Dortmunder Flughafen: "2022 könnte besser werden als das Rekordjahr 2019"

mlzDortmunder Flughafen

Wie schnell lässt Dortmunds Flughafen die Coronakrise hinter sich? Nach einer Prognose von Airport-Chef Udo Mager bereits 2022. Einige Argumente der Schutzgemeinschaft Fluglärm seien falsch.

Dortmund

, 21.07.2020, 14:44 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es sei völlig in Ordnung, wenn Menschen auf diese Weise ihre Meinung artikulieren, sagte Flughafen-Geschäftsführer Udo Mager als Reaktion auf den „Protestmarsch“ am Sonntag (19.7.). Rund 450 Mitglieder der Schutzgemeinschaft Fluglärm hatten gegen die geplante Verlängerung der Landestrecke für Maschinen aus östlicher Richtung demonstriert.

Sie ist 2000 Meter lang. Da Maschinen aus Richtung Osten erst nach 300 Metern aufsetzen dürfen, können sie effektiv nur 1700 Meter nutzen. Um das zu ändern, soll der Aufsetzpunkt um eben jene 300 Meter in Richtung Unna verlegt werden. Was nach Darstellung der Schutzgemeinschaft mehr Lärmbelastung für die Unnaer Bürger zur Folge habe.

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„Das ist falsch“, widerspricht Mager. Durch die Schwellenverlegung werde die Flughöhe zwar um rund 15 Meter sinken. „Es wird aber nicht mehr Lärm geben." Die dann eingesetzten Maschinen wie der Airbus A321 seien leiser als etwa der A319. Diese Behauptung sei keine Erfindung des Flughafens, sagt Mager. „Das sind Ergebnisse von Untersuchungen.“

Zudem verbrauche der A321 weniger Kerosin als Vorgänger-Modelle. Als Platzhirsch am Flughafen möchte zunächst Wizz Air den A321 landen lassen. Er ist größer und kommt auf eine Kapazität von 230 Plätzen – die bisherigen Maschinen haben 180 Plätze. Ausdrücklich betont Mager, dass die Verlängerung der Landestrecke „keine Lex Wizz Air“ sei. „Wir machen das für alle Airlines“, sagt Mager. „Auch andere Gesellschaften stellen auf den A321 um.“

Unterlagen werden öffentlich

Der Antrag zur Verlegung des Landepunktes liegt der Münsteraner Bezirksregierung vor. Mario Krüger, erster Mann der Schutzgemeinschaft, drängt auf ein Planfeststellungsverfahren mit Bürgerbeteiligung. Der Airport hingegen setzt auf ein Plangenehmigungsverfahren.

Das läuft wesentlich kürzer, sieht aber keine Bürgerbeteiligung vor. Detlef Plätzer, Luftfahrtdezernent in Münster, mochte sich auf Anfrage nur verhalten äußern: Sollte es auf eine Plangenehmigung hinauslaufen, werde Münster alle Unterlagen in Absprache mit dem Airport im Internet öffentlich machen, kündigt Plätzer an. „Wir wollen größtmögliche Transparenz.“

Ende Juli soll über das Verfahren Klarheit herrschen – und eventuell Ende 2020, ob Münster der Schwellenverlegung zustimmt. Bis das Vorhaben umgesetzt ist, vergehen allerdings weitere 1,5 Jahre: Unter anderem muss das Instrumentenlandesystem (ILS) angepasst werden. Maschinen, die in Dortmund zu Interkontinentalflügen starten, werde es auch dann nicht geben, betont Mager.

„Wertschöpfung für die Region“

Auch die Dauer-Kritik am „Verlustbringer Flughafen“ will Mager so nicht stehen lassen. Als Gesellschafter des Flughafens verfolgten DSW21 und die Stadt Dortmund das Ziel, mit ihren investierten Mitteln „Wertschöpfung für die Region zu betreiben“.

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Der Airport sichere pro Jahr direkt und indirekt 6550 Arbeitsplätze. Hinzu kämen Einkommenseffekte von 324 Millionen Euro und eine regionale Wertschöpfung von 500 Millionen Euro. Zahlen, die das Verkehrswissenschaftliche Institut der Uni Münster ermittelt hat.

"Dafür fehlt mir jedes Verständnis"

Der Lockdown im April, der den Flugbetrieb fast völlig zum Erliegen brachte, ist nicht vergessen. Wie auch bei einem Schaden von 15 bis 20 Millionen Euro? Für etliche Branchen seien Hilfstöpfe mit nicht rückzahlbaren Zuwendungen aufgestellt worden, sagt Mager. „Unsere Kollateralschäden werden nicht ausgeglichen.“

Die einzige Möglichkeit sei der Topf „Infrastruktur Corona“ des Landes NRW. Aus dem können Betriebsmittel beantragt werden. Dabei geht es aber um Kredite, die über Jahre abbezahlt werden müssen. Bei Zahlungsausfall hafte das Land nicht in vollem Umfang, sondern zu 80 Prozent.

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Auch mit der Forderung für eine Erstattung ihrer so genannten Vorhaltekosten sind die Airports beim Bund abgeblitzt. Dadurch, dass der Dortmunder Flughafen den Betrieb selbst im harten Lockdown-Monat April aufrechterhalten musste, seien Kosten von 1,4 Millionen Euro entstanden.

Ein weiterer Posten erzeugt bei Mager nur noch Kopfschütteln: Trotz der akuten Finanznot hat der Bund noch immer nicht 1,6 Millionen Euro Kosten aus 2019 für die Flugsicherung erstattet. „Dafür fehlt mir jedes Verständnis“, schimpft der Flughafenchef. „Die Erstattungen sind vom Bundestag beschlossen worden.“

"Ohne Corona wären wir 2020 im Plus"

Abseits der finanziellen Situation hat der Airport das Tal der Tränen inzwischen verlassen. Im August soll die Kurzarbeit enden. Verglichen mit dem Vorjahresmonat, stehe der Flughafen aktuell bei 50 Prozent des Passagieraufkommens.

Und bei 75 Prozent der Flugbewegungen - auch wenn die Maschinen nicht voll besetzt seien. „Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass wir in der Lage sind, unsere Betriebsergebnisse positiv zu gestalten“, formuliert Mager, unter dessen Ära die Defizite Jahr für Jahr abgebaut worden sind.

2019 betrug das für die EU wichtige Betriebsergebnis noch minus 380.00 Euro. Mager: „Ohne Corona wären wir 2020 im Plus.“ Nun bringt Wizz Air weitere, insgesamt 20 neue Ziele auf den Radar und stationiert drei Maschinen. All das verschafft Einnahmen und Passagiere - was Mager überaus optimistisch macht.

Seine Prognose: Komme es zu keinen weiteren Einschränkungen, werde der Airport 2022 auf den bisherigen Wachstumspfad zurückkehren - und sogar die Werte aus 2019 übertreffen. 2,72 Millionen Passagiere sind im vergangenen Jahr durchs Terminal geströmt. Es war das Rekordjahr schlechthin.

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