Dortmunder Dachdecker-Firma Kentzler ist insolvent

Traditionsbetrieb vor dem Aus

Kentzler Dach + Wand ist nicht irgendeine Dortmunder Firma. Sondern ein Traditionsbetrieb in fünfter Generation, über 140 Jahre alt. Nun ist er insolvent. Rund 30 Prozent der Belegschaft wurden bereits freigestellt.

DORTMUND

, 11.03.2016, 02:39 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Firma Kentzler aus Dortmund zählt laut Unternehmer-Magazin "Revier Manager" zu den größten Dachdeckerbetrieben im Ruhrgebiet.

Die Firma Kentzler aus Dortmund zählt laut Unternehmer-Magazin "Revier Manager" zu den größten Dachdeckerbetrieben im Ruhrgebiet.

Kentzler Dach + Wand (Klempnerei + Sanitär) ist einer der ältesten und traditionsreichsten Dortmunder Handwerksbetriebe. 140 Jahre alt, mittlerweile geführt in fünfter Generation. In einer Rangliste des Unternehmer-Magazins "Revier Manager" lag Kentzler 2015 auf Platz 14 der größten Dachdeckerbetriebe im Ruhrgebiet' target='_blank' type='' href='http://revier-manager.de/dachdecker-und-zimmerer

Hohe Schadensersatzforderung 

Doch im Dezember 2015 musste Geschäftsführer Heiko Kentzler Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens stellen. "Hintergrund ist ein möglicher Gewährleistungsschaden", sagte er damals. Am 1. März 2016 wurde über das Vermögen der Kentzler GmbH & Co. KG das Insolvenzverfahren eröffnet.

Der als Insolvenzverwalter bestellte Dortmunder Rechtsanwalt Thorsten Klepper teilte am Donnerstag (10. März) auf Anfrage mit, die "ausschließliche" Ursache der Insolvenz sei eine Schadensersatzforderung aus einem Bauvorhaben in Höhe "von mehr als einer dreiviertel Million".

Hinzu kommt: Die aktuelle Jahreszeit sei umsatzschwach, Auftraggeber scheuten sich aufgrund der Insolvenz, neue Aufträge zu vergeben. Klepper: "Wir kommen daher zunehmend in einen Abwärtsstrudel, den wir nicht zu durchbrechen vermögen."

Kentzler: "Haben noch Projekte und nehmen noch neue Projekte an"

Heiko Kentzler sagte auf Anfrage zwar: "Wir arbeiten weiter. Wir haben noch Projekte und nehmen auch noch neue Projekte an."

Rechtsanwalt Klepper musste jedoch die "Masseunzulänglichkeit" anzeigen – das vorhandene Vermögen reicht nicht aus, um alle Verbindlichkeiten zu bedienen. Durch Erlöse aus bestehenden Baustellen habe er "vermutlich in einigen Wochen oder Monaten ausreichend liquide Mittel, jedoch aktuell zu viele Forderungen (Material, Löhne/Gehälter und Verfahrenskosten) zu begleichen", so Klepper.

Er habe von der zuletzt 32-köpfigen Belegschaft rund 30 Prozent freigestellt – dies ist nach Anzeige der Masseunzulänglichkeit möglich. Die Betroffenen hätten Anspruch auf Geld der Arbeitslosenversicherung. Klepper leite nun Schritte der "Liquidation" ein, verkaufe Maschinen, Autos, die Immobilie; wickle den Betrieb ab. Ergebe sich die Gelegenheit, diesen zu erhalten oder zu veräußern, "werde ich diese selbstverständlich ergreifen".

Jahrzehntelang führte Otto Kentzler den Betrieb

Jahrzehntelang führte Otto Kentzler den Dortmunder Traditionsbetrieb. Er war Präsident der Handwerkskammer Dortmund und Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH).

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt