Weil die Antwort uneindeutig war: Dortmunder Niklas Bayer-Eynck darf noch mal im Zocker-Special antreten. © Stephan Schuetze
Skurrile Diskussion um Kinderlied

Dortmunder bei „Wer wird Millionär?“: „Meine Verwandten waren sauer“

Bei „Wer wird Millionär?“ flog Niklas Bayer-Eynck wegen einer Kinderlied-Frage raus. Obwohl seine Antwort nicht falsch war. Jetzt erzählt er, wie er die große Aufregung erlebt hat.

Riesen-Gewinne oder große Enttäuschungen – beim „Wer wird Millionär?“ Zockerspecial können die Kandidaten doppelt so hohe Geldsummen abräumen, wie in den üblichen Sendungen. Dafür stehen die Joker aber erst ab der neunten Frage zur Verfügung. Der Dortmunder Psychologe Niklas Bayer genannt Eynck kämpfte sich souverän durch die Fragen, scheiterte dann aber bei der 125.000 Euro Frage.

Wer ist der Bräutigam: Amsel oder Drossel?

Wer ist im Kinderlied bei der Vogelhochzeit der Bräutigam? Bayer-Eyncks letzter Zusatzjoker glaubt an die Amsel, sicher ist sie sich aber nicht. Der 31-Jährige Dortmunder vertraut seinem Joker, aber die Antwort ist falsch. Mit läppischen 1000 Euro muss er nach Hause gehen.

„Ich war natürlich enttäuscht, aber ich hatte mich schon damit abgefunden“, erzählt der Dortmunder. Nachrecherchiert habe er nach der Sendung nicht, „ich wollte mit dem Lied nichts mehr zu tun haben“, erklärt er lachend. Doch dann lief die Sendung am Montag (11.1.) im Fernsehen.

Freunde und Verwandte fiebern mit Niklas Bayer-Eynck mit. Die Stimmung kippt, als er an der Kinderlied Frage scheitert. „Meine Verwandten waren sauer, sie holten alte Liederbücher raus, um den Text nachzuschauen“. Seine Patentante und eine Freundin fanden andere Versionen der Vogelhochzeit. Auch bei Facebook entstand eine große Diskussion, die Bayer-Eynck verfolgte.

Da bekam er viele weitere Beweise, dass es mehrere Versionen des Lieds gibt, auch mit der Amsel als Bräutigam, womit seine Antwort richtig wäre. „Ich war nach der Sendung total aufgeregt. Ich wusste aber nicht mehr genau was in meinem Vertrag stand, ob ich jetzt einen Anspruch erheben kann? Ob RTL auf mich zu kommt?“.

RTL prüft die Antwort nachträglich

Am Dienstagmorgen entschied er, sich direkt an RTL zu wenden. Mittags kam die Antwort: Sie prüfen die Frage mit der Fragenredaktion. Dass sich eine Frage nachträglich als falsch oder uneindeutig herausstellt, hat es schonmal gegeben, kommt aber nur äußerst selten vor. Kurze Zeit spät erfuhr der Dortmunder die Entscheidung: Er darf noch einmal im Zockerspecial antreten. Die Folge wird am 5. Februar ausgestrahlt.

Das Lied von „Amsel, Drossel, Fink und Star“ ist über 500 Jahre alt. Mittlerweile existieren so viele verschiedene Versionen, dass keiner mehr eindeutig sagen könne, wie das Original lautet. „Ich war froh, dass sie sich so schnell und unkompliziert geeinigt haben“, berichtet der Psychologe. Dass er jetzt wieder von vorne anfangen muss, stört ihn nicht: „Wer weiß, wofür das gut sein sollte!“

Von den Jokern im Stich gelassen

Das Zockerspecial hatte sich Bayer-Eynck bewusst ausgesucht, „man weiß, dass es ein großes Risiko ist, es ist aber auch eine Riesen-Chance. Das macht es so aufregend“. Zur Vorbereitung habe er sich vor seinem ersten Auftritt viele Sendungen angeschaut und statistisch analysiert, welche Joker bei welcher Frage am erfolgreichsten waren. So versuchte er, eine Strategie zu entwickeln.

Seine ganze Freizeit hatte er auf die Vorbereitung für die Quizshow ausgerichtet. Das Faible für Spieltheorie und Statistik komme durch seinen Beruf als Psychologe. „Ich war etwas enttäuscht, weil ich das Gefühl hatte, dass mich alle Joker im Stich gelassen haben“.

Für eine Frage brauchte er schon allein drei Joker. Mit dem vierten und letzten scheiterte er. Seiner Antwortgeberin aus dem Publikum gab er aber nicht die Schuld. „Ich habe gesehen, wie leid ihr das tat. Ich bin froh, dass ihr jetzt durch meine zweite Chance das Schuldgefühl genommen wird“, berichtet er.

Zwischen seiner Zusage für den ersten Antritt und der Sendung lagen einige Monate. Genug Zeit, um sich vorzubereiten. So viel Zeit hat er jetzt vor der zweiten Sendung nicht. Trotzdem geht er mit gutem Gefühl in die Sendung: „Meine Vorbereitung hatte mir bei keiner der Fragen geholfen, ich denke das ist vor allem Glückssache“.

Wie ist es so im Fernsehen zu sein?

Ein paar Minuten vor Beginn der Show kam Günther Jauch selbst zu den Kandidaten, um kurz mit ihnen zu quatschen. „Bodenständig und sympathisch“, beschreibt Bayer-Eynck den Quizmaster. „Er ist so, wie er im Fernsehen rüber kommt. Ich hatte auch den Eindruck, dass er mich mag. Er hat mich immer ermutigt, meine Joker zu nutzen“.

Wenn er gewinnt, möchte der 31-Jährige mit einem Bully um die Welt reisen und zur Pokerweltmeisterschaft in Las Vegas. © Stephan Schütze © Stephan Schütze

Als es dann zum ersten Mal auf den Quizstuhl ging, plagten den Dortmunder gemischte Gefühle: einerseits die Aufregung, andererseits die Frage nach dem „Was wäre wenn?“ „Kurz vor der Sendung baut sich da schon die Anspannung auf. Man fragt sich auch, was ist wenn ich jetzt wirklich eine hohe Summe gewinne? Wirkt sich das auf meine Freundschaften oder meine Beziehung aus? Erwartet man von mir, dass ich dann meinen Job kündige?“, berichtet er.

Und dann wäre da noch da die Sache mit dem Fernsehen. Das Wissen, dass einem Tausende Menschen zusehen werden. „Ich war froh, dass mir bei der Ausstrahlung viele Leute geschrieben haben und sagten, ich komme sympathisch rüber. Darüber macht man sich ja auch Gedanken, nicht dass man sich nachträglich denkt‚ was quatschst du da für einen Mist‘“, erzählt er lachend. Jetzt freut sich Bayer-Eynck auf seine zweite Chance in der Rate-Show.

Im Bully um die Welt

Pläne für einen Gewinn haben Bayer-Eynck und seine Freundin schon gemacht: Einen Bully kaufen und damit durch die Weltgeschichte fahren. Außerdem wünscht sich der 31-Jährige, bei der Pokerweltmeisterschaft in Las Vegas mitzumachen. Allein die Teilnahme-Gebühr dafür kostet satte 10.000 Euro.

Über die Autorin
Freie Mitarbeiterin

Der neue Lokalsport-Newsletter für das Münsterland

Immer dienstags und freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.