Zidika Sachi ist an Covid-19 erkrankt. Die Dortmunderin warnt davor, die Krankheit zu unterschätzen. © Sachi
Infizierte Tagesmutter

Dortmunder Corona-Kranke (46): „Habe mich noch nie so elend gefühlt“

Zidika Sachi ist 46 Jahre alt und seit zwei Wochen ernsthaft an Corona erkrankt. Die Dortmunderin erzählt, wie sie sich fühlt und was ihr an Covid-19 besonders zusetzt.

Es geht ihr schlecht – das hört man schon daran, wie Zidika Sachi sich am Telefon meldet. Ihre Stimme klingt leise, geschwächt, niedergeschlagen. Die Dortmunderin hat seit Ende November Covid-19 und ist ein Beispiel dafür, dass die Krankheit Menschen nicht erst ab einem hohen Alter schwer zusetzt.

46 Jahre ist Zidika Sachi alt. Verheiratet, vier Kinder, Tagesmutter. „Ich bin kein Mensch, der schnell krank wird“, sagt sie. „Ich wundere mich über mich selbst, dass ich nicht aufstehen kann.“

Erste Symptome: Hohes Fieber, Übelkeit, Gliederschmerzen

Seit Ende November muss die Dortmunderin jeden Tag aufs Neue erfahren, dass Covid-19 auch für einen Menschen, der nie ernsthaft krank war, mehr sein kann als eine leichte Erkältung.

Die ersten Symptome setzen am 28. November ein: Sehr hohes Fieber, Übelkeit, Gliederschmerzen. Montags meldet sie sich direkt bei ihrem Hausarzt, um einen Corona-Test machen zu lassen. „Ich durfte selbst nicht in der Praxis vorbeikommen, meine Tochter hat den Test abgeholt, ich habe den Abstrich selbst zuhause gemacht.“

Das Ergebnis kommt an nächsten Tag – positiv. Wo sie sich angesteckt haben könnte? „Ich weiß es nicht.“

„Da müssen sie durch“ – habe ihr Hausarzt gesagt, als die vierfache Mutter fragt, wie sie jetzt behandelt wird. Paracetamol und Grippostad schluckt sie seitdem. Geholfen hat es bislang nicht. Vier bis sechs Wochen könne die Erkrankung dauern, habe ihr Arzt gesagt.

Fast die gesamte Familie steckt sich an

Drei Tage später treten auch bei dreien ihrer Kinder und ihrem Mann Symptome auf, auch sie werden positiv getestet. „Denen ging es auch vier Tage sehr schlecht, aber dann wurde es wieder besser“, sagt Sachi. Anders bei der 46-Jährigen.

Seit knapp zwei Wochen ist sie krank und Zidika Sachi ist am Ende. „Ich liege seit zwei Wochen nur rum.“ Zu Fieber, Übelkeit und Gliederschmerzen kam Schwindel hinzu. Sie fühlt sich elendig schlapp, seit dem 1. Dezember fehlen Geruchs- und Geschmackssinn. „Man riecht wirklich nichts. Ich habe Zwiebeln angebraten – einfach nichts.“

Seit dem 9. November leidet sich auch unter Luftnot: „Ich habe Probleme beim durchatmen, bekomme zwischendurch Panik, weil ich nicht tief Luft holen kann. Ich habe mich noch nie so elend gefühlt. Ich bin an einem Punkt angelangt, wo ich mich nur noch frage, was mit mir los ist.“

Ungewissheit und Hilfslosigkeit sorgen für Angst

Die zwei Wochen haben ihr zugesetzt, auch psychisch. Ihr Arzt hat sie eine weitere Woche krank geschrieben. „Wie lange denn noch?“, fragt sie sich. „Wenn das so weitergeht, kriege ich Depressionen.“ Es zermürbt sie, auf Hilfe angewiesen zu sein, zu überhaupt nichts in der Lage zu sein.

Und Zidika Sachi hat Angst: „Ich habe jetzt richtig Angst vor der Krankheit. Und dass noch weitere Nachwirkungen kommen.“

Dazu kommen die beruflichen Sorgen: 20 Krankentage stehen ihr als Tagesmutter zu, die sind verbraucht. Was das finanziell bedeutet? Verluste. Wie hoch – das ist noch unklar. Auch das setzt der Dortmunderin zu.

Betroffene warnt: „Unterschätzt das nicht!“

Hat die Erkrankung ihre Sicht auf die Corona-Pandemie verändert? „Ich war immer schon vorsichtig, wir haben von Anfang an aufgepasst.“

Jetzt, wo sie erlebt, wie schlimm sich Covid-19 anfühlt, warnt sie noch eindringlicher vor Leichtsinn: „Unterschätzt das nicht! Ich sage es auch allen im Familienkreis: Bitte, versucht so wenig wie möglich Kontakte zu haben.“

Über die Autorin
Redakteurin
1983 im Münsterland geboren, seit 2010 im Ruhrpott zuhause und für die Ruhr Nachrichten unterwegs. Ich liebe es, mit Menschen ins Gespräch zu kommen, Fragen zu stellen und vor allem: zuzuhören.
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Jessica Will

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