Punkrock für 20 Zuschauer: Im Subrosa in der Dortmunder Nordstadt gibt es wieder Indoor-Konzerte. © Oliver Schaper
Personalmangel

Dortmunder Gastronomen würden gerne mehr öffnen – aber das Personal fehlt

Endlich wieder Biergarten, Kneipe und Essen gehen – die Dortmunder Gastronomie ist dank Corona-Lockerungen wieder da. Es gibt aber ein Problem: Das Personal fehlt.

Die Gastronomie in Dortmund darf seit Ende Mai wieder Gäste in den Lokalen empfangen. Zunächst nur draußen, mittlerweile sogar drinnen, da sich die Corona-Infektionszahlen auf einem niedrigen Niveau bewegen.

Nach monatelangen Schließungen in der Pandemie können Restaurants, Bars, Kneipen und Imbisse wieder wie „damals“ aufleben. Nur blöd, wenn das Personal dafür nicht da ist.

Nachfrage kann kaum gedeckt werden

„Die aktuelle hohe Nachfrage nach Aushilfskräften in der Gastronomie kann kaum gedeckt werden“, wie Sibylle Hünnemeyer, Pressesprecherin der Dortmunder Arbeitsagentur erklärt. Viele Gastro-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hätten sich im Lockdown eine andere Beschäftigungsmöglichkeit gesucht.

Das merkt auch Simon Grimm, Inhaber der Hafenschänke Subrosa in an der Gneisenaustraße in der Dortmunder Nordstadt. Er könne derzeit nur drei Tage öffnen – donnerstags, freitags und samstags – da es personell nicht anders zu bewerkstelligen sei.

Simon Grimm ist der Besitzer der Hafenschänke Subrosa im Dortmunder Hafenviertel. Die Sperrstunde ist für ihn keine Option, weshalb er seine Kneipe erstmal schließen muss. © Subrosa © Subrosa

Ähnlich sieht es im Sissikingkong aus, das nach einem Umzug und Bauarbeiten am 1. Juli in einer neuen Location an der Essener Straße im Kreuzviertel öffnen wird. Inhaber Dirk Geisler hat unter anderem mit einem Facebook-Post nach neuen Service-Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gesucht – „wir haben aber kaum Bewerbungen bekommen“, so Geisler.

Die Folge für den Gastronom: „Wir werden ein, zwei Tage weniger aufmachen müssen, da das Personal fehlt.“ Sein fünfköpfiges Team werde donnerstags bis sonntags arbeiten, Geisler würde das Sissikingkong gerne an mehreren Tagen öffnen, aber: „Ich kann die Leute ja schlecht schwarz arbeiten lassen.“

Studenten arbeiten im Testzentrum

Besonders Aushilfskräfte seien Mangelware. Grimms Eindruck: „Es sind kaum neue Studenten nach Dortmund gezogen, die machen das ja jetzt digital.“ Vor der Corona-Pandemie haben viele Studentinnen und Studenten nebenbei gekellnert.

Außerdem machen die Corona-Testzentren den typischen Studenten-Jobs in der Gastronomie Konkurrenz: „Die zahlen besser, als ich es jemals könnte, da gibt es 1200 Euro“, so der Subrosa-Inhaber. Zwei studentische Aushilfen seien ihm deshalb abgesprungen.

Sissikingkong-Betreiber Dirk Geisler in der neuen Location, als der Umzug noch voll im Gange war.
Sissikingkong-Betreiber Dirk Geisler in der neuen Location, als der Umzug noch voll im Gange war. © Didi Stahlschmidt (Archiv) © Didi Stahlschmidt (Archiv)

Bei dem Subrosa-Wirt gibt es eine gewisse Ambivalenz, was das Thema Neueinstellungen betrifft. „Ich weiß gar nicht, ob wir wirklich Personal suchen“, sagt Simon Grimm. Seine Befürchtung: „Dann arbeiten wir die Leute ein und dann kommt der nächste Lockdown.“

Zu unsicher für Grimm. Deshalb werde das Subrosa weiter erstmal nur drei Tage öffnen. Zumal der Wirt und sein fünfköpfiges „Fix-Team“ nebenbei andere Beschäftigungen hätten oder studierten – „wir müssen ja irgendwie unser Brot verdienen.“

Erfahrenes Personal ist Mangelware

Sibylle Hünnemeyer von der Arbeitsagentur merkt an, dass es aus der Gastronomie in den vergangenen zwei bis drei Wochen verstärkt Stellenanzeige in der Jobbörse gegeben hätte. Das neue Personal solle aber „sofort einsatzbereit sein“ – ohne Berufserfahrung sei das schwierig. Und der hohe Andrang in der Gastronomie erschwere eine Einarbeitung.

Auch Dirk Geisler vom Sissikingkong hätte gerne neues Personal, das sofort einsatzbereit ist. Einige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hätten inzwischen ihr Studium beendet und seien weggezogen.

„Ich würde natürlich neue Leute einarbeiten“, erzählt Geisler – „auch wenn es Geld kostet.“ Aber es gebe eben keine Bewerber. Jedoch findet auch er, dass die nähere Zukunft für sein Restaurant „schwierig einzuschätzen“ sei, da die Corona-Pandemie noch nicht vorbei ist.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
1990 im Emsland geboren und dort aufgewachsen. Zum Studium nach Dortmund gezogen. Seit 2019 bei den Ruhr Nachrichten. Findet gerade in Zeiten von Fake News intensiv recherchierten Journalismus wichtig. Schreibt am liebsten über Soziales, Politik, Musik, Menschen und ihre Geschichten.
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Robin Albers

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