Professor Carsten Watzl ist Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie und forscht am Dortmunder Leibniz-Institut für Arbeitsforschung. © Oliver Schaper (A)
Professor Carsten Watzl

Dortmunder Experte erklärt: Darum sind aktuell so viele erkältet

Die Erkältung feiert gerade ihr Comeback. Sind unsere Immunsysteme nach dem ständigen Infektionsschutz etwa aus dem Training? Nein, sagt Carsten Watzl. Aber mit Corona hat es trotzdem zu tun.

Viele haben vermutlich gerade jemanden in ihrem Umfeld, der in den vergangenen Wochen erkältet war oder es aktuell ist. Und auch die Krankenkassen IKK und Viactiv bestätigen ein erhöhtes Aufkommen an Atemwegsinfekten. Woran liegt das?

Die Erklärung liefert Professor Carsten Watzl, Immunologe am Dortmunder Leibniz-Institut für Arbeitsforschung. Denn der Anstieg an Erkältungskrankheiten kann etwas mit den auslösenden Viren und unserem Immunsystem zu tun haben.

Entfallene Infektionen laufen nun nach

„Bei bestimmten Erkältungserkrankungen ändert sich das Virus ständig, bei anderen nimmt die Immunität nach einer durchgemachten Erkrankung über Zeit ab“, erklärt Carsten Watzl.

Durch die Infektionsschutzmaßnahmen gegen das Coronavirus waren zuletzt weniger Menschen mit eben diesen Erkältungsviren konfrontiert und können sie jetzt schlechter abwehren. Weil die Immunität nach der letzten Erkrankung nachgelassen hat, beziehungsweise weil bei sich stetig verändernden Viren die Grundimmunität nicht mehr ausreicht.

Der aktuelle Anstieg sei also im Prinzip ein statistischer Effekt. Die Menschen, die sich in den vergangenen Monaten mit Erkältungserregern infiziert hätten und dann wieder geschützt gewesen wären, kommen jetzt noch auf das normale Grundrauschen obendrauf.

Schlechtere Ausgangslage für neuen Grippeimpfstoff

Auch die Grippewelle könnte aus ähnlichen Gründen in diesem Jahr stärker ausfallen. Auch, weil es in der vergangenen Saison weniger Fälle gab. „Der neue Grippeimpfstoff wird immer auf Basis zurückliegender Fälle entwickelt. Die Datenbasis ist dafür dieses Jahr etwas schlechter.“

Es könnte also sein, dass die Grippeimpfung in diesem Jahr etwas weniger gut gegen die veränderten Erreger wirkt. Dennoch rät Carsten Watzl allen, die ansteckungsgefährdet sind, zu einer Grippeschutzimpfung. „Ich mache die selbst auch immer.“

Das Immunsystem muss nicht trainiert werden

Watzl betont aber: „Das Immunsystem ist kein Muskel. Es nimmt nicht insgesamt ab, wenn es eine Zeit lang nicht so sehr in Anspruch genommen wird.“ Generell brauche das Immunsystem bei den meisten Menschen auch keine Stärkung.

„Das Immunsystem funktioniert bei gesunden Menschen in der Regel gut. Man kann aber Dinge vermeiden, die es schwächen.“ Das seien zu Beispiel eine einseitige Ernährung, Bewegungsmangel, Stress und zu wenig Schlaf. Bei letzterem sei neben der Zahl an Stunden auch die Regelmäßigkeit wichtig.

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Bastian Pietsch

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