Prof. Carsten Watzl vom Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund ist auch Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie. © Oliver Schaper
Corona-Pandemie

Dortmunder Experte befürchtet „Zwei-Klassen-Gesellschaft von Immunität“

Neben Geimpften sollen auch nach einer Corona-Erkrankung Genesene mehr Rechte bekommen. Für den Dortmunder Immunologen Carsten Watzl gibt es für die Anwendung im Alltag aber viele Hürden.

Ohne Test in den Zoo, zum Einkauf oder zum Friseur – das ist ab dem 3. Mai in NRW für alle Menschen möglich, die vollständig gegen das Coronavirus geimpft oder nach einer überstandenen Covid-Erkrankung wieder gesund sind. Geimpfte haben dafür einen Impfpass. Doch wie weisen Genesene nach, dass sie den erhofften Immunschutz gegen Corona haben, der Grundlage für die Lockerungen ist? Und wie gut sind Genesene gegen eine erneute Infektion tatsächlich geschützt?

Der Dortmunder Immunologe Prof. Carsten Watzl vom Leibniz-Institut für Arbeitsforschung sieht bei der jetzt gefundenen Sonderregelung, die Geimpfte und Genesene gleichstellt, zahlreiche Probleme, wie er in einem Interview mit der Tageszeitung „Welt“ deutlich gemacht hat. Er sieht große Unterschiede in der Immunwirkung von Geimpften und ehemals Erkrankten, spricht von einer „Zwei-Klassen-Gesellschaft von Immunität“.

Mehr Antikörper nach Impfung

Watzls Erkenntnis: Es gebe zwar eine Immunität nach einer durchgemachten Infektion. Die sei aber nicht so stark wie nach einer Impfung. Es gebe sogar Menschen, die nach einer durchgemachten Infektion „plötzlich gar keine Antikörper mehr im Blut haben“, sagte Watzl im Welt-Interview.

„Bei der Impfung sind die Antikörper-Spiegel viel höher und schützen insgesamt besser gegen Mutationen“, führt der Experte aus. Deshalb lautet sein Rat: „Eine Immunität, die durch eine Infektion gekommen ist, sollte auf jeden Fall durch eine Impfung aufgefrischt werden. Dazu braucht man auch nur eine Impfung und nicht zwei.“

Die Vorgaben von Bund und Ländern schreiben vor, dass die durchgemachte Corona-Infektion nicht länger als ein halbes Jahr zurückliegen darf. Die Erleichterungen bei den Coronaschutz-Vorgaben sollen dann aber auch für all jene gelten, die sich nach einer länger zurückliegenden Infektion impfen lassen.

Keine standardisierten Tests

Ein Problem ist allerdings auch, die Infektion und den erworbenen Immunschutz nachweisen zu können, wie Carsten Watzl im Welt-Interview erklärt.

Der beste offizielle Nachweis einer durchgemachten Infektion sei ein Schreiben vom Gesundheitsamt oder Arzt, mit dem das positive PCR-Testergebnis bestätigt werde, erklärt der Immunologe. Das Problem: Es gibt noch keine standardisierten Antikörper-Tests zum Nachweis des Immunschutzes. Und es sei sogar unklar, ab welchem Wert jemand als immun gilt, so Watzl.

Obendrein fehle ein einheitlicher Nachweis zum Antikörpertest. Der Laborbericht allein sei nicht fälschungssicher. Watzl: „Wenn jemand kriminelle Energie hat und einmal so einen Befund gesehen hat, könnte man ihn ziemlich einfach fälschen.“

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Oliver Volmerich, Jahrgang 1966, Ur-Dortmunder, Bergmannssohn, Diplom-Journalist, Buchautor und seit 1994 Redakteur in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten. Hier kümmert er sich vor allem um Kommunalpolitik, Stadtplanung, Stadtgeschichte und vieles andere, was die Stadt bewegt.
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