Großbrand im Westfalenpark

mlzHeute vor 30 Jahren

Eine riesige Rauchsäule über dem Dortmunder Süden und Pioniere der Elektro-Mobilität - ganz schön was los in Dortmund am 25. Juli 1990. In unserer Serie „Dortmund vor 30 Jahren“ bieten wir einen Rückblick:

von Beat Linde

Dortmund

, 25.07.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Was war heute vor 30 Jahren in Dortmund los? Worüber haben die Menschen gesprochen, was war aktuell? In unserer Serie „Dortmund vor 30 Jahren“ werfen wir für Sie einen Blick in unser Zeitungsarchiv - und lassen die Vergangenheit wieder lebendig werden.

25. Juli 1990: Giftiger Rauch über dem Dortmunder Süden

Anwohner sollten unbedingt Fenster und Türen schließen: Der Bauhof des Westfalenparks an der Baurat-Marx-Allee war in Flammen aufgegangen. Es stieg eine große Rauchsäule über dem gesamten Dortmunder Süden auf. Die Feuerwehr rückte in einem Großeinsatz mit schwerem Atemschutz an.

Es bestand gleich zweifach die Sorge, dass giftige Dämpfe in die Luft gelangt sein könnten. Zum einen sei es womöglich zu einer chemischen Reaktionen bei den Löscharbeiten mit dem dort gelagerten Düngemittel gekommen, und zum anderen waren die im Bauhof gelagerten Kunstoffblumenkästen verbrannt. Die zuständigen Wissenschaftler beruhigten jedoch schnell: Es seien keine gefährlichen Atemgifte in der Luft festgestellt worden.

Elektro-Trabi

Umweltschutz und Pionierarbeit aus Dortmund: Vier Studenten der Fachhochschule gelang die Transformation eines dreckschleudernden Trabant in ein abgasfreies City-Auto. Im Rahmen ihrer Diplomarbeit schraubten sie an dem Elektromotor, der den Trabi mit 3,6 PS auf eine Höchstgeschwindigkeit von 36 Stundenkilometern beschleunigen konnte.

Der Motor gehörte ursprünglich zu einem Gabelstapler und war für ein Auto eigentlich unterdimensioniert. Das sagte zumindest der Professor, der die Arbeit begleitete. Trotzdem schien er laut dem Bericht relativ angetan zu sein, denn er testete den E-Trabi bereits als Zweitwagen für Wege in der Stadt. Aufpassen musste er nur auf die Reichweite, die beschränkte sich nämlich auf 50 Kilometer, danach musste der Wagen 4,5 Stunden an die Steckdose.

Musikvideo statt Großbrand

Was die Anwohner der Zeche Zollern II in der Nacht zuvor beobachteten war kein zweiter Großbrand, sondern die Dreharbeiten zu einem Musikvideo. Trotzdem riefen ängstliche Bewohner die Polizei, denn bei so viel Nebel, rotem Licht und Blitzen war der Unterschied zwischen Großbrand und Musikvideo nicht immer ganz eindeutig.

Hinter der Lichtershow standen die Rock-Band Acid und ein Student der Fachhochschule für Film- und Foto-Design. 50 mal wurde über drei Nächte hinweg das Stück gespielt, um am Ende das passende Videomaterial beisammen zu haben.

Geglückter Durchbruch

Der Durchbruch in der Dortmunder Unterwelt war geschafft: Zwischen Möllerbrücke und den städtischen Kliniken waren die beiden Teilabschnitte der Röhre zusammengefügt worden, durch die später die Stadtbahnlinie II verkehren sollte.

Eine große Vortriebsmaschine grub bereits an dem zweiten Tunnel. Täglich wurden dort zwischen acht und zehn Meter neues Streckennetz gegraben. Damit der Bevölkerung, die über den Gleisen wohnt, nicht Tassen und Gläser im Schrank wackeln, wurden die Röhren 20 Meter tief unter der Erde gebaut. Die fertige Strecke sollte von Dortmund-Grevel über die städtischen Kliniken bis zur Möllerbrücke verlaufen.

Sicher auf dem Trockenen

Über nasse Füße und geflutete Keller klagten die Anwohner der Römerstraße in Lichtendorf nach stärkeren Regenfällen. Umstände, die sich dank des neuen Kanalsystems wohl nicht mehr so oft wiederholen mussten: Eine 1100 Meter lange Kanalstrecke sollte in Kombination mit einem Regenüberlauf- und -Rückhaltebecken Wassermassen Paroli bieten.

Der erste, 2,5 Millionen D-Mark teure Bauabschnitt schien zumindest ein Erfolg zu sein: Nach den ersten Regenfällen blieben alle Keller trocken.

Lesen Sie jetzt