Boris Fahle ist Mitgründer der Consilium Finanzmanagement AG. Der Finanzexperte blickt auf Negativzins, Inflation und Staatsverschuldung und gibt fünf Tipps, was Sparer jetzt tun können. © Consilium / Ursula Doeren
Corona-Krise

Dortmunder Finanzexperte: Das müssen Sparer jetzt mit ihrem Geld machen

Viele Milliarden Euro werden zur Bekämpfung der Corona-Krise in die Wirtschaft gepumpt. Wie sicher ist angesichts dieser Geldflut das Geld der Sparer? Ein Finanzexperte sagt, was zu tun ist.

Als Mitgründer der Consilium Finanzmanagement AG führt Boris Fahle heute in Dortmund die Geschäftsstelle dieses bundesweit tätigen Beratungsunternehmens. Mit seinen fünf Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist der freie Anlageberater gerade von der Hansastraße in der City in neue, modernen Büroräume an der Stockholmer Allee auf der Stadtkrone Ost umgezogen.

Der Dortmunder Finanzexperte ist Mitglied im IHK-Prüfungsausschuss für Finanzanlageberater und Dozent für Investmentberatung an der Deutschen Makler Akademie in Wiesbaden. Seit 2011 lädt er jährlich in den Westfälischen Industrieklub in Dortmund zu einem Investment-Abend ein.

Ihn haben wir als bankenneutralen Fachmann gefragt, für wie sicher er angesichts der weltweiten Corona-Krise das Geld der Dortmunder Sparer hält. Was ist jetzt zu tun? Hier seine fünf Tipps:

Der Zins ist tot – weg vom Sparbuch

„Zurzeit liegen rund zwei Billionen Euro unverzinst auf deutschen Konten. Dieses Geld verliert durch Inflation und Negativzins an Wert“, sagt Boris Fahle. Er ist davon überzeugt, dass es über Jahre und vielleicht sogar Jahrzehnte keine nennenswerten Guthaben-Zinsen mehr geben wird.

„Die klassischen Sparmethoden mit Sparbüchern oder Geldmarktkonten bringen kaum noch Rendite. Und wir werden noch höhere Negativzinsen auch schon bei einem Vermögen unter 100.000 Euro erleben. Also: weg mit dem Sparbuch – und nicht darauf warten, dass die Zinsen steigen“, sagt Boris Fahle.

Gut informieren und rein in Investmentfonds

Schon, wer 5000 oder 10.000 Euro auf einem Sparkonto liegen hat, sollte sich eine Anlagestrategie überlegen, meint Boris Fahle. Er rät dazu, sich Sachverständnis aufzubauen und sich bei einer Bank oder besser noch bankenneutral beraten zu lassen.

Indem man sein Geld in Investmentfonds anlege, investiere man in die Wirtschaft. „Entscheidend ist eine sehr breite Aufteilung der Vermögensstruktur. Gemeinhin kauft der Deutsche nur Wertpapiere von Unternehmen, die er kennt – etwa Daimler oder Telekom. Wichtig ist aber eine globale Denke. An China geht beispielsweise kein Weg vorbei. Streuung statt Klumpenrisiko“, so der Anlageberater

Zum Beispiel gelte es, auch in Zukunftsunternehmen der Bio- und Pharma-Industrie oder der Technologie-Industrie zu investieren. „Wir haben beispielsweise einen reinen Fonds für Unternehmen, die am Zukunftsmarkt der Künstlichen Intelligenz partizipieren, beigemischt. Der Fonds hat allein in diesem Jahr ein Plus von 54 Prozent erzielt.“

Was tun mit seinem Geld? Wer es anlegen möchte, sollte nicht darauf warten, dass es irgendwann wieder nennenswerte Zinsen gibt. „Der Zins ist tot“, sagt der Anlageberater Boris Fahle. © dpa © dpa

Am Ende gelte es, eine Rendite von 4 Prozent bei ausgewogenem Risikoprofil – im Wachstumsbereich auch mehr – zu erzielen, um die Inflation und die Kosten auszugleichen. Dann schütze man sein Vermögen vor Inflation und auch vor einem totalen Crash. „Fondsanteile und Aktien haben – wie Immobilien – Sachwertcharakter. Das heißt: falls es zu Abwertungen der Währung oder einer Währungsreform kommt, sinken zwar bei Aktien die Kurse – sie erholen sich aber wieder“, so Fahle.

Das eigene Risikoprofil erkennen

Bisher sind Sparer konservativ unterwegs. Das heißt, sie verwahren ihr Geld auf einem Konto und scheuen das Risiko, ihr Geld an den Kapitalmärkten arbeiten zu lassen. Dort kann es auch weniger werden. „Deshalb muss man sich klar machen: Wieviel Verlust bin ich bereit zu ertragen und wie lange will ich mein Geld binden?“, sagt Boris Fahle.

Monatliches Sparen

Das Ende des Sparbuchs darf laut Boris Fahle keinesfalls das Ende des Sparens bedeuten. „Ich rate, monatlich in Investmentfonds zu sparen, um Kursschwankungen auszugleichen und so Kapital weiter aufzubauen, das mittel- und langfristig – also über fünf Jahre – arbeiten kann.

Nicht auf Pump leben

Zu guter Letzt sagt Boris Fahle, dass Sparen auch nicht alles ist. „Natürlich sollte man sich auch mal etwas gönnen.“ Das heiße, man dürfe sich durchaus auch mal einen Fernseher oder Kühlschrank zu einem 0-Prozent-Zins leisten: „So kann man ja sein eigenes Kapital weiter arbeiten lassen. Wichtig ist aber dabei, dass man seine finanzielle Situation genau im Blick hat. Und, was man nie tun sollte, ist, einen Kredit aufzunehmen, um in Wertpapiere zu investieren. Dieser Hebeleffekt kann durch die Schwankungen gefährlich werden, und ist ein Basisgrundsatz“, sagt der Experte.

„Der Zinses-Zins-Effekt“, so Boris Fahle, „ist die größte Erfindung aller Zeiten.“ Sein Tipp: „Frühzeitig anfangen zu sparen, und die Sparquote dem Einkommen anpassen.“ Dabei solle man die eigene Strategie für den Vermögensaufbau mit professioneller Hilfe überwachen lassen.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Nach mehreren Stationen in Redaktionen rund um Dortmund bin ich seit dem 1. Juni 2015 in der Stadtredaktion Dortmund tätig. Als gebürtigem Dortmunder liegt mir die Stadt am Herzen. Hier interessieren mich nicht nur der Fußball, sondern auch die Kultur und die Wirtschaft. Seit dem 1. April 2020 arbeite ich in der Stadtredaktion als Wirtschaftsredakteur. In meiner Freizeit treibe ich gern Sport: Laufen, Mountainbike-Fahren, Tischtennis, Badminton. Außerdem bin ich Jazz-Fan, höre aber gerne auch Rockmusik (Springsteen, Clapton, Santana etc.).
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Peter Wulle

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