern das Schleppen seines Fahrrads über die steile Treppe am Mengeder Bahnhof. Er radelt nach Brambauer zur Endhaltestelle der Stadtbahnlinie U41. Damit geht‘s zum Dortmunder Hauptbahnhof und dann weiter mit dem Zug. Eine Alternative – aber mit zusätzlichem Umsteigen.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt